Meinung: Der peinliche Deadline Day von Hertha BSC war zu erwarten

Berlin - Messi, Ronaldo, Mbappé – dass die "Alte Dame" keinen dieser Weltstars verpflichten würde, war allen klar. Aber es reichte nicht mal für Samu Castillejo (26) von AC Mailand. Ein Kommentar.

Myziane Maolida (22) will genau wie Hertha BSC hoch hinaus.
Myziane Maolida (22) will genau wie Hertha BSC hoch hinaus.  © Thibault Camus/AP/dpa

Die Fans von Hertha BSC waren voller Hoffnung und gespannt auf den Deadline Day. Sie wurden – wie sollte es auch anders sein – bitter enttäuscht.

Am Ende kam mit Myziane Maolida (22) ein Neuer, während Javairo Dilrosun (23) und Daishawn Redan (20) erstmal tschau sagen. Dilrosun wird an Girondins Bordeaux verliehen und Redan an PEC Zwolle.

Mit Maolida holt Hertha erneut einen jungen, talentierten Spieler. Die Frage ist nur, wie viel Zeit die Verantwortlichen ihm geben. Sollte er sofort einschlagen, wäre das in einer neuen Liga schon eine große Überraschung.

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Zumal er durch den späten Transfer die Saisonvorbereitung bei Hertha nicht mitmachen konnte.

Für Olympique Lyon und OGC Nizza spielte er 65-mal in der französischen Ligue 1. Dabei schoss er nur fünf Tore. Hinzu kommen sieben Torvorlagen. Das sind keine Zahlen, die Gegner in Angst und Schrecken versetzen.

Ein immerhin etwas größerer Coup wäre die Verpflichtung von Samu Castillejo gewesen. Sein Transfer von AC Mailand zur Hertha stand am letzten Tag des Transferfensters wohl im Raum, ist aber doch noch geplatzt.

Genau dieses peinliche Scheitern steht aktuell sinnbildlich für Hertha BSC. Man nimmt sich Großes vor, ist aber nicht in der Lage, das erfolgreich umzusetzen.

Hertha BSC scheint nicht der richtige Platz für spielerische Klasse zu sein

Vielleicht hätte es geholfen, Matheus Cunha (22) einmal mehr in den Arm zu nehmen.
Vielleicht hätte es geholfen, Matheus Cunha (22) einmal mehr in den Arm zu nehmen.  © Soeren Stache/dpa-Zentralbild/POOL/dpa

Ganz Verrückte hatten sicher noch auf einen echten Star-Zugang gehofft. Um einen großen Spieler an die Spree zu locken, fehlen der Hertha aber schlichtweg die sportlichen Argumente.

Und damit kommen wir zum Knackpunkt der Hertha-Misere. Die Mannschaft steht nach drei Spieltagen mit null Punkten auf dem letzten Tabellenplatz! Das schreit nach echter Verstärkung, eben nach einem Spieler, der das Team sofort besser macht.

Aber welcher Ausnahmespieler will sich einem Verein anschließen, bei dem gefühlt alles drunter und drüber läuft? Die guten Fußballer – die Hertha von Zeit zu Zeit durchaus hat – verlassen den Klub schnell wieder. Bestes Beispiel ist der Abgang von Matheus Cunha (22).

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Ein begnadeter, junger Brasilianer war in Berlin ohne Frage ein schwieriger Charakter, aber gleichzeitig auch der mit Abstand beste Kicker. Hätte sich hier nicht die Mühe gelohnt, sich Zeit für seine "Erziehung" zu nehmen? Den Spielern eine Wohlfühloase zu schaffen, scheint einfach nicht Herthas Ding zu sein.

Junge, talentierte Spieler können in ein paar Saisons richtig stark werden. Es braucht aber Zeit, bis aus Potenzial echte Klasse wird. Anstatt den Jungspunden diese Zeit zu geben, verkauft Hertha sie lieber mit Transferplus wie bei Cunha.

Ist ja schön und gut, aber was bringt das viele Geld, wenn man es genau wie die Hunderte Windhorst-Millionen zum Fenster rauswirft?

Peinliche Instagram-Aktion zum Deadline Day von Hertha BSC

Als wäre die Stimmung der Hertha-Fans durch die sportliche Misere und das Ausbleiben eines Königstranfers nicht schon schlecht genug, macht die Hertha auch in den sozialen Medien keinen Halt vor Peinlichkeiten.

Bei Instagram entfachte man mit einem Ladebalken als Transfer-Ticker Euphorie bei den Fans. Was kam, ist bekannt: Ein-No-Name-Spieler, der den Transfer-Ladebalken auf gerade mal 22 Prozent steigen ließ.

Da war ja noch genug Platz für weitere Zugänge. Allerdings füllte sich der Rest des Transfer-Balkens nur noch durch Abgänge.

Nach der Leihe von Daishawn Redan sprang der Ticker dann auf 86 Prozent, zeigte aber schon einen vollen Balken. Das wären ja dann eigentlich 100 Prozent...

Nach diesem Deadline Day dürfte es vielen Hertha-Fans vor dem Rest der Saison grauen. Oder man hofft einfach auf das Transferfenster im Winter...

TAG24-Redakteur Marcel Nasser findet, dass Hertha BSC aktuell nicht allzu viel richtig macht.
TAG24-Redakteur Marcel Nasser findet, dass Hertha BSC aktuell nicht allzu viel richtig macht.  © TAG24/Marcel Nasser

Titelfoto: Thibault Camus/AP/dpa (Bildmontage)

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