Machtkampf beim HSV: Bedroht der interne Konflikt den sportlichen Erfolg?

Hamburg - Seit zehn Spielen ungeschlagen, Tabellenführer der 2. Bundesliga: Sportlich läuft es beim Hamburger SV aktuell bestens. Doch obwohl sich der Verein auf dem besten Weg zurück ins Oberhaus des deutschen Fußballs befindet, kehrt einfach keine Ruhe ein!

Der Machtkampf zwischen HSV-Präsident Marcell Jansen (M.), Vize Thomas Schulz (l.) und Schatzmeister Moritz Schaefer (r.) geht weiter. (Archivfoto)
Der Machtkampf zwischen HSV-Präsident Marcell Jansen (M.), Vize Thomas Schulz (l.) und Schatzmeister Moritz Schaefer (r.) geht weiter. (Archivfoto)  © IMAGO / Oliver Ruhnke

Der Machtkampf zwischen Präsident Marcell Jansen (35) und Vize Thomas Schulz (58) sowie Schatzmeister Moritz Schaefer (42) lässt die Leistungen der Mannschaft langsam aber sicher in den Hintergrund rücken.

Schulz und Schaefer sollen in wichtigen Fragen andere Ansichten als Jansen haben. Konkret soll dies die zukünftige Ausrichtung der HSV Fußball-AG, die Nachbesetzung des Aufsichtsrats und den weiteren Verkauf von Anteilen betreffen.

Schulz und Schaefer gehörten einst zum "Team" von Bernd Hoffmann (58), den Jansen Anfang 2019 als Präsident ablöste. Hoffmann rückte an die Spitze des Vorstandes, wurde jedoch im März 2020 auch mithilfe von Jansens Stimme abberufen.

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Vizepräsident Schulz und Max-Arnold Köttgen, ein weiterer Befürworter Hoffmanns, zogen sich daraufhin aus dem Aufsichtsrat zurück, was besonders bei Jansen für Unverständnis gesorgt hatte.

Mitte Januar 2021 hatte der HSV-Ehrenrat dann Vizepräsident Schulz das Misstrauen ausgesprochen und ihm unterstellt, er entscheide nicht zum Wohle des Vereins.

Darüber hinaus wurde ein Abwahlantrag gegen den 58-Jährigen eingebracht und eine außerordentliche Mitgliederversammlung beantragt, die spätestens sechs Wochen nach der Antragstellung stattfinden sollte.

Auch HSV-Investor Klaus-Michael Kühne hat seine Bedenken

Investor Klaus-Michael Kühne (83) hat die Sorge, dass sich der HSV-Machtkampf auf den sportlichen Erfolg auswirken könnte. (Archivfoto)
Investor Klaus-Michael Kühne (83) hat die Sorge, dass sich der HSV-Machtkampf auf den sportlichen Erfolg auswirken könnte. (Archivfoto)  © Ingo Wagner/dpa

Am 11. Februar wurde dann bekannt, dass sich das Präsidium nicht auf einen Termin für die außerordentliche Mitgliederversammlung zur Abwahl von Schulz einigen konnte.

Dies sei in der aktuellen Zeit eine große Herausforderung, die innerhalb der Frist nicht in allen Punkten abschließend geklärt werden konnte. Es sei daher notwendig, noch weitere Rücksprachen zu halten.

Der Konflikt in der Führung des Vereins bleibt also bestehen, die Hängepartie geht weiter. Bisher hatte der interne Machtkampf noch keine sichtbaren Auswirkungen auf die Leistung der Mannschaft. Ob dies allerdings auch so bleibt, ist eine andere Frage.

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Investor Klaus-Michael Kühne (83), mit 20,44 Prozent der größte Einzel-Anteilseigner an der Fußball-AG des HSV, äußerte jüngst gegenüber dem Hamburger Abendblatt ähnliche Bedenken.

Er distanziere sich von den Streitigkeiten im Präsidium und hoffe, dass keine erneute Unruhe im Gesamtgefüge des Profifußballs aufkomme, "damit die laufende Saison ungestört und hoffentlich erfolgreich zu Ende gespielt werden kann".

Denn bei all den verschiedenen Ansichten und Konflikten dürfte der sportliche Erfolg und die Rückkehr in die 1. Bundesliga am Ende des Tages für alle Verantwortlichen das Wichtigste sein.

Titelfoto: IMAGO / Oliver Ruhnke

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