Hertha trotzt der Quarantäne und schöpft Mut: "Mehr, als ich erwartet habe"

Berlin - Es hätte die Schlüsselszene werden können. Der bereits gelb-vorbelastete Stefan Bell (29) hatte Matheus Cunha (21) in der 34. Minute voll am Fuß erwischt. Eine klar Gelbe Karte. Schiedsrichter Sascha Stegemann (36) beließ es allerdings bei einer letzten Ermahnung. Statt mit zehn Mann weiterzuspielen, nahm Bo Svensson (41) seinen Abwehrboss sofort runter.

Lobende Worte vom Coach. Nach dem Schlusspfiff versammelt Pal Dardai (M.) seine Mannschaft noch auf dem Feld.
Lobende Worte vom Coach. Nach dem Schlusspfiff versammelt Pal Dardai (M.) seine Mannschaft noch auf dem Feld.  © Torsten Silz/dpa

Groß Aufregen wollten sich die Herthaner aber nicht. "Ich bin kein Fan davon, Spieler runterzuschicken. Er hat versucht an den Ball zu kommen, Cunha war einen Tick eher dran, aber so böse war das nicht", sagte Pal Dardai (45) nach dem Punktgewinn beim 1. FSV Mainz 05 (1:1) am Sky-Mikrofon. "Wir akzeptieren die Entscheidung vom Schiedsrichter, alles gut. Fußball ist ein Männersport."

Vielleicht hatte sich der Chefcoach auch an das letzte Pflichtspiel vor der Quarantäne erinnert. Gegen Borussia Mönchengladbach (2:2) hatte Yann Sommer (32) schon früh die Rote Karte gesehen. Mit einem Mann mehr drückte Hertha BSC zunächst aufs 1:0, um anschließend komplett den Faden zu verlieren.

Immerhin: Der daraus resultierende Freistoß brachte die Gäste-Führung. Lucas Tousart (24) verwertete die tolle Hereingabe von Marton Dardai (19) per Kopf. Es war das erste Bundesligator des Rekord-Neuzugangs (36. Minute).

Beinah hätte Cunha sogar das 2:0 erzielt, als er völlig frei vor Robin Zentner (26) auftauchte, aber nicht genügend Druck hinter den Ball brachte (39.). Quasi im Gegenzug erzielte Mainz durch einen Sonntagsschuss von Phillipp Mwene (27) noch vor der Pause den verdienten Ausgleich (40.).

Alexander Schwolow rettete Hertha BSC einen Punkt

Abstiegskampf in Mainz. Herthas Jhon Cordoba (l.) lieferte sich wie hier mit Stefan Bell viele Zweikämpfe.
Abstiegskampf in Mainz. Herthas Jhon Cordoba (l.) lieferte sich wie hier mit Stefan Bell viele Zweikämpfe.  © Torsten Silz/dpa

Dass die Berliner überhaupt in Führung gehen konnten, lag an der mangelnden Chancenverwertung der Hausherren und am herausragenden Alexander Schwolow (28). Adam Szalai (33) vergab die wohl größte Gelegenheit, als er im Eins-gegen-eins den Hertha-Keeper überlupfen wollte, Schwolow aber noch den rechten Arm auspackte.

"Ich habe versucht lange stehen zu bleiben, mich nicht tunneln zu lassen. Das hat er dann erkannt und versucht zu leupfen. Ich habe das auch gerochen und bin dann reaktionschnell", erklärte Herthas Nummer eins bei Sky.

Dem Hauptstadt-Klub war vor allem zu Beginn des Spiels die zweiwöchige Quarantäne anzumerken. Gegen die aggressive Spielweise der fünftbesten Rückrundenmannschaft der Liga hatten die Blau-Weißen große Probleme. Die Alte Dame kam kaum aus der eigenen Hälfte raus, hielt aber mit Kampf und Leidenschaft dagegen.

"Ich bin sehr stolz auf die Jungs, habe sie extra noch zusammengeholt auf dem Platz und sie gelobt. Respekt, sie haben gut gekämpft und gut gespielt. Umso weiter die Zeit voranging, umso besser wurden unsere Spielzüge", zeigte sich Dardai vor allem mit dem Auftreten seiner Elf zufrieden. "Auf diesem Spiel kann man aufbauen. Mehr, als ich erwartet habe."

Beinah hätten die Gäste die Heimreise gar mit drei Punkten im Gepäck antreten können, doch der eingewechselte Krzysztof Piatek (25) vergab in der Schlussphase den Lucky Punch, als er den Ball aus kürzester Distanz neben das Tor setzte. Böse über den vergebenen Hochkaräter des Top-Jokers ist Dardai aber nicht: "Wichtig ist, das es ein schöner Spielzug war, kein Zufallsprodukt. Er war da, das nächste mal schafft er das."

Titelfoto: Torsten Silz/dpa

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