Nach Punkt in Stuttgart: Weiterhin mehr Schatten als Licht bei Hertha BSC

Berlin - Youngster Luca Netz (17) rettete Coach Pal Dardai (44) den ersten Punkt nach seinem erneuten Engagement bei Hertha BSC. Der Ungar muss nach dem 1:1-Unentschieden beim VfB Stuttgart jedoch weiterhin auf seinen ersten Sieg gegen die Schwaben warten.

Nemanja Radonjic (24, oben) und Sami Khedira (33, r.) jubeln gemeinsam mit Torschütze Luca Netz (17, Mitte) über den späten Ausgleichstreffer von Hertha BSC.
Nemanja Radonjic (24, oben) und Sami Khedira (33, r.) jubeln gemeinsam mit Torschütze Luca Netz (17, Mitte) über den späten Ausgleichstreffer von Hertha BSC.  © Tom Weller/dpa

Das Remis ist ein Teilerfolg für den Hauptstadtklub, der aber besonders in der ersten Halbzeit eine schwache Leistung bot und am Ende Glück hatte, dass der VfB zur Pause nicht schon höher führte.

"Die erste Halbzeit war schrecklich. Das war alles nicht so, wie wir uns das vorgenommen haben, nicht vom Positionsspiel her, nicht vom Pressing. Wir hatten nichts unter Kontrolle", konstatierte der Trainer nach dem Spiel.

Insbesondere bei Standardsituationen zeigte die Alte Dame immer wieder eklatante Schwächen. Folgerichtig kassierten die Berliner den Gegentreffer auch nach einem ruhendem Ball - und Entscheidung des VAR.

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Insgesamt kam die Dardai-Truppe nicht richtig in die Zweikämpfe und leistete sich immer wieder gefährliche Ballverluste im Spielaufbau.

Im Spiel nach vorne war in Halbzeit eins generell wenig Esprit zu sehen. Meistens agierten die Blau-Weißen mit langen Schlägen auf die Stürmer Krzysztof Piatek (25) und Dodi Lukebakio (23), die die Bälle gegen die kopfballstarke Abwehr der Stuttgarter aber so gut wie nie festmachen konnten.

In der Halbzeit sei Dardai ganz ruhig geblieben, wie er bei der Pressekonferenz im Anschluss der Partie schilderte. "Ich habe ganz fachlich mit Bildern einige Szenen gezeigt."

Hertha-Coach Pal Dardai spricht nach dem Spiel über "zwei verschiedene Halbzeiten"

Stuttgart-Rückkehrer Sami Khedira kommt nach Einwechslung zu seinem 100. Bundesligaspiel

Sami Khedira feierte bei seiner Rückkehr nach Stuttgart sein 100. Bundesligaspiel.
Sami Khedira feierte bei seiner Rückkehr nach Stuttgart sein 100. Bundesligaspiel.  © Tom Weller/dpa

Mit Erfolg, denn in Durchgang zwei präsentierten sich die Charlottenburger griffiger in den Zweikämpfen und eroberten sich Stück für Stück mehr Spielanteile.

Große Gefahr vor dem gegnerischen Tor entfachten sie allerdings zunächst nicht. Die Spitzen blieben weiterhin Stumpf, sodass der ungarische Coach in der 58. Minute den einmal mehr enttäuschenden Piatek vom Platz nahm und durch Nemanja Radonjic (24) ersetzte.

In Minute 58 schlug ebenfalls die Stunde für Stuttgart-Rückkehrer Sami Khedira (33), der durch die Einwechslung zu seinem 100. Bundesligaspiel kam.

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Am Sky-Mikrofon sprach er nach dem Spiel von einem ungewohnten Gefühl gegen seinen früheren Verein zu spielen. "Aber letztendlich war es ein Pflichtspiel und deswegen war es im Großen und Ganzen eine schöne Rückkehr."

Er versuchte, das Spielgeschehen im Mittelfeld der Berliner zu ordnen, konnte zunächst jedoch auch keine neuen Impulse im Aufbauspiel geben.

Luca Netz äußert sich nach dem Spiel zu seinem wichtigen Ausgleichstreffer für Hertha BSC

Youngster Luca Netz rettet Hertha BSC nach Vorlage von Khedira einen Punkt gegen den VfB Stuttgart

Luca Netz bejubelt seinen späten Ausgleichstreffer für Hertha BSC.
Luca Netz bejubelt seinen späten Ausgleichstreffer für Hertha BSC.  © Tom Weller/dpa

Einziger Lichtblick war lange Zeit Matheus Cunha (21) der mit Einzelaktionen immer wieder für Gefahr sorgte. Sein Lupfer wurde in der 59. Minute aber kurz vor der Linie geklärt.

In der 82. Minute war es dann aber doch so weit: Nach einer Hereingabe von Khedira war es der erst drei Minuten zuvor eingewechselte Teenager Netz, der mit etwas Glück netzte und der Alten Dame einen Punkt rettete. Damit avancierte der Youngster gleichzeitig zum jüngsten Torschützen in Herthas Bundesliga-Geschichte.

Ausgerechnet Khedira vergab dann in der Nachspielzeit nach einem Konter den Siegtreffer, doch das wäre des Guten auch zu viel gewesen. Pal Dardai hätte einen unverdienten Sieg am Ende freilich gerne mitgenommen. So muss der Übungsleiter weiterhin auf die ersten drei Punkte nach seinem Neustart auf der Trainerbank warten.

"Nach so einer erschreckenden ersten Halbzeit sollten wir zufrieden sein", bilanzierte der Hertha-Trainer nach dem Spiel.

Immerhin hat er gegen Stuttgart ein glückliches Händchen bei seinen Einwechslungen bewiesen, denn zwei seiner Joker waren direkt am Ausgleichstreffer beteiligt. "Manchmal 'verwechselt' sich ein Trainer, das war heute nicht der Fall", freute sich der Coach in seiner gewohnt charmanten Art.

Titelfoto: Tom Weller/dpa

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