Hertha zurück im Abstiegskampf: Selke wird zum Buhmann

Berlin - Schneeregen, nur 14.523 Zuschauer im zügigen kühlen Olympiastadion und ein Ausgleich in der 97. Minute. Passender hätte die Gemütslage eines Hertha-Fans in den letzten Wochen nicht sein können. In allerletzter Sekunde hat Hertha BSC gegen den FC Augsburg (1:1) noch den sicher geglaubten Sieg aus der Hand gegeben.

Der eingewechselte Davie Selke (26/r.) wurde erneut zur tragischen Figur. In letzter Sekunde gab Hertha BSC noch den Sieg aus der Hand.
Der eingewechselte Davie Selke (26/r.) wurde erneut zur tragischen Figur. In letzter Sekunde gab Hertha BSC noch den Sieg aus der Hand.  © Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa

Wie schon im Heimspiel zuvor kassierte die Alte Dame spät die Quittung, doch diesmal tut der Nackenschlag besonders weh. Ein Blick auf die Tabelle zeigt: Der Hauptstadt-Klub meldet sich zurück im Abstiegskampf. Lediglich einen Punkt trennt Hertha vom Relegationsrang 16.

Und die Lage könnte sich verschlimmern. Nächste Woche wartet auf den Tabellen-14. beim VfB Stuttgart (15.) das nächste Kellerduell.

Während die Konkurrenten wie der VfL Bochum fleißig punkten, schaffen es die Berliner nicht den Sieg über die Ziellinie zu bringen. Nach Führungen verspielten sie schon zehn Punkte.

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In den sozialen Medien ist der Schuldige schnell ausgemacht: Davie Selke (26). Nach dem Derby beim 1. FC Union Berlin (0:2) wegen eines nicht gewollten Trikots noch unfreiwillig in die Schlagzeilen geraten, ist der Angreifer zum Buhmann geworden.

Es war bereits tief in der Nachspielzeit. Hertha wollte das 1:0 nur noch über die Zeit bringen, als Selke nach einer kurzen Ecke theatralisch zu Boden ging.

Die Folge: eine Rudelbildung, die Hertha offenbar derart aus dem Konzept brachte, dass sie unmittelbar danach den Ausgleich kassierten.

"Es war ein Fehler von uns", sagte Pal Dardai (45) auf der Pressekonferenz. "Alle rasten aus. Da kommst du aus dem Konzept. Lass sie den Freistoß machen und alle bleiben konzentriert, aber alle gehen dahin. Das ist nicht ok."

Hertha BSC gibt gegen den FC Augsburg in letzter Sekunde den Sieg aus der Hand

Pal Dardai (45/2.v.r.) und sein Co-Trainer Andreas "Zecke" Neuendorf (46/l.) waren mit den Entscheidungen des Schiedsrichters nicht immer einverstanden. Nach dem Ausgleich sah Zecke noch die Rote Karte.
Pal Dardai (45/2.v.r.) und sein Co-Trainer Andreas "Zecke" Neuendorf (46/l.) waren mit den Entscheidungen des Schiedsrichters nicht immer einverstanden. Nach dem Ausgleich sah Zecke noch die Rote Karte.  © Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa

Die Herthaner werfen dem Stürmer eine Schauspieleinlage vor, durch die sich die Nachspielzeit noch einmal unnötig verlängert hat.

Allerdings wurde Selke von Iago (24) getroffen. Die angezeigten vier Minuten waren zwar bereits abgelaufen, Jordan Torunarigha (24) musste aber kurz zuvor behandelt werden. Der lange Schlag wäre so oder so gekommen.

So kam es, wie es kommen musste. Der glückliche Treffer des Ex-Augsburgers Marco Richter (24) reichte nicht. Die Gastgeber jubelten zweimal über das vermeintliche 2:0. Vorausgegangen war aber jeweils eine Abseitsstellung.

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"Hätten wir das 2:0 gemacht, würden wir jetzt nicht über einen Punktverlust reden", so Dardai. "Wir müssen langsam mal anfangen, konsequenter damit umzugehen, wie wir das zweite Tor machen und wie wir richtig verteidigen, damit wir das Spiel nach Hause bringen. Das ist nicht das erste Mal, dass es passiert."

So aber jubelten die Augsburger. Michael Gregoritsch (27) traf Hertha, die erneut den Sprung aus dem Tabellenkeller verpassten, mit seinem Kopfball mitten ins Herz.

Titelfoto: Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa

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