Wer oder was ist Herthas großes Problem, wenn nicht der Trainer schuld ist?

Berlin - Krisenstimmung bei Hertha BSC: Nach der 1:2-Heimniederlage gegen den SC Freiburg sucht man in der Hauptstadt weiter die Gründe für den Misserfolg.

Den Saisonstart haben sich Hertha-Kapitän Dedryck Boyata (30, l.) und Leader Kevin-Prince Boateng (34, r.) sicher anders vorgestellt.
Den Saisonstart haben sich Hertha-Kapitän Dedryck Boyata (30, l.) und Leader Kevin-Prince Boateng (34, r.) sicher anders vorgestellt.  © Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa

Es gibt sicher nicht wenige, die sich umgehend einen Schichtwechsel auf Herthas Trainerbank wünschen.

Allerdings darf bezweifelt werden, dass ein neuer Trainer sofort Wunder bewirken und zu schnellem Erfolg führen würde.

Die Probleme sind vielschichtig. Was einmal mehr auffällt: Das Team von Coach Pál Dárdai (45) kann einfach keine Standards!

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Vergangene Saison kriselte es vor allem in der Offensive, als auf mehr als 100 Ecken kein einziges Tor für die Blau-Weißen folgte.

Das klappte in dieser Bundesliga-Spielzeit immerhin schon einmal besser, als Neuzugang Jurgen Ekkelenkamp (21) nach einem Eckball per Kopf gegen die SpVgg Greuther Fürth knipste.

Die Standardschwäche scheint sich dafür aber in die Defensive verlagert zu haben: Gegen Freiburg kassierte die Alte Dame am vergangenen Samstag beide Gegentreffer nach Eckstößen.

Generell herrscht bei defensiven Standards aktuell das blanke Chaos. Weder Kapitän Dedryck Boyata (30) noch Leader Kevin-Prince Boateng (34) schaffen es, für Ordnung zu sorgen.

Kevin-Prince Boateng: Vom Hoffnungsträger zum Klotz am Bein?

Kevin-Prince Boateng (34) ist auf dem Feld noch kein Erfolgsgarant für Hertha BSC.
Kevin-Prince Boateng (34) ist auf dem Feld noch kein Erfolgsgarant für Hertha BSC.  © Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa

Insbesondere vom erfahrenen Mittelfeld-Star hatten sich die Verantwortlichen und erst recht die Fans von Hertha deutlich mehr erhofft. Dass Boateng zurzeit aber eher wie ein Klotz am Bein der eh schon klapprigen Alten Dame wirkt, belegen auch Zahlen.

Wie der Kicker in seiner Printausgabe von Montag berichtet, sprintet kein Herthaner auf dem Feld so selten wie Kevin-Prince. Auf 90 Minuten hochgerechnet setzt der 34-Jährige nur achtmal zum "Turbo" an – lediglich Torwart Alexander Schwolow (29) noch seltener.

Die wenigen Sprints gepaart mit seinem vergleichsweise niedrigen Top-Speed von 31,06 km/h sorgen dafür, dass der Deutsch-Ghanaer bisher abtaucht.

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Wenn er mal auffällt, dann leider zu oft negativ. Der robuste Kämpfer foult im Schnitt alle 39 Minuten und damit am zweithäufigsten im Team. Übertroffen wird er nur von Angreifer Krzysztof Piątek (26), der alle 27 Spielminuten Foul spielt.

Wer diese Zahlen kennt, der wundert sich nicht mehr darüber, dass Hertha am vergangenen Samstag gegen Freiburg die beste Druckphase hatte, als Boateng schon ausgewechselt war.

Genauso sah es beim letzten Sieg gegen Greuther Fürth aus. Nachdem der auserkorene Führungsspieler auf der Bank Platz genommen hatte, drehte die Hertha einen 0:1-Rückstand zum 2:1-Heimsieg.

Das nächste Spiel der Berliner steht am 16. Oktober (15.30 Uhr/Sky) an. Dann hat Kevin-Prince die Chance, sich gegen seinen Ex-Klub Eintracht Frankfurt zu beweisen.

Titelfoto: Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa

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