Hertha BSC wieder im Abstiegskampf: Fünf Gründe für die Krise

Berlin - Hertha BSC ist Ende des Jahres wieder da, wo der Klub Anfang 2020 bereits stand: im Abstiegskampf. Statt um die Europapokalplätze mitzuspielen, stecken die ambitionierten Berliner mit nur 13 Punkten aus 13 Spielen im Tabellenkeller fest.

Auf Bruno Labbadia (r.) wartet noch viel Arbeit.
Auf Bruno Labbadia (r.) wartet noch viel Arbeit.  © Philipp von Ditfurth/dpa

Vor allem die letzten beiden Auftritte lassen die Alarm-Glocken läuten. Das enttäuschende 0:0 gegen den 1. FSV Mainz 05 und die harmlose Vorstellung bei der 1:4-Klatsche beim SC Freiburg haben gezeigt, dass der Hauptstadt-Klub trotz der Windhorst-Millionen noch lange nicht da ist, wo er sich eigentlich sieht. Die Gründe für die erneute Krise sind offensichtlich.

Keine Führungsspieler

Der jüngste Auftritt in Freiburg hat wieder einmal gezeigt: das Team ist auffällig leise auf den Platz. Wenn sich die Spieler dann auch nicht an die taktischen Vorgaben halten, kommt so eine Leistung, wie im ersten Durchgang zustande.

"Wir haben in der ersten Halbzeit gesehen, wie man es nicht machen soll", kritisierte Bruno Labbadia (54). "Wir haben ein Gesicht gezeigt, was nicht so funktioniert. Der ein oder andere meint, dass er sein Spiel alleine durchziehen kann."

Der Hertha-Coach hat oft genug betont, dass sich die Mannschaft nach dem Umbruch (14 Abgänge) noch finden müsse. Die Spieler sollen lernen, mehr Verantwortung auf dem Platz zu übernehmen. Eine Hoffnung, die bislang nicht aufgegangen ist. Lediglich Arsenal-Leihgabe Matteo Guendouzi (21) hat das Zeug zum Anführer, kann es aber nicht alleine richten.

Herthas Millionen-Truppe ist keine Mannschaft

Herthas Rekord-Einkauf Lucas Tousart ist noch nicht die erhoffte Verstärkung.
Herthas Rekord-Einkauf Lucas Tousart ist noch nicht die erhoffte Verstärkung.  © Soeren Stache/dpa-Zentralbild/ZB

Star-Einkäufe funktionieren nicht

Guendouzi ist mit Jhon Corodoba (27) bislang der einzige Transfer, der sofort eingeschlagen hat. Der Franzose fällt nicht nur wegen seiner Lockenpracht auf, sondern hat auch in Drucksituationen immer die passende Lösung parat.

Rekord-Einkauf Lucas Tousart (23) sitzt derzeit nur auf der Bank. Rückkehrer Eduard Löwen (23) kam bislang nur zu sporadischen Einsätzen und Deyovaisio Zeefuik (22) fiel bislang nur mit Blitz-Gelb-Rot, sowie einem verschuldeten Elfmeter auf.

Der Kader hat zwar durchaus erkennbares Potenzial, wirkt aber unrund. Vor allem in der Zentrale mangelt es an Kreativität. Es sind zwar tolle Einzelkönner auf dem Platz, aber keine Mannschaft!

Auch die teuren Winter-Transfers konnten nicht vollends überzeugen. 24-Mio.-Stürmer Krzysztof Piatek (25) fehlt noch immer die Bindung zum Team. Santiago Ascacibar (23, 10 Millionen Euro Ablöse) hat unter Labbadia verletzungsbedingt erst einmal gespielt.

Matheus Cunha

Nur Matheus Cunha (21) schlug voll ein. Der Brasilianer ist Herthas wichtigster Mann (sechs Tore, zwei Vorlagen). Er allein kann ein Spiel entscheiden, war aber gegen Mainz und in Freiburg ein Totalausfall. Die Folge: Labbadia kritisierte den 21-Jährigen ungewöhnlich scharf, bezeichnete seine Leistung als "unterirdisch".

Hertha BSC ist zu häufig von Matheus Cunha abhängig

Matheus Cunha (l.) wurde von seinem Trainer öffentlich stark kritisiert.
Matheus Cunha (l.) wurde von seinem Trainer öffentlich stark kritisiert.  © Philipp von Ditfurth/dpa

"Er zieht sich selbst runter, bringt seine Leistung nicht, zieht die Mannschaft runter", bemängelte Labbadia abermals die Körpersprache des Topscorers. "Bei aller Wichtigkeit. Das ist ein No-Go. Es ist sehr selten, dass ich so was mache, aber ich sage es ganz ehrlich: Ich bin total verärgert."

Das Problem: die Alte Dame braucht den Ex-Leipziger in Top-Form. Die Berliner sind nach wie vor zu häufig von seiner Torgefahr, Impulsivität und Schnelligkeit abhängig. Funktioniert Cunha nicht, funktioniert auch Hertha nicht.

Immerhin gelobte der Edeltechniker via Twitter Besserung. "Ich werde mich verbessern und dir CUNHA zurückgeben!!"

Hertha schlägt sich selbst

Mit vier Spielen ohne Niederlage schien man sich zuletzt auf einem guten Weg zu sehen, doch die Mannschaft bleibt ein fragiles Gebilde. Bei einem Gegentor gehen sofort die Köpfe runter.

Dabei sind es vor allem individuelle Fehler, die gnadenlos bestraft werden. Nur der FC Schalke 04 und Mainz 05 haben noch mehr Gegentore kassiert als der Hauptstadt-Klub.

Für Bruno Labbadia könnte es ungemütlich werden

Hertha BSC bringt sich immer wieder selbst um den Ertrag. Deyovaisio Zeefuik (l.) verursacht gegen Lucas Höler einen Elfmeter.
Hertha BSC bringt sich immer wieder selbst um den Ertrag. Deyovaisio Zeefuik (l.) verursacht gegen Lucas Höler einen Elfmeter.  © Philipp von Ditfurth/dpa

Es zieht sich wie ein roter Faden durch die Saison: die Alte Dame schlägt sich selbst! Die Berliner kamen in Freiburg druckvoll aus der Kabine, müssten eigentlich in Führung gehen, gerieten aber durch einen Fehler von Jordan Torunarigha (23) aus dem Nichts wieder in Rückstand. Spätestens mit dem 3:1 war der Zahn gezogen.

Keine Entwicklung

Bruno Labbadia hat den Hauptstadt-Klub nach der Corona-Pause zwar souverän zum Klassenerhalt geführt, der nächste Schritt ist der Mannschaft aber nicht gelungen. Hertha ist wieder da, wo der 54-Jährige den Verein übernommen hat: im Abstiegskampf.

In nun 23 Pflichtspielen hat der 54-Jährige einen Punkteschnitt von 1,13 - das ist weniger als seine Vorgänger Jürgen Klinsmann (1,2 Punkte/10 Spiele) und Ante Covic (1,21 Punkte/14 Pflichtspiele).

Zum Vergleich: In der vergangenen Spielzeit hatten die Blau-Weißen zum gleichen Zeitpunkt der Saison als Tabellen-16. elf Punkte auf dem Konto. Das sind gerade mal zwei Punkte weniger als jetzt.

Fängt Labbadia nicht im Januar gegen die vermeintlich Kleinen (es geht unter anderem gegen Schalke, 1. FC Köln und Arminia Bielefeld) an zu punkten, dürfte es auch für den Coach ungemütlich werden.

Titelfoto: Philipp von Ditfurth/dpa

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