Hertha verspielt den Sieg: Augsburg schockt Alte Dame in Nachspielzeit

Berlin - Den sicher geglaubten Sieg verschenkt: Hertha BSC hat sich am 13. Bundesliga-Spieltag nach einer hektischen Schlussphase mit 1:1 (1:0) vom direkten Tabellennachbarn FC Augsburg getrennt und bleibt vorerst wie der Gegner im Tabellenkeller stecken.

Herthas Niklas Stark (r.) kämpft mit Augsburgs Andi Zeqiri (M.) um den Ball. In der ersten Halbzeit hat sich eine zweikampfbetonte Partie auf neu verlegtem Rasen im Berliner Olympiastadion entwickelt.
Herthas Niklas Stark (r.) kämpft mit Augsburgs Andi Zeqiri (M.) um den Ball. In der ersten Halbzeit hat sich eine zweikampfbetonte Partie auf neu verlegtem Rasen im Berliner Olympiastadion entwickelt.  © Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa

Marco Richter brachte die Spree-Athener vor 14.523 Zuschauern im Olympiastadion kurz vor Ende der ersten Halbzeit durch ein Gast-Geschenk mit 1:0 in Führung (40. Minute). Michael Gregoritsch glich erst in der Nachspielzeit aus (90.+7).

Nach der zahnlosen 0:2-Pleite im Hauptstadtderby veränderte Hertha-Trainer Pal Dardai seine Anfangsformation auf zwei Positionen. Jurgen Ekkelenkamp und Ishak Belfodil ersetzten Lucas Tousart und Krzysztof Piatek, die auf der Ersatzbank Platz nahmen.

Gäste-Coach Markus Weinzierl musste beim überraschenden Bayern-Besieger zwei Wechsel vornehmen. Kapitän Jeffrey Gouweleeuw fiel aufgrund eines positiven Coronafalls im direkten familiären Umfeld aus, sodass Ruben Vargas von Beginn an ran durfte. In der Innenverteidigung feierte Frederik Winther sein Bundesliga-Debüt für den verletzten Reece Oxford.

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Eine positive Nachricht gab es gleich vorab: Der Hoppelacker aus dem 1:1-Unentschieden gegen Bayer 04 Leverkusen war endlich Geschichte und die Kicker durften auf einem satten neuen Grün anstoßen.

Die Hausherren versuchten von Beginn an Druck auf den Gegner auszuüben. Nach sieben Zeigerumdrehungen schickte Suat Serdar Belfodil mit einem herrlichen Schnittstellenpass aus dem Mittelkreis heraus in den gegnerischen Strafraum, doch der Algerier scheiterte nach gewonnenem Laufduell aus halbrechter Position an Gäste-Keeper Rafal Gikiewicz (7.).

Anfangself von Hertha BSC im Bundesliga-Heimspiel gegen den FC Augsburg am 13. Spieltag

Startformation des FC Augsburg im Bundesliga-Spiel bei Hertha BSC

Marco Richter schießt Hertha BSC nach Gast-Geschenk des FC Augsburg gegen Ex-Klub in Führung

Die Hertha-Kicker bejubeln den glücklichen Führungstreffer.
Die Hertha-Kicker bejubeln den glücklichen Führungstreffer.  © Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa

Danach folgte jedoch erst einmal lange Leerlauf, jedenfalls was echte Tormöglichkeiten oder zumindest gefährliche Strafraumszenen anging.

Schließlich war es erneut Belfodil, der die Führung für den Hauptstadtklub auf dem Fuß hatte, nachdem er von Ekkelenkamp in der Box in Szene gesetzt worden war, doch er scheiterte erneut am polnischen Schlussmann der Augsburger - diesmal aus halblinker Position (21.).

Hertha blieb in der Folge das aktivere Team. Die Weinzierl-Truppe lauerte dagegen auf Kontermöglichkeiten. Und diese Taktik wäre auch beinahe aufgegangen. Iago marschierte auf der linken Seite mit Tempo aufs Tor zu und zwang Alexander Schwolow mit einem satten Schuss aus rund 14 Metern zu einer ersten wichtigen Parade (28.).

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Wenig später entschärfte der Hertha-Goalie auch noch einen brandgefährlichen Vargas-Kopfball, doch der Linienrichter hob die Fahne. Bei erfolgreichem Abschluss hätte sich sicherlich der VAR zu Wort gemeldet, denn diese Abseits-Entscheidung war äußerst knapp. (33.).

Kurz vor dem Pausentee schlug dann ausgerechnet der Ex-Augsburger Richter zu, mit freundlicher Unterstützung der Gäste. Robert Gumny und Torsteher Gikiewicz waren sich bei einer Klärungsaktion an der Strafraumkante uneinig. Richter spritzte dazwischen und schob zur Führung in den leeren Kasten ein - Dusel-Tor zum 1:0 (40.)! Aus Respekt verzichtete der Torschütze auf den Jubel. Mit einer Minute Nachspielzeit pfiff Schiedsrichter Frank Willenborg kurz darauf im verregneten Berlin zur Pause.

Zwei Hertha-Tore nach Abseits aberkannt, Augsburg gleicht in der Nachspielzeit aus

Santiago Ascacibar (l.) erkämpft den Ball für die Berliner.
Santiago Ascacibar (l.) erkämpft den Ball für die Berliner.  © Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa

Die Blau-Weißen drückten nach Wiederanpfiff gleich aufs wohl vorentscheidende 2:0 und schnürten die Fuggerstädter zunächst in der eigenen Hälfte ein.

Die beste Gelegenheit zum Ausbau der Führung hatte dann Serdar auf dem Fuß. Nach Ballverlust der bayerischen Schwaben schnappte der Achter sich das Leder und dribbelte sich auf links unbedrängt in den Gäste-Strafraum. Seinen Schlenzer ins rechte Eck konnte der FCA-Keeper aber noch um den Pfosten lenken (62.).

Nach einer Ecke fiel dann vermeintlich der Treffer zum erlösenden 2:0, doch Jordan Torunarigha stand bei der Kopfballablage deutlich im Abseits (74.).

Quasi im Gegenzug musste Schwolow kurz nacheinander gleich zweimal zur Tat schreiten. Zunächst parierte er einen Distanzschuss von Hahn, bevor er dann noch den Nachschuss von Iago aus kürzester Distanz entschärfte. (77.).

Es ging nun hin und her. Der Treffer vom eingewechselten Stevan Jovetic fiel erneut der Abseitsfahne zum Opfer. Marco Richter stand bei einem langen Schlag knapp in der verbotenen Zone, bevor er die Kugel auf den Montenegriner querlegte (79.).

Einige Hertha Spieler diskutieren nach Schlusspfiff mit Schiedsrichter Frank Willenborg (3.v.r.) über die aus ihrer Sicht viel zu lange Nachspielzeit.
Einige Hertha Spieler diskutieren nach Schlusspfiff mit Schiedsrichter Frank Willenborg (3.v.r.) über die aus ihrer Sicht viel zu lange Nachspielzeit.  © Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa

Am Ende schaffte es die Dardai-Truppe aber erneut nicht, den Sieg ins Ziel zu retten. In einer hektischen Schlussphase mit Rudelbildung schockte Joker Gregoritsch die Alte Dame in der Nachspielzeit. Niklas Dorsch schlug einen gut getimten Diagonalpass an den Sechzehner auf den ebenfalls eingewechselten Fredrik Jensen. Der legte die Kugel per Heber in die Strafraummitte, wo der Österreicher am höchsten stieg und zum Ausgleich in die rechte Ecke einnickte - 1:1 (90.+7)! Unmittelbar danach war Schluss.

Für die Hertha geht es am 5. Dezember (15.30 Uhr/DAZN) beim VfB Stuttgart mit einem weiteren wichtigen Duell im Tabellenkeller weiter. Der FCA trifft einen Tag zuvor (15.30 Uhr/Sky) ebenfalls auf einen direkten Konkurrenten, wenn der VfL Bochum in der heimischen WWK Arena zu Gast sein wird.

Titelfoto: Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa

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