Hertha und die Angst vor dem Dynamo-Schicksal!

Berlin - Hertha BSC bleibt in dieser Saison auch nichts erspart. Mitten im ohnehin schon dramatischen Abstiegskampf muss die gesamte Mannschaft für 14 Tage in Quarantäne. Die Spiele gegen den 1. FSV Mainz 05, SC Freiburg und FC Schalke 04 abgesagt. Wann sie nachgeholt werden, ist noch unklar.

Hertha-Trainer Pal Dardai (r, 45) hat nach der Corona-Infektion nur leichte Symptome. Dynamo Dresden, hier am Boden hockend Marco Hartmann (33), musste ebenfalls mitten im Abstiegskampf kurz vor dem Re-Start in Quarantäne.
Hertha-Trainer Pal Dardai (r, 45) hat nach der Corona-Infektion nur leichte Symptome. Dynamo Dresden, hier am Boden hockend Marco Hartmann (33), musste ebenfalls mitten im Abstiegskampf kurz vor dem Re-Start in Quarantäne.  © Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa, Swen Pförtner/dpa

Doch schon jetzt droht Hertha ein Horror-Programm. Am 22. Mai endet die Bundesliga-Saison. Nur vier Tage später steigt schon das Relegations-Hinspiel, das womöglich auch Hertha droht.

Viel Zeit für die Nachholspiele bleibt da nicht mehr. In 22 Tagen müssen die Berliner sechs Spiele bestreiten - nach einer zweiwöchigen Trainingspause.

Anders als noch vor dem Re-Start der Bundesliga bleibt dem Hauptstadt-Klub diesmal keine Vorbereitung. Es muss nach der Quarantäne direkt weitergehen. "Das ist schon eine Extremsituation, die wir alle noch nicht erlebt haben. Wir werden sie annehmen", erklärte Sportdirektor Arne Friedrich (41).

Eine erste Spieltagsplanung der DFL ist bereits bei der Alten Dame eingegangen. Ganz zufrieden scheinen die Verantwortlichen aber damit noch nicht zu sein. Hertha will einen eigenen Vorschlag einreichen.

"Wir nehmen die Situation an, wir hadern nicht. Unsere Gedanken sind in ersten Linie bei den erkrankten Spielern und Trainern", stellte Hertha-Boss Carsten Schmidt (57) klar.

Hertha BSC und die Erinnerungen Dynamo Dresden

Arne Friedrich (l, 41) im Gespräch mit Herthas Sami Khedira (34). Der Sportdirektor richtet den Blick nach vorne.
Arne Friedrich (l, 41) im Gespräch mit Herthas Sami Khedira (34). Der Sportdirektor richtet den Blick nach vorne.  © Soeren Stache/dpa-Zentralbild POOL/dpa

In der Hauptstadt wurden prompt Erinnerungen an die vergangene Saison wach. Kurz vor dem Re-Start musste der damalige Zweitligist Dynamo Dynamo mitten im Abstiegskampf ebenfalls in Quarantäne. Drei Spiele mussten verlegt werden. Innerhalb von 19 Tagen musste der Drittligist sieben Partien bestreiten. Im knallharten und für einen Zweitligisten ungewohnten Drei-Tage-Rhythmus ging Dynamo die Puste aus und stieg letztendlich ab.

Von einer Wettbewerbsverzerrung will man bei der Hertha aber nichts wissen. "Darüber können wir diskutieren und spekulieren. Fakt ist: Es ist, wie es ist", so Friedrich.

Vielmehr richten die Berliner den Blick nach vorne und versuchen Optimismus zu verbreiten. "Ich habe vollstes Vertrauen in das Team hinter dem Team. Unsere Motivation ist maximal, ich spüre einen Spirit: Jetzt erst recht!", betonte der ehemalige Sky-Chef Carsten Schmidt. "Als Hertha BSC geht es für uns um sehr viel. Wir sind uns der Situation absolut bewusst, aber wir hadern nicht, sondern nehmen sie an und werden kämpfen."

Am Donnerstag sah es zunächst noch so aus, als könnte der Trainings- und Spielbetrieb weitergehen. Arne Friedrich, der auch im Besitz einer A-Trainerlizenz ist, sollte die Mannschaft auf die schwere Englische Woche vorbereiten. Zusammen mit Ex-Teamkollege Malik Fathi (37) und Levent Selim leitete er erstmals das Hertha-Training. Der positive Corona-Befund von Marvin Plattenhardt (29) änderte jedoch die Situation.

"Ich hatte mich darauf eingestellt, die Mannschaft in den nächsten drei Spielen zu betreuen", sagte der 41-jährige. "Dann wurde das nochmal getoppt. Ich bin der Trainer mit der kürzesten Laufbahn der Bundesliga-Geschichte."

Mit virtuellen Trainingseinheiten soll die Mannschaft so fit wie möglich gehalten werden. Der Verein hat dazu extra Fahrräder und Laufbänder zur Verfügung gestellt. Die Übungen wird aber nicht wie noch am Donnerstag Friedrich, sondern Pal Dardai (45), der bislang nur leichte Symptome hat, leiten.

Titelfoto: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa, Swen Pförtner/dpa

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