Meine Meinung: Hertha braucht einen "Prince", Boateng-Comeback wäre der Hammer!

Berlin - Nicht auszumalen, wenn Kevin-Prince Boateng (34) nicht auf seinen damaligen Trainer Lucien Favre (63) gehört hätte. Der Schweizer war es, der Herthas Bad Boy 2007 zum Wechsel nach England geraten hatte. Hertha BSC verlor seinen wohl talentiertesten Nachwuchsspieler, brauchte aber dringend das Geld. Auch wenn seine Zeit bei Tottenham Hotspur eher unglücklich verlief, reifte Boateng mit etwas Verspätung zum Weltstar heran. 14 Jahre später bahnt sich das Sensations-Comeback an. Einen besseren Transfer kann es für Hertha nicht geben. Ein Kommentar.

Kevin-Prince Boateng (34) wechselte 2007 von Hertha BSC zu Tottenham Hotspur. In seinem letzten Spiel im Hertha-Trikot machte er für den heutigen Co-Trainer Andreas Zecke Neuendorf Platz.
Kevin-Prince Boateng (34) wechselte 2007 von Hertha BSC zu Tottenham Hotspur. In seinem letzten Spiel im Hertha-Trikot machte er für den heutigen Co-Trainer Andreas Zecke Neuendorf Platz.  © dpa/Frank May

Der mittlerweile 34-Jährige hat in allen vier europäischen Top-Ligen seine Spuren hinterlassen, spielte mit absoluten Weltstars wie Ronaldinho (41), Zlatan Ibrahimovic (39) oder Lionel Messi (33) zusammen. Nun nimmt die Rückkehr offenbar Formen an. Schon diese Woche könnte der ARD-EM-Experte vorgestellt werden.

Es wäre ein echter Hammer! Hertha-Fans träumen schon länger von einem Comeback und auch der Fußballer liebäugelte in der Vergangenheit schon öfter mit einem erneuten Engagement bei seinem Ex-Verein.

Ein Transfer, der nur Gewinner hätte. Die Offensivkraft kehrt in seine Heimatstadt zurück, Hertha hätte einen Führungsspieler und Identifikationsfigur zugleich.

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Geschichten über Boateng gibt es viele. Das Ballack-Foul kurz vor der WM, der Rausschmiss kurz vor der U21-EM, sein Kampf gegen den Rassismus oder die nächtliche Spritztour mit Patrick Ebert ("Du alter Rowdy"). Eine Anekdote ist mir aber besonders in Erinnerung geblieben.

In einer 11Freunde-Reportage hatte Boateng von seiner ersten Trainingseinheit beim AC Mailand berichtet. Der 23-Jährige hatte bei der WM 2010 mit starken Leistungen auf sich aufmerksam machen können, war aber bei dem Mailänder Starensemble ein weitgehend unbekannter Neuzugang.

Kevin-Prince Boateng auf Wunschliste ganz oben

Wandervogel Kevin-Prince Boateng (34) spielte auf Leihbasis für den großen FC Barcelona. Kehrt er nun in seine Heimatstadt zurück?
Wandervogel Kevin-Prince Boateng (34) spielte auf Leihbasis für den großen FC Barcelona. Kehrt er nun in seine Heimatstadt zurück?  © Daniel Gonzalez Acuna/ZUMA Wire/dpa

Den Respekt seiner namhaften Mitspieler hatte sich der Berliner Junge jedoch schnell erarbeitet. Schon am ersten Tag legte sich der "Prince" mit keinem geringeren als Gennaro Gattuso (43) an.

Eine Geschichte, die viel aussagt: Kevin-Prince Boateng hat keine Angst - weder auf, noch neben dem Platz. Er ist der Leader, den die Alte Dame dringend gebrauchen können.

Wie sehr es den Berlinen an Führungsspieler mangelt, hat die vergangene Saison gezeigt. Hertha hat die Abgänge von Per Skjelbred (34), Vedad Ibisevic (36), Salomon Kalou (35) und Thomas Kraft (32) nicht verkraftet. Die junge Mannschaft sollte noch mehr Verantwortung übernehmen und wäre beinah abgestiegen. Mit Sami Khedira (34/Karrierende) ist nun der nächste Wortführer weg.

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Man kann es drehen und wenden, wie man will: Es gibt keinen besseren Nachfolger für den Weltmeister von 2014 als Kevin-Prince Boateng (34). Der ehemalige Herthaner hat in seiner Karriere schon viel erlebt. Sein Wort hat in der Kabine Gewicht.

Zudem kennt er sowohl Pal Dardai (45), Co-Trainer Andreas "Zecke" Neuendorf (46), als auch Fredi Bobic (49). Bobic hatte ihn einst nach Frankfurt geholt. Mit Dardai und Zecke stand er während seiner Zeit in Berlin noch gemeinsam auf dem Platz.

Auch sportlich würde der Weddinger dem Hauptstadt-Klub weiterhelfen. Er ist zwar nicht mehr der schnellste, hat aber trotz seiner 34 Jahre das Fußballspielen nicht verlernt. Ähnlich wie Khedira würde Boateng zwar keine 30 Spiele mehr absolvieren, kann aber sowohl im Angriff, als auch im Mittelfeld spielen.

Statt auf Big City Club setzen die Charlottenburger auf jede Menge Hertha-DNA. Pal Dardai an der Seitenlinie, Arne Friedrich (42) als Sportdirektor, der verlorene Sohn Boateng zurück, dazu die Offensiv-Stars um Matheus Cunha (22) und Jhon Corodba (28), die Eigengewächse Jordan Torunarigha (23), Maximilian Mittelstädt (24), Arne Maier (22), sowie Top-Talent Luca Netz (18) - Herthas Slogan scheint sich tatsächlich zu bewahrheiten: Die Zukunft gehört Berlin!

Titelfoto: dpa/ Frank May, Daniel Gonzalez Acuna/ZUMA Wire/dpa

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