Nächstes Debakel für Dardai und sein Team! Und jetzt, Hertha?

Berlin - Die Worte von Fredi Bobic (49) direkt nach dem Schlusspfiff dürften den Hertha-Fans bekannt vorkommen. "Wir müssen uns bei unseren Fans für den Auftritt entschuldigen. So einen Auftritt möchte ich in der Form nicht mehr sehen", sagte Bobic nach dem erneuten Debakel bei RB Leipzig (0:6) dem TV-Sender Sky.

Pal Dardai (45) musste mit seiner Elf die nächste schmerzhafte Klatsche innerhalb weniger Wochen verkraften.
Pal Dardai (45) musste mit seiner Elf die nächste schmerzhafte Klatsche innerhalb weniger Wochen verkraften.  © Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

Innerhalb von vier Wochen hat Hertha BSC die nächste herbe Klatsche kassiert. Schon beim FC Bayern München ging die Alte Dame mit 0:5 baden. Schon Ende August waren die Aussagen der Verantwortlichen ähnlich.

In Berlin war man sich einig: So eine Leistung darf sich nicht wiederholen! Doch spätestens nach der erneuten desolaten Vorstellung ist Hertha zurück im Krisenmodus.

Hilflos hatten sich die Berliner quasi ergeben. Vor allem die Art und Weise lassen die Alarm-Glocken läuten: Keiner erreichte Normalform, die Mannschaft wirkte mit den flinken Leipzigern komplett überfordert, lief nur hinterher und lud die Gastgeber immer wieder zu Chancen ein.

Hertha-Torwart Rune Jarstein spricht nach Infektion Corona-Klartext: "Musste im Rollstuhl sitzen"
Hertha BSC Hertha-Torwart Rune Jarstein spricht nach Infektion Corona-Klartext: "Musste im Rollstuhl sitzen"

"Wir haben den Gegner selbst aufgebaut", sagte Pal Dardai (45) am Tag nach der schmerzhaften Niederlage. "Und was wir für Tore bekommen haben in der ersten Halbzeit, das ist zu einfach, das geht nicht. Darüber haben wir schon hundertmal gesprochen und hundertmal gezeigt, und trotzdem kommt es wieder."

Spätestens nach dem 0:3 kurz vor der Pause hatte sich seine Elf ergeben. Das drückt sich auch in Zahlen aus. Mit 103,5 Kilometern sind die Berliner ganze fünf Kilometer weniger als der Gegner gelaufen.

Hertha BSC zurück im Krisenmodus

Leipzig Emil Forsberg (l.) verwandelt den Elfmeter zum 0:4. Es folgten noch vier weitere Treffer.
Leipzig Emil Forsberg (l.) verwandelt den Elfmeter zum 0:4. Es folgten noch vier weitere Treffer.  © Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

Von der Aufbruchstimmung nach den zuletzt zwei Siegen in Folge war nichts mehr zu sehen. Gegen die zwei Aufsteiger konnte Hertha teilweise glücklich gewinnen, für mehr scheint es aber nicht zu reichen. Die auch nicht gerade vor Selbstbewusstsein strotzenden Leipziger hatten leichtes Spiel.

Ob mit Dreier-, Vierer- oder Fünferkette: Der Hauptstadt-Klub war zu keinem Zeitpunkt in der Lage die Offensive der Leipziger zu stoppen. Allein drei Tore kassierten die harmlosen Gäste durch einfache Pässe durch die Mitte.

Die Gründe für das Debakel sind vielfältig: Nicht enden wollenden Verletzungssorgen, die falsche Taktik und Aufstellung, aber auch eine merkwürdige Kaderplanung. Den Berliner fehlt es offensichtlich an Qualität. Bobic will aus der Alten Dame eine echte Kämpfertruppe machen, von Kampf war auf dem Rasen aber nichts zu sehen. Keiner wehrte sich gegen die Klatsche.

Bank-Zoff bei Hertha-Sieg, Eberl blafft Friedrich an: "Halt's Maul, Arne!"
Hertha BSC Bank-Zoff bei Hertha-Sieg, Eberl blafft Friedrich an: "Halt's Maul, Arne!"

Auch Dardai muss sich wieder Fragen gefallen lassen. Da auch noch Linus Gechter (17) die Verletzungsmisere in der Abwehr verschärfte, rückte Lucas Tousart (24) eine Position weiter nach hinten. Das Experiment als Innenverteidiger ist krachend gescheitert. Wie schon so häufig in dieser noch jungen Spielzeit stellte der Ungar zur Pause um.

Jurgen Ekkelenkamp auf ungewohnter Position

Herthas Neuzugang Jurgen Ekkelenkamp (21, r.) und Vladimir Darida (30) hatten RB Leipzig nichts entgegenzusetzen.
Herthas Neuzugang Jurgen Ekkelenkamp (21, r.) und Vladimir Darida (30) hatten RB Leipzig nichts entgegenzusetzen.  © Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

Aus Mangel an Alternativen liefen zudem Startelf-Debütant Jurgen Ekkelenkamp (21) und Suat Serdar (24) als Flügelstürmer auf ungewohnten Position auf. Normalerweise fühlen sich die beiden Neuzugänge in der Zentrale am wohlsten. Dementsprechend fehlte ihnen die Bindung zum Spiel.

Nach der Bayern-Klatsche hatte Dardai noch indirekt seinen Rücktritt angeboten. Davon kann jetzt aber keine Rede sein. "Wer mich kennt, weiß, Pal kommt jeden Tag mit vollem Akku und motiviert zum Training und versucht, die Spieler wie eigene Söhne zu behandeln, jeden Spieler zu verbessern", so der 45-Jährige am Sonntagmorgen. "Auch heute bin ich mit guter Laune gekommen."

Schon direkt nach der Pleite hatte sich Davie Selke (26) schützend vor seinem Coach gestellt. Auch Bobic wollte sich bei Sky nicht auf eine Trainerdiskussion einlassen: "Wir müssen nicht gleich in Panik verfallen, sondern ganz in Ruhe unseren Job machen."

Folgt am Samstag Zuhause gegen den SC Freiburg (15.30 Uhr/Sky) allerdings die nächste Harmlos-Vorstellung dürfte die Diskussion um Dardai wieder an Fahrt aufnehmen.

Titelfoto: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

Mehr zum Thema Hertha BSC: