Hertha-Krise immer schlimmer: Darum würde auch ein Trainerwechsel nichts ändern

Berlin - 20 Punkte bis zur Winterpause hat Pál Dárdai (45) von seiner Mannschaft gefordert. Angesichts der jüngsten Heim-Niederlage gegen den SC Freiburg (1:2) fragen sich viele, wo die restlichen 14 Punkte herkommen sollen. Von sieben Liga-Spielen hat Hertha BSC fünf verloren. Schlechter war man zum gleichen Zeitpunkt der Saison nur 2008/2009, als die Berliner nach sieben Spielen sechs Niederlagen kassiert hatten. Am Ende stieg die Alte Dame ab.

Das Vertrauen ist da. Pál Dárdai (45, r.) wird auch gegen Eintracht Frankfurt auf der Trainerbank sitzen.
Das Vertrauen ist da. Pál Dárdai (45, r.) wird auch gegen Eintracht Frankfurt auf der Trainerbank sitzen.  © Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa

Dennoch wird Dárdai auch in zwei Wochen gegen Eintracht Frankfurt auf der Bank sitzen. Fredi Bobic (49) sprach dem Ungar bereits nach Schlusspfiff das Vertrauen aus. "Er hat die volle Rückendeckung, wie er sie die ganzen Wochen gehabt hat", betonte der Manager im ZDF-Sportstudio zum wiederholten Male.

Einen Trainerwechsel hätten nach dem katastrophalen Saisonstart nicht wenige erwartet. Doch die Probleme sind hausgemacht. Daran würde auch ein neuer Chefcoach – der sechste in den letzten zwei Jahren – nichts ändern.

Ein unfertiger Kader, eine Mannschaft, die noch immer in der Findungsphase ist, unfitte Führungsspieler und das nicht enden wollende Verletzungspech in der Abwehr. Mit Márton Dárdai (19) reiht sich nun der nächste Innenverteidiger in das Lazarett ein. Der 19-Jährige wird mit einem Muskelfaserriss erstmal ausfallen.

Hertha verspielt den Sieg: Augsburg schockt Alte Dame in Nachspielzeit
Hertha BSC Hertha verspielt den Sieg: Augsburg schockt Alte Dame in Nachspielzeit

Linus Gechter (17), Jordan Torunarigha (24), Lukas Klünter (25) und Deyovaisio Zeefuik (23) fehlen ebenfalls verletzt. Heißt: Niklas Stark (26) und Kapitän Dedryck Boyata (30), ebenfalls aus einer Verletzung kommend, sind die beiden einzig verbliebenen gelernten Innenverteidiger.

"Es ist ein bisschen Schicksal, so etwas habe ich auch nicht erlebt. Es ist nicht einfach, aber wir heulen nicht", sagte Dárdai. An eine Achse ist derzeit nicht zu denken. Immer wieder muss der 45-Jährige seine Startelf durcheinander wirbeln. "Es würde nicht schaden, zwei- oder dreimal hintereinander dieselbe Elf rauszuschicken."

Erneuter Umbruch bei Hertha BSC: Mannschaft muss sich noch finden

Die fünfte Niederlage im siebten Spiel. Jurgen Ekkelenkamp (21/r.) und Dennis Jastrzembski (21/l.) können es kaum fassen.
Die fünfte Niederlage im siebten Spiel. Jurgen Ekkelenkamp (21/r.) und Dennis Jastrzembski (21/l.) können es kaum fassen.  © Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa

Doch auch der Hertha-Retter muss sich unangenehme Fragen gefallen lassen. Eine Spielidee ist nicht wirklich zu erkennen. Gerade im Spiel nach vorn bleibt vieles Stückwerk, auch wenn sowohl Bobic als auch Dárdai gegen Freiburg viele positive Dinge gesehen haben wollen. Der Plan ging nur selten oder nur zum Teil auf. Bezeichnend: Der Übungsleiter hat in sechs von sieben Spielen zur Pause gewechselt.

Hinzu kommen die nicht fit wirkenden Führungsspieler. Kevin-Prince Boateng (34) kann seine Rolle als Leader bislang auf dem Platz noch nicht wirklich ausfüllen. Spätestens nach 60 Minuten ist Schluss. Bei Stevan Jovetić (31) sieht es ähnlich aus.

Die Krise nur am Trainer festmachen wollen aber auch die Hertha-Fans nicht. Er ist in gewisser Hinsicht ein Opfer der erneut schwierigen Transferperiode. Obwohl sich Dárdai gegen einen erneuten Umbruch ausgesprochen hatte, leitete Bobic den nächsten Umbruch ein.

Herthas Last-Minute-Drama raubt Dardai den Schlaf: "Langsam kein Zufall mehr"
Hertha BSC Herthas Last-Minute-Drama raubt Dardai den Schlaf: "Langsam kein Zufall mehr"

Auch der Ruf nach Verstärkung auf den Außenbahnen blieb weitestgehend unerfüllt. Mit Marco Richter (23) und Myziane Maolida (22) sind zwar zwei neue Flügelflitzer gekommen, Dodi Lukébakio (24) und Javairô Dilrosun (23) wurden auf dem letzten Meter aber noch abgegeben.

Insgesamt gehen die Herthaner mit gerade mal drei Flügelspielern in die Saison. Fällt dann auch noch Schienenspieler Zeefuik aus, hat Dárdai nicht mehr viele Optionen. Zudem musste auch noch Richter angeschlagen vom Feld.

Titelfoto: Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa

Mehr zum Thema Hertha BSC: