Und jetzt, Hertha? "Träumerei bringt uns nicht weiter"

Berlin - Der erhoffte Befreiungsschlag blieb wieder einmal aus! Hertha BSC hat es nach dem überzeugenden 3:0 gegen Bayer 04 Leverkusen verpasst, sich Luft im Abstiegskampf zu verschaffen. Nur zwei Punkte trennen die Berliner von einem direkten Abstiegsplatz.

Hertha-Coach Pal Dardai und sein Co-Trainer Zecke Neuendorf (r.). Dardai waren mit dem Auftritt ihrer Mannschaft im Stadtderby überhaupt nicht zufrieden.
Hertha-Coach Pal Dardai und sein Co-Trainer Zecke Neuendorf (r.). Dardai waren mit dem Auftritt ihrer Mannschaft im Stadtderby überhaupt nicht zufrieden.  © Annegret Hilse/Reuters Pool/dpa

Im Vorfeld des Berliner Derbys wurde viel geredet. Am Ende wurden die Hertha-Fans aber mal wieder enttäuscht - zumindest was die eigene Leistung anging. In der 2. Hälfte hatte die Alte Dame durch Lucas Tousart (23) nur einen einzigen Torschuss - und der ging ein gutes Stück über den Kasten.

"Ich bin negativ überrascht von meiner Mannschaft", versuchte Pal Dardai (45) in einer Medienrunde am Tag nach dem Unentschieden beim 1. FC Union Berlin (1:1) seine Enttäuschung erst gar nicht zu verbergen."Sehr, sehr viele Dinge haben mir gar nicht gefallen."

Immerhin hat Hertha das Spiel nicht noch verloren. Aber mehr als das 1:1 hatte der Hauptstadt-Klub auch nicht verdient. Das Gefühl noch als Verlierer vom Platz zu gehen, hatte Dardai zwar nicht, eher aber "schnell abpfeifen, weil das kann man nicht mit ansehen".

Wie viel der Punkt am Ende noch wert sein wird, werden die nächsten Wochen zeigen. Es deutet aber weiter vieles daraufhin, dass der Ungar mit seiner Vermutung recht haben wird. Herthas alter und neuer Coach hatte seit seinem Comeback immer wieder darauf hingewiesen, dass der Abstiegskampf sich bis zum letzten Spieltag oder gar Relegation dauern könnte.

Hertha BSC: Duelle gegen direkte Konkurrenten kommen noch

Viele intensive Zweikämpfe, wie hier zwischen Herthas Jhon Corodoba (r.) und Unions Robert Andrich, prägten die Partie.
Viele intensive Zweikämpfe, wie hier zwischen Herthas Jhon Corodoba (r.) und Unions Robert Andrich, prägten die Partie.  © Annegret Hilse/Reuters Pool/dpa

"Träumerei bringt uns nicht weiter. Hertha soll fleißig arbeiten", so Dardai. Sieben Spiele bleiben den Berlinern, um noch das Worst-Case-Szenario zu verhindern. Denn die extrem wichtigen Duelle gegen die direkten Konkurrenten 1. FSV Mainz 04, 1. FC Köln, FC Schalke 04 und Arminia Bielefeld kommen erst noch. "Gegen Bielefeld, Köln und so weiter darfst du nicht verlieren, da musst du gewinnen."

Doch auch gegen die Kellerkinder braucht die Alte Dame eine Leistungssteigerung. Die Blau-Weißen warten in dieser Saison weiter auf den zweiten Sieg in Folge. Mit dem 3-5-2 hat Dardai zwar das passende System für seine Mannschaft gefunden, doch vor allem in der Fremde lässt die Punkteausbeute zu wünschen übrig. Der letzte Auswärtssieg liegt bereits fünf Monate zurück - das 3:1 beim FC Augsburg.

Die große Frage lautet, wie Hertha mit dem immer größer werdenden Druck umgehen wird. Gegen Leverkusen, als die Berliner zwischenzeitlich auf Platz 17 abgerutscht waren, ist ihnen das sehr gut gelungen. Gegen Union eher weniger. "Ich glaube, das war Kopfsache", hatte Dardai schon nach dem Schlusspfiff am Sky-Mikrofon erklärt. "Heute war es wieder gelähmt."

Beim Saisonendspurt muss der Hertha-Coach möglicherweise auf seinen Kapitän verzichten. Dedryck Boyata (30) hatte sich nach dreimonatiger Verletzungspause und einem 45-Minuten-Comeback bei der belgischen Nationalmannschaft einen Muskelfaserriss zugezogen. Der Abwehrspieler wird dem Hauptstadt-Klub erstmal fehlen. Womöglich sogar bis Saisonende. "Ich brauche ihn, wenn er fit ist", stellte Dardai klar.

Heißt: Wenn der 30-jährige Abwehrchef, der eigentlich gegen Union schon im Kader stehen sollte, seine Verletzung auskuriert hat, muss er erstmal mit Fitnesstrainer Henrik Kuchno arbeiten. "Wenn er das überlebt, können wir über Boyata reden."

Titelfoto: Annegret Hilse/Reuters Pool/dpa

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