Quo vadis Hertha BSC? Wohin geht die Reise in der neuen Saison?

Berlin - Die Vorbereitung ist für Hertha BSC so gut wie abgeschlossen. Am Freitag steht das erste Pflichtspiel der Saison an. Doch wo steht die Alte Dame eigentlich leistungsmäßig und wohin wird die Reise in der neuen Saison gehen?

Investor Lars Windhorst (43) gibt eine Pressekonferenz nach dem Rücktritt von Trainer Klinsmann. Mit Windhorsts Einstieg wollte der Hauptstadtklub eigentlich in neue Dimensionen vorstoßen.
Investor Lars Windhorst (43) gibt eine Pressekonferenz nach dem Rücktritt von Trainer Klinsmann. Mit Windhorsts Einstieg wollte der Hauptstadtklub eigentlich in neue Dimensionen vorstoßen.  © Andreas Gora/dpa

Es schien alles wie gemalt zu sein für den Hauptstadtklub. Durch den Einstieg von Investor Lars Windhorst (43) erhielt Hertha BSC eine Finanzspritze von insgesamt 374 Millionen Euro. Zudem wurde mit Jürgen Klinsmann (56) ein erfahrener Trainer engagiert, der die Hertha auf Kurs bringen sollte.

Schnell wurden mit Krzysztof Piatek (25), Matheus Cunha (21) und Lucas Tousart (23) erste große Verpflichtungen getätigt. Und Klinsmann wollte mehr. Er soll den Transfer von Emre Can (26) befeuert und sogar Namen wie Mesut Özil (31) und Lukas Podolski (35) ins Spiel gebracht haben. Ein möglicher Transfer von Arsenals Mittelfeldstratege Granit Xhaka (27) zerschlug sich ebenfalls.

Auch der sportliche Erfolg wollte sich nicht so recht einstellen und Klinsmanns Projekt vom "Big City Club" scheiterte schon im Ansatz, sodass er mit einem großen Knall das Weite suchte. Womöglich war er damit aber auch einem drohenden Rauswurf nach nur einem Sieg aus den letzten sechs Spielen seiner Amtszeit zuvorgekommen.

Auftritt Bruno Labbadia (54). Nach einer kurzen Übergangszeit mit Klinsmanns Co-Trainer Alexander Nouri (41) in der Verantwortung, holte die Hertha mit Labbadia einen erfahrenen Bundesliga-Coach an die Spree, der sich zudem auch schon als "Feuerlöscher" einen Namen machte, als er den HSV 2015 vor dem Abstieg rettete. Das sollte auch das Minimalziel mit den Berlinern sein, denn ein Abstieg der Hertha wäre undenkbar gewesen.

Nach erfolgreichem Klassenerhalt verlassen erfahrene Profis die Hertha

Trainer Bruno Labbadia (54) beobachtet nachdenklich seine Spieler beim Training. Ein Bild mit Symbolcharakter?
Trainer Bruno Labbadia (54) beobachtet nachdenklich seine Spieler beim Training. Ein Bild mit Symbolcharakter?  © Andreas Gora/dpa

Nachdem das Ziel Klassenerhalt schnell erreicht war, gab es in der zurückliegenden Bundesligasaison für die Hertha nichts mehr zu gewinnen. Man konnte sich also in aller Ruhe in den Urlaub verabschieden und dann der Vorbereitung auf die neue Spielzeit widmen.

Doch die Vorbereitung lief von Anfang an nicht rund. Eines wurde auf dem Trainingsplatz schnell deutlich: Es mangelt der Mannschaft an Führungsspielern!

Kein Wunder, denn Bundesliga-Veteranen wie Per Skjelbred (33), Salomon Kalou (35) und Vedad Ibisevic (36), die auf und neben dem Platz der Kopf der Mannschaft waren, verließen die Hertha im Sommer. Obendrein endete auch die Leihe von Marko Grujic (24), der sich unter Trainer Labbadia zum Stammspieler und Mittelfeldmotor entwickelt hatte.

Und die Neuen? Mit Alexander Schwolow (28) wurde zwar ein erfahrener Torhüter verpflichtet, doch ansonsten sind eher junge Talente zur Hertha gestoßen. Vielleicht hätte der Alten Dame ein erfahrener Spieler wie Max Kruse (32) gutgetan, der das Spielgeschehen an sich reißen und junge Spieler anführen kann. Doch der ist bekanntlich ausgerechnet beim Hauptstadtrivalen Union Berlin gelandet.

Hertha BSC spielt eine ernüchternde Vorbereitung

Bruno Labbadia (54, l.) und Eindhovens Trainer Roger Schmidt (53) umarmen sich. Im Testspiel erteilte Schmidts Mannschaft der Hertha eine Lehrstunde.
Bruno Labbadia (54, l.) und Eindhovens Trainer Roger Schmidt (53) umarmen sich. Im Testspiel erteilte Schmidts Mannschaft der Hertha eine Lehrstunde.  © Filip Singer/ANP/dpa

Aufgrund der Corona-Pandemie konnte Hertha BSC nur vier Testspiele während der Vorbereitung bestreiten. Gegen den Drittligisten FC Viktoria Köln begann das Unterfangen Bundesligavorbereitung eigentlich noch planmäßig mit einem zwar nicht überragenden 2:0 - aber immerhin mit einem Sieg.

Dann folgte jedoch der erste Rückschlag, denn die Mannschaft von Bruno Labbadia unterlag dem niederländischen Rekordmeister Ajax Amsterdam mit 0:1. Diese Niederlage gegen den holländischen Spitzenklub war sicherlich kein Beinbruch, doch das nächste Testspiel brachte eine herbe Ernüchterung. Gegen PSV Eindhoven kassierte die Alte Dame eine deftige 0:4 Klatsche!

Nun begannen die Zweifel und erste Stimmen wurden laut, die die Kader-Zusammensetzung kritisierten. Was sich im Training schon andeutete, wurde auf dem Platz bittere Realität: Die Hertha hat einen erheblichen Mangel an Führungsspielern!

Obendrein machte plötzlich auch noch ein unheilvolles Wechselgerücht die Runde: Krzysztof Piatek wolle zurück in die Serie A und der AC Florenz soll angeblich 25 Millionen Euro für den Hertha-Stürmer bieten.

Labbadia sieht die Probleme seiner Mannschaft vor allen Dingen in der Offensive

Die Spieler des HSV bejubeln den 1:0 Führungstreffer im Testspiel gegen Hertha BSC. Die Berliner verloren das Spiel am Ende mit 0:2.
Die Spieler des HSV bejubeln den 1:0 Führungstreffer im Testspiel gegen Hertha BSC. Die Berliner verloren das Spiel am Ende mit 0:2.  © Daniel Bockwoldt/dpa

Auf Transfererlöse ist Hertha BSC sicherlich nicht angewiesen, sodass ein Verkauf Piateks wohl nicht zur Debatte steht, außer der Stürmer will die Berliner unbedingt wieder verlassen. Die Verantwortlichen der Alten Dame hatten bereits einem Wechsel von Matheus Cunha zu Paris Saint-Germain eine Absage erteilt.

Mit der Länderspiel-Pause schien ein wenig Ruhe beim Hauptstadtklub einzukehren, bis am Samstag das letzte Testspiel gegen den HSV anstand. Bekanntlich verloren die Berliner auch dieses Spiel mit 0:2.

Nach dem Spiel machte Coach Labbadia die Probleme vor allem in der Offensive aus: "Wir kommen bis 25 Meter gut vors Tor. Danach treffen wir falsche Entscheidungen und sind zu unsauber. Das sehen wir auch im Training, dass es uns ein Stück abgeht."

Zugegeben, diese Niederlage kam unter erschwerten Bedingungen zustande, denn die Hertha trat die Reise nach Hamburg aufgrund der Länderspiele ersatzgeschwächt an. Dennoch war der HSV einfach kaltschnäuziger vor dem Tor.

DFB-Pokal und erster Bundesliga-Spieltag werden die Wahrheit ans Licht bringen

Am zweiten Spieltag darf Hertha BSC das erste Heimspiel der Saison gegen Eintracht Frankfurt im Berliner Olympiastadion vor 4000 Fans austragen.
Am zweiten Spieltag darf Hertha BSC das erste Heimspiel der Saison gegen Eintracht Frankfurt im Berliner Olympiastadion vor 4000 Fans austragen.  © Andreas Gora/dpa

Der HSV ist an dieser Stelle ein gutes Stichwort, denn auch die Hamburger konnten trotz der Finanzspritzen von Klaus-Michael Kühne (83) den Abstieg in die Zweite Bundesliga nicht abwenden. Bleibt zu hoffen, dass der Hertha ein ähnliches Schicksal erspart bleibt.

Wie geht es nun weiter? Am Freitag wartet in der ersten Runde des DFB-Pokals der erste echte Härtetest auf die Berliner. Sie müssen gegen Zweitliga-Aufsteiger Eintracht Braunschweig ran, die sich im Sommer ausgerechnet mit zwei Spielern von Hauptstadtkonkurrent Union Berlin verstärkt haben. Die Rede ist von Suleiman Abdullahi (23) und Felix Kroos (29).

Eine Woche später müssen die Herthaner am ersten Spieltag der Bundesliga 20/21 nach Bremen reisen. Werder hat zwar eine katastrophale Saison hinter sich, geht jedoch mit viel Selbstvertrauen aus der Vorbereitung heraus, da alle Testspiele gewonnen wurden. Die Gegner der Bremer waren zwar nicht so hochkarätig wie die der Berliner, doch Werder-Coach Florian Kohfeldt (37) verfolgte ein klares Ziel mit den Ansetzungen. Er wollte seiner Mannschaft wieder Selbstvertrauen einflößen und das ist ihm scheinbar gelungen. Insbesondere ein guter alter Bekannter der Herthaner hat sich warmgeschossen: Davie Selke (25).

Welcher Ansatz schließlich der bessere war, ob stärkere Gegner oder Warmschießen, wird sich am ersten Spieltag zeigen. Bis dahin hat die Hertha noch Zeit, in die Spur zu finden. Das erste Heimspiel geht dann am zweiten Spieltag gegen Eintracht Frankfurt vor 4000 erwartungsvollen Fans im Berliner Olympiastadion über die Bühne. Spätestens dann muss Hertha Farbe bekennen. Quo vadis Hertha, wohin führt dein Weg?

Titelfoto: Andreas Gora/dpa

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