Herthas Wochen der Wahrheit: "Mit Ego-Trips kann das ein böses Ende geben"

Berlin - Zittern bis zum Schluss? Schon vor dem Spiel gegen Borussia Mönchengladbach (2:2) hatte Sportdirektor Arne Friedrich (41) geahnt, dass sich Hertha BSC wohl bis zum letzten Spieltag mit dem Abstiegskampf beschäftigen muss.

Hertha-Trainer Pal Dardai (45) kann mit dem Unentschieden gegen Borussia Mönchengladbach leben, auch wenn mehr drin gewesen wär.
Hertha-Trainer Pal Dardai (45) kann mit dem Unentschieden gegen Borussia Mönchengladbach leben, auch wenn mehr drin gewesen wär.  © Soeren Stache/dpa-Zentralbild POOL/dpa

Die Berliner sind zwar jetzt seit drei Spielen ungeschlagen, verpassten aber den erhofften Befreiungsschlag. Der Vorsprung auf den direkten Abstiegsplatz beträgt weiterhin nur zwei Zähler - und jetzt kommen die wichtigen direkten Duelle gegen die direkten Konkurrenten 1. FSV Mainz 05, 1. FC Köln, FC Schalke 04 und Arminia Bielefeld.

Verlieren verboten!

Schon seit Wochen hatte Pal Dardai (45) darauf hingewiesen, dass in diesen Duellen nur ein Sieg zählt. Zuletzt hatten der Hauptstadt-Klub fünf Zähler gesammelt.

Eine beachtliche Quote angesichts der Gegner. Sowohl Stadtrivale 1. FC Union, als auch Bayer 04 Leverkusen oder Borussia Mönchengladbach stellen Ansprüche auf Europa.

Allerdings: Schon in der Vergangenheit hat sich Hertha fast schon traditionell gegen die vermeintlich Kleinen gerne schwergetan. Auch deshalb schmerzt das 2:2 gegen Gladbach.

Die Alte Dame kann einerseits froh sein, gegen wiedererstarkte Fohlen nicht noch verloren zu haben, andererseits mussten die Gäste über 75 Minuten lang in Unterzahl spielen. "Wenn man 1:0 führt und in Überzahl ist, muss man das Spiel anders angehen", ärgerte sich auch Sami Khedira (34) über die chaotische erste Hälfte.

Wie schon so häufig in dieser Saison hat sich Hertha mal wieder das Leben selbst schwer gemacht. Der Elfmeter zum zwischenzeitlich 1:2 von Lars Stindl (32) war schon der achte verschuldete Strafstoß!

Trainer-Rüffel für Santiago Ascacibar: Hertha BSC braucht Geschlossenheit

Santiago Ascacibar (r.) trifft zum zwischenzeitlichen 1:0. Gladbachs Christoph Kramer (2.v.l.) und Florian Neuhaus (l.) kommen zu spät.
Santiago Ascacibar (r.) trifft zum zwischenzeitlichen 1:0. Gladbachs Christoph Kramer (2.v.l.) und Florian Neuhaus (l.) kommen zu spät.  © Tobias Schwarz/AFP POOL/dpa

Dardai weiß, worauf es im nervenaufreibenden Saisonfinale ankommen wird. "Pure Arbeit, Mentalität und vor allem keine Panik", sagte der Chefcoach in einer Medienrunde. "Man braucht keine Hektik. Ruhe ist das Einzige, was hilft."

Das Problem: So mancher Spieler scheint noch immer nicht begriffen zu haben, dass es gerade jetzt auf eine mannschaftliche Geschlossenheit ankommt. Alle müssen jetzt noch enger zusammenrücken.

"Es funktioniert nur im Kollektiv. Das müssen manche noch begreifen", warnte Khedira bereits direkt nach Schlusspfiff. Auch sein Trainer mahnt: "Mit Ego-Trips kann das ein böses Ende geben."

Beispiel Santiago Ascacibar (24): Der Argentinier hatte Hertha mit einem sehenswerten Treffer in Führung gebracht, musste aber nach 57 Minuten für den kopfballstärkeren Khedira Platz machen. Das passte dem 24-Jährigen gar nicht, woraufhin er sich noch nach Abpfiff eine Standpauke von Dardai einfing.

"Wenn einer runterkommt und so ein Gesicht zieht, das ist respektlos. Nicht gegenüber dem Trainer, sondern gegenüber der Mannschaft", kritisierte der Ungar am Tag danach das Verhalten seines Abräumers. "Einigen unserer Spieler muss man erklären, warum sie ausgewechselt werden. Jeder hält sich für sehr wichtig und ist egoistisch. Das finde ich nicht okay."

Allzu negativ wollte die Hertha-Ikone das Remis aber nicht bewerten. Seine Mannschaft hat vor allem in der zweiten Halbzeit Moral gezeigt und alles versucht das Spiel doch noch zu drehen. "Jeder Punkt, den wir sammeln ist wichtig im Abstiegskampf. Wichtig ist: Das war Fußball!"

Titelfoto: Soeren Stache/dpa-Zentralbild POOL/dpa

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