Hertha und das Warten auf Neuzugänge: Gefährliche Parallelen zur letzten Saison?

Berlin - Die Euphorie war groß. Nach 14 Jahren kehrt der verlorene Sohn Kevin-Prince Boateng (34) zu Hertha BSC zurück. Es ist einer der besten Transfers der vergangenen Jahre. Neben Suat Serdar (24) bislang allerdings auch nur einer von zwei Neu-Einkäufen in dieser Saison.

Da geht's lang. Kevin-Prince Boateng (34) soll die junge, talentierte aber wenig heterogene Mannschaft führen.
Da geht's lang. Kevin-Prince Boateng (34) soll die junge, talentierte aber wenig heterogene Mannschaft führen.  © Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa

Schon in der Vergangenheit hatte der Berliner Junge aus dem Wedding mit einer Rückkehr zu seinem Herzensklub geliebäugelt. Geklappt hatte es allerdings nicht. Erst als Fredi Bobic (49) das Amt des Sportchefs übernahm, wurde das von Fans und Spieler lang ersehnte Comeback real.

Er soll und wird die Rolle des Leaders übernehmen - auch wenn der 34-Jährige, der zuletzt in der zweiten italienischen Liga beim AC Monza unter Vertrag stand, nicht mehr jedes Spiel bestreiten wird. Seine Rolle ist eine andere: Ähnlich wie Sami Khedira (34/Karriereende) ist Boateng vor allem für die Kabine geholt worden.

Von optimaler Fitness ist der Routinier allerdings noch ein gutes Stück entfernt. Das hat man nicht zuletzt beim jüngsten Testspiel gegen den VfB Lübeck (1:1) gemerkt. Gegen den Regionalligisten kam Hertha nur zu einem 1:1.

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Die durchwachsene Vorbereitung setzt sich damit fort. Die Berliner bleiben während der Vorbereitung zwar ungeschlagen, konnten aber gegen die Zweitligisten Hannover 96 (4:4) und FC St. Pauli (2:2), sowie gegen Viertligist Lübeck nicht gewinnen.

Inzwischen ist von der Euphorie zum Auftakt der Vorbereitung nicht mehr viel übrig geblieben. "Es ist ein offenes Geheimnis. Es muss etwas passieren. Wir haben Qualität abgegeben", sagt Trainer Pal Dardai (45) und fordert damit Neuzugänge. "Wir warten. Wir arbeiten weiter."

Wer kommt noch zu Hertha BSC? Fredi Bobic rechnet mit "spannendem August"

Bleibt er oder geht er? Bei Herthas Topscorer Matheus Cunha (22) ist die Zukunft unklar.
Bleibt er oder geht er? Bei Herthas Topscorer Matheus Cunha (22) ist die Zukunft unklar.  © Andreas Gora/dpa

Der Umbruch ist bislang größer ausgefallen als zunächst angenommen. Matteo Guendouzi (22) spielt mittlerweile bei Olympique Marseille, Khedira beendete seine Karriere und Mathew Leckie (30) kehrte nach Australien zurück.

Zudem verließen Eduard Löwen (24/Leihe zum VfL Bochum), Omar Alderete (24/FC Valencia) und Retter Jessic Ngankam (21/Leihe zur SpVgg Greuther Fürth) den Klub. Winter-Leihgabe Nemanja Radonjic ist zwar wieder in Marseille, könnte aber noch verpflichtet werden.

Am schwersten wiegt allerdings der Verlust von Jhon Cordoba (28). Der Kolumbianer wechselt überraschend nach Russland zum Ligazehnten FK Krasnodar. Sportlich ein großer Verlust, finanziell aber verständlich. 20 Millionen Euro soll der 28-Jährige in die Kassen spülen.

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Genug Geld um auf Shoppingtour zu gehen. Im Hintergrund arbeiten die Verantwortlichen bereits intensiv an weiteren Transfers. Mit schnellen Entscheidungen ist allerdings nicht zu rechnen, zumal weiterhin unklar ist, was aus Matheus Cunha (22) und Dodi Lukebakio (23) wird. Beide können bei einem entsprechenden Angebot wohl gehen.

Bobic hatte bereits angedeutet, dass der Transfermarkt vor allem im August an Fahrt aufnehmen dürfte. Das Problem: Von einem eingespielten Team kann bei den ganzen Fragezeichen bis zum Saisonstart keine Rede sein.

Böse Erinnerungen an vergangene Vorbereitung

Fredi Bobic (49) hat schon in Stuttgart und Frankfurt bewiesen, dass er ein gutes Näschen für Transfers besitzt.
Fredi Bobic (49) hat schon in Stuttgart und Frankfurt bewiesen, dass er ein gutes Näschen für Transfers besitzt.  © Uwe Anspach/dpa

Ein Trainer hat seine Mannschaft am liebsten bereits zur Vorbereitung komplett, spätestens aber im Trainingslager. Diesen Wunsch dürfte Bobic Dardai wohl nicht erfüllen können.

Auch deshalb werden bei den Hertha-Fans Erinnerungen an die letzte Saison wach. Aufgrund der neuen Finanzkraft durch Investor Lars Windhorst (44) galt der Hauptstadt-Klub als einer der Gewinner der Corona-Pandemie. Kaum ein Name wurde nicht in Berlin gehandelt.

Später gaben die Verantwortlichen zu, dass man sich den Transfersommer anders vorgestellt hatte. Von den fünf Neuzugängen absolvierte lediglich Deyovaisio Zeefuik (23) Teile der Vorbereitung. Cordoba kam erst kurz vor dem Saisonauftakt. Guendouzi, Löwen und Alderete erst am Deadline Day. Da waren bereits drei Spieltage absolviert.

Auch die Vorbereitung lief alles andere als optimal und gipfelte mit dem frühzeitigen DFB-Pokal-Aus bei Eintracht Braunschweig (4:5). Grund zur Panik ist allerdings nicht angesagt. Bis zum Bundesliga-Auftakt am 15. August ist noch viel Zeit. Selbst ohne Neuzugänge hat Hertha noch genügend Qualität.

Dazu wird es aber aller Voraussicht nach nicht kommen. Bobic, der schon in Frankfurt und Stuttgart bewiesen hat, wie gut er vernetzt ist, wird noch auf den Transfermarkt zuschlagen. Die Frage ist nur, wann?

Titelfoto: Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa, Andreas Gora/dpa

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