"Oh wie ist das schön": Hertha spielt endlich wieder Dardai-Fußball

Berlin - Hertha BSC hat eine neue Spezialität für sich entdeckt: Einwürfe! Wie schon eine Woche zuvor bei Eintracht Frankfurt (2:1) schalteten die Berliner nach einem Einwurf von Marvin Plattenhardt (29) am schnellsten. Über Nico Elvedis Rücken landete der Ball schließlich bei Marco Richter (23), der sehenswert per Seitfallzieher traf (40. Minute).

Marco Richter (l.) trifft per Seitfallzieher zum 1:0. Gladbachs Yann Sommer (r.) hat keine Chance mehr.
Marco Richter (l.) trifft per Seitfallzieher zum 1:0. Gladbachs Yann Sommer (r.) hat keine Chance mehr.  © Andreas Gora/dpa

Wie glücklich die Führung auch zustande kam, reiner Zufall war es aber nicht. "Tatsächlich haben wir einige Einwürfe einstudiert - auch einer, wo man sich hinten ranschleicht", verriet der Torschütze am Sky-Mikrofon. "Die Gladbacher waren beim Einwurf nicht so aktiv und so konnte ich den Ball verlängern."

Herthas Neuzugang scheint in Berlin angekommen zu sein. Wie schon in Frankfurt erzielte der Flügelflitzer das 1:0. Kurios: Auch bei den Hessen war es nach einem Einwurf.

Gegen Borussia Mönchengladbach war sein zweiter Streich dieser berühmte Treffer aus dem Nichts. Hertha tat sich im Top-Spiel am Samstagabend unheimlich schwer überhaupt in die gegnerische Hälfte zu kommen.

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Der erste Schuss war dann allerdings gleich drin. "Wir müssen das zweite, dritte Tor machen. Der letzte Pass muss kommen. Aber trotzdem wunderschön. Wir sind heute sehr glücklich", sagte der in den Wochen zuvor in die Kritik geratene Pal Dardai (45) bei Sky.

Vor allem im ersten Durchgang waren die Gäste die klar tonangebende Mannschaft. Druckvoll spielten die Fohlen nach vorne, kontrollierten Ball und Gegner. Die Berliner kamen kaum aus der eigenen Hälfte heraus und wären beinah schon früh in Rückstand geraten.

Alte Dame spielt erstmals in dieser Saison zu null

Erschöpft aber glücklich sitzt Maximilian Mittelstädt nach dem Schlusspfiff auf dem Boden.
Erschöpft aber glücklich sitzt Maximilian Mittelstädt nach dem Schlusspfiff auf dem Boden.  © Andreas Gora/dpa

Erst setze Elvedi seinen Kopfball neben das Tor, dann musste der VAR eingreifen. Schiedsrichter Benjamin Cortus (39) hatte nach maximal minimalen Kontakt von Maximilian Mittelstädt (23) gegen Joe Scally (18) auf den Punkt gezeigt. Der Unparteiische schaute sich die Szene aber nochmal genauer an und nahm den Elfmeter richtigerweise zurück.

Galt Hertha vor zwei Wochen noch als Schießbude der Liga, scheinen sie das richtige System endlich gefunden zu haben. Die Viererkette stand sattelfest, sodass Alexander Schwolow (29) zum ersten Mal in dieser Saison seinen Kasten sauber hielt.

Das Verletzungspech in der Abwehr bleibt den Berlinern aber weiter treu. Kurzfristig musste Dardai auf Niklas Stark (26) verzichten.

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Marton Dardai (19), der nach den wenigen Trainingseinheiten nach seiner Verletzung gar nicht spielen sollte, musste den Vize-Kapitän ersetzen und zeigte eine souveräne Leistung. Gerade in der Hälfte setzten die Gäste die Berliner unter Druck, konnten sich aber in den gesamten 90 Minuten fast keine Torchance erspielen.

"Wir haben sehr gut verteidigt, hatten Geduld und auf die Umschaltmomente gewartet. In der zweiten Halbzeit waren genug da. Wenn wir das besser ausspielen, holen wir einen Riesen-Sieg."

Hertha BSC lässt die Krise hinter sich

Herthas Marco Richter (r.) und Gladbachs Ramy Bensebaini kämpfen um jeden Zentimeter.
Herthas Marco Richter (r.) und Gladbachs Ramy Bensebaini kämpfen um jeden Zentimeter.  © Andreas Gora/dpa

Mit dem nun vierten Saisonsieg hat Hertha die Krise erstmal hinter sich gelassen. Angesichts der Gladbacher Überlegenheit in Hälfte eins könnte man meinen, dass Mentalität Qualität geschlagen hat. So oder so ähnlich müssen es sich die Verantwortlich in Berlin vor der Saison vorgestellt haben. Die Blau-Weißen schmissen sich in jeden Zweikampf, es war eine echte Einheit auf dem Rasen zu erkennen.

Und noch etwas kann man aus dem Spiel gewinnen. Hertha spielt wieder Dardai-Fußball. Nach dem überzeugenden 2:1 in Frankfurt konnte die Alte Dame zwar nicht spielerisch glänzen, stand aber kompakt. Etwas was die Berliner in den Jahren zuvor unter der Vereinsikone immer ausgezeichnet hatte und zuletzt verloren gegangen zu sein schien.

Das ist zwar nicht immer schön, aber war den Hertha-Fans am Ende egal. Nach Schlusspfiff hallte es minutenlang "Oh wie ist das schön"-Rufe durch das kalte Olympiastadion.

Titelfoto: Andreas Gora/dpa

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