Hertha-Reservisten der große Trumpf? "Diesen Nemanja brauchen wir"

Berlin - Das Bauchgefühl von Pal Dardai (45) sollte sich mal wieder bestätigen. Trotz oder gerade wegen der XXL-Rotation schlug Hertha BSC den SC Freiburg verdient mit 3:0. Nur zwei Spieler standen auch gegen den 1. FSV Mainz 05 in der Startelf: Torwart Alexander Schwolow (28) und Mittelfeld-Antreiber Matteo Guendouzi (22).

Innenverteidger Jordan Torunarigha (23) spielte gegen Freiburg auf ungewohnter Position als Linksverteidiger.
Innenverteidger Jordan Torunarigha (23) spielte gegen Freiburg auf ungewohnter Position als Linksverteidiger.  © Tom Weller/dpa pool/dpa

Dass die Berliner nach dem kräftezehrenden 1:1 bei den Mainzern rotieren werden, war auch den Spielern bewusst. Mit so einer großen Rotation hatten jedoch noch nicht einmal die Co-Trainer Andreas "Zecke" Neuendorf (46) und Admir Hamzagic (35) gerechnet.

Dardai tauschte seine Startelf nicht nur auf neun Positionen, sondern änderte auch noch das zuletzt so erfolgreiche 3-5-2-System. "Wenn das schiefgegangen wäre, hätten alle gelacht. Trotzdem hatte ich ein gutes Gefühl."

Schon bei seiner ersten Amtszeit als Hertha-Trainer 2015 hatte Dardai bei seiner Heimpremiere gegen den SC Freiburg mit seiner Aufstellung überrascht und unter anderem Ronny (34) auf der Sechs aufgeboten. Was damals noch missglückte, sollte sich diesmal auszahlen - vor allem, weil die Spieler überzeugten, die zuletzt kaum eine Rolle oder nur noch eine Nebenrolle spielten.

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Auf ungewohnter Position schaltete sich Jordan Torunarigha (23) immer wieder im Spiel nach vorne mit ein. Dass der Abwehrspieler in der Jugend erst als Stürmer gespielt hatte, machte sich vor dem 1:0 bezahlt. Seinen Distanzschuss konnte Gäste-Keeper Florian Müller (23) nur zur Seite abwehren. Krzysztof Piatek (25) bewies allerdings mal wieder, was er für ein Näschen hat und verwerte den Abpraller zur frühen Führung.

Womit wir auch schon wieder beim Bauchgefühl des Trainers wären. Vor dem Spiel in Mainz hatte der Ungar das erste Bundesligator von Lucas Tousart (24) vorhergesagt und auch bei Piatek sollte er Recht behalten.

Nemanja Radonjic zeigt sein bislang bestes Spiel für Hertha BSC

Herthas Nemanja Radonjic (24/l.) im Zweikampf mit Leverkusens Florian Wirtz (19). Die Winter-Leihgabe machte gegen Freiburg sein bislang bestes Spiel.
Herthas Nemanja Radonjic (24/l.) im Zweikampf mit Leverkusens Florian Wirtz (19). Die Winter-Leihgabe machte gegen Freiburg sein bislang bestes Spiel.  © Annegret Hilse/Reuters/POOL/dpa

Bei den Rheinhessen nach der vergebenem Hochkaräter in der Schlussphase noch der Pechvogel, nutze er gleich die erste Chance des Spiels. Dardai war sich schon nach Schlusspfiff sicher: "Er war da, das nächste mal schafft er das."

Bezeichnend für die Hingabe der gesamten Mannschaft war allerdings eine andere Szene. Unmittelbar vor dem 3:0 kämpfte Torunarigha noch im Liegen mit dem Kopf um den Ball. "Ich habe ihm schon hundertmal gesagt: Ich brauche diesen Jordan von der Zeit, als ich damals angefangen habe", lobte Dardai die Leistung des Eigengewächses. "Er kann ruhig Selbstvertrauen haben. Er hat seine Schnelligkeit, er hat alles."

Nach dem Ballgewinn ging es blitzschnell nach vorne. Nemanja Radonjic (24) zündete noch in der eigenen Hälfte den Turbo an, lief allen davon und krönte seine Leistung mit dem 3:0. Erst zum zweiten Mal in der Startelf zeigte der Serbe seine bislang beste Leistung im Hertha-Trikot.

Mit seiner Schnelligkeit ist die Winter-Leihgabe eine echte Waffe, seine Auftritte wirkten bislang eher unglücklich. Gegen Freiburg wurde aber ersichtlich, warum sich Hertha eine Kaufoption von 12 Millionen Euro zusicherte. Die Leistenprobleme scheinen endlich auskuriert zu sein.

Peter Pekarik überrascht Pal Dardai

Peter Pekarik (34/r.) köpft das Tor zum 2:0. Freiburgs Mittelfeldspieler Baptiste Santamaría (26) kommt zu spät.
Peter Pekarik (34/r.) köpft das Tor zum 2:0. Freiburgs Mittelfeldspieler Baptiste Santamaría (26) kommt zu spät.  © Annegret Hilse/Reuters-Pool/dpa

"Er ist jetzt fit. Es hat ihm gutgetan, dass er bei der Nationalmannschaft zwei gute Spiele gemacht hat", so Dardai. "Man sieht auch im Training, wie er arbeitet. Diesen Nemanja brauchen wir."

Schon beim 2:0 glänzte Radonjic als Vorbereiter, als er Philipp Lienhart (24) ins Leere laufen ließ und anschließend die perfekte Flanke auf Peter Pekarik (34) schlug. Der Slowake - unter Bruno Labbadia (55) noch unumstrittener Stammspieler - kam die letzten acht Spiele überhaupt nicht mehr zum Zug.

Als Schienenspieler ist der Routinier offenbar keine Option, dafür aber in der Viererkette. Der Rechtsverteidiger erledigt seine Aufgabe souverän, unaufgeregt und ungewohnte Offensivdrang.

Galt der Routinier als sowas wie die Harmlosigkeit in Person, hatte er schon unter Dardais Vorgänger seine Offensivqualitäten entdeckt. Gegen die Breisgauer erzielte der 34-Jährige schon sein drittes Saisontor - und das auch noch per Kopf.

"Peka überrascht mich manchmal", gab Dardai zu. "Manchmal werden die kleinen Spieler unterschätzt. Er hat das gut ausgenutzt.

Titelfoto: Tom Weller/dpa pool/dpa, Annegret Hilse/Reuters/Pool/dpa

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