Hertha und Union im TAG24-Derby-Check: Eiserner Favorit, Alte Dame unter Druck

Berlin - Die Anspannung steigt! Rund zwei Monate nach dem letzten Derbysieg treffen Hertha BSC und der 1. FC Union Berlin erneut aufeinander. Diesmal ist es mehr als nur ein Stadtderby. Es geht ums Weiterkommen im DFB-Pokal. Oder mit den Worten von Urs Fischer (55) ausgedrückt: "Einer fliegt raus, das ist im Pokal so."

Ex-Herthaner Genki Haraguchi (30, l.) jubelt mit Christopher Trimmel (34, r.) über Taiwo Awoniyis (24, M) Führungstreffer zum 1:0 beim letzten Derby.
Ex-Herthaner Genki Haraguchi (30, l.) jubelt mit Christopher Trimmel (34, r.) über Taiwo Awoniyis (24, M) Führungstreffer zum 1:0 beim letzten Derby.  © Andreas Gora/dpa

Seit inzwischen 36 Jahren wird das Pokalfinale im Olympiastadion ausgetragen - und das noch nie mit der Alten Dame. Lediglich die Amateure zogen 1993 ins Endspiel ein, selbst Union durfte 2001 Final-Atmosphäre (0:2 gegen den FC Schalke 04) schnuppern.

Platzt der Traum vom Finale im eigenen Stadion ausgerechnet gegen den Stadtrivalen? TAG24 macht den großen Derby-Check.

Form

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Geht es nur nach der Tabelle, ist der Favorit schnell ausgemacht: Union! Die Eisernen liegen ganze neun Zähler vor den Charlottenburgern und sind klar auf Europapokalkurs. Schon wieder.

Auch in ihrer dritten Bundesligasaison sind sie unheimlich stabil. Selbst schwächere Spiele wie zuletzt gegen die TSG 1899 Hoffenheim (2:1) gewinnt die Fischer-Elf.

Hertha hingegen kämpft erneut gegen den Abstieg. Die traditionsreichen Berliner trennen nur vier Zähler von einem direkten Abstiegsplatz. Zuletzt reichte es beim kriselnden VfL Wolfsburg nur zu einem 0:0. Dennoch ist eine Entwicklung unter Tayfun Korkut (47) erkennbar.

Ausgeglichene Bilanz beim Berliner Stadt-Derby zwischen Hertha BSC und dem 1. FC Union Berlin

Hertha BSC muss erneut ohne seinen Topscorer Stevan Jovetic (32) auskommen.
Hertha BSC muss erneut ohne seinen Topscorer Stevan Jovetic (32) auskommen.  © Andreas Gora/dpa

Bilanz

Das letzte Duell ging klar an die Eisernen. Chancenlos mussten sich die Blau-Weißen mit 0:2 in Köpenick geschlagen geben. Doch was einmal war, zählt nicht mehr: "Damit haben wir uns gar nicht beschäftigt. Es ist ein Derby. Ein Derby ist dafür da, um es zu gewinnen", gibt Korkut die Richtung vor.

Kurios: Seit dem Aufstieg konnte noch nie die Auswärtsmannschaft gewinnen. Die Alte Försterei ist auch bei den Derbys eine Festung (zwei Siege, ein Remis), während Hertha die letzten zwei Duelle im Olympiastadion (4:0/3:1) für sich entscheiden konnte.

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Hoffnungsträger

Beide müssen auf ihren Toptorjäger verzichten. Taiwo Awoniyi (24, neun Saisontore) weilt beim Afrika-Cup, bei Herthas Stevan Jovetic (32, fünf Tore) reicht die Zeit nicht. Der Montenegriner hatte schon das Derby im November verpasst.

Hertha muss auf Jovetic verzichten, Union auf Awoniyi

Peter Pekarik (35) wurde beim letzten Aufeinandertreffen im Olympiastadion zum Derby-Helden.
Peter Pekarik (35) wurde beim letzten Aufeinandertreffen im Olympiastadion zum Derby-Helden.  © Odd Andersen/AFP-POOL/dpa

Das Toreschießen müssen also andere übernehmen, zum Beispiel Grischa Prömel (27). Zumindest bei Union. Der 27-Jährige hat nach seinem Doppelpack zum Rückrundenauftakt bei Bayer 04 Leverkusen (2:2) auch gegen Hoffenheim genetzt (2:1). Sheraldo Becker (27) soll für das nötige Tempo sorgen.

Beim Hauptstadt-Klub aus Charlottenburg ruhen die Hoffnungen auf Suat Serdar (24) und Ishak Belfodil (30). Der ehemalige Schalker musste in Wolfsburg noch wegen einer Gelbsperre passen. Belfodil kam im Laufe der Hinrunde immer besser in Tritt, glänzte vor allem als Vorbereiter und hat spätestens seit seinem Treffer gegen Borussia Dortmund (3:2) seinen Torriecher wieder.

Heimvorteil?

Zwar spricht die Statistik für die Gastgeber, auf ein volles Haus können sie aber nicht bauen. Maximal 3.000 Zuschauer sind derzeit zugelassen. Union hatte im November mehr Glück. Zum bislang einzigen Mal in dieser Saison konnten die Köpenicker auf ein volles Stadion setzen.

Obwohl die Gäste im letzten Derby in allen Belangen überlegen waren, liegt der Druck bei Hertha. Die Eisernen haben nichts zu verlieren. Ein Pokal-Aus gegen den Stadtrivalen im eigenen Stadion wäre hingegen die ultimative Schmach.

Fischer und Korkut wollen von einer Favoritenrolle nichts wissen

Urs Fischer (55, r.) weist trotz des jüngsten Derby-Sieges die Favoritenrolle von sich.
Urs Fischer (55, r.) weist trotz des jüngsten Derby-Sieges die Favoritenrolle von sich.  © Daniel Karmann/dpa, Andreas Gora/dpa

So kann sich der Tabellenfünfte auf das konzentrieren, was ihn so stark macht: unbequem sein. Gerade die Defensive ist nur schwer zu knacken. Das heißt aber nicht, dass beide Teams bloß keinen Fehler machen wollen: "Es wird kein Taktieren geben, kein 0:0. Es gibt einen Sieger, das ist das Faszinierende am Pokal", so Fredi Bobic (50).

So sehen die Trainer den Gegner

Von einer Favoritenrolle wollte weder Korkut noch Fischer etwas wissen. Beiden haben Respekt vor dem Gegner. "Sie haben ganz klare Abläufe und die machen sie auch sehr, sehr gut. Für uns wird es wichtig sein, dass wir sie vor Aufgaben stellen. Es wird darauf ankommen, dass wir sehr viel in Bewegung sind", so der Dardai-Nachfolger.

Die Hertha von vor zwei Monaten ist nur noch schwer zu vergleichen. Auch wenn die Ergebnisse teilweise noch zu wünschen übrig lassen, sind die Fortschritte seit dem Trainerwechsel klar zu erkennen.

Fischer: "Sie setzen die Ideen des neuen Trainers schon um. Ich empfinde die Mannschaft aktiver, gerade im Spiel mit Ball. Sie haben eine Spieleröffnung, trauen sich zu, in den Druck zu spielen, versuchen, das spielerisch zu lösen, haben aber auch die Mischung, immer wieder mal von hinten auf die gegnerische Abwehrkette zu spielen, um mit einem zweiten Ball in die Tiefe zu kommen."

Titelfoto: Andreas Gora/dpa, Odd Andersen/AFP-Pool/dpa

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