Doping-Verdacht beim HSV: Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Vuskovic

Hamburg - Die Freude über das 4:2 und den damit verteidigten Aufstiegsplatz zum Hinrunden-Abschluss der 2. Fußball-Bundesliga hielt beim Hamburger SV und seinen Anhängern nicht lange. Zwei Stunden nach dem Spiel schockten DFB und Verein mit einer Mitteilung, die es in sich hat: Gegen Profi Mario Vuskovic (20) hat der DFB ein Verfahren wegen Dopingverdachts eingeleitet.

Mario Vuskovic (20) hat die Öffnung der B-Probe beantragt und bereitet eine Stellungnahme vor.
Mario Vuskovic (20) hat die Öffnung der B-Probe beantragt und bereitet eine Stellungnahme vor.  © Michael Schwartz/dpa

Der 20 Jahre alte Innenverteidiger ist bei einer Trainingskontrolle am 16. September positiv auf die Substanz Erythropoetin (Epo) getestet worden.

"Wir haben Mario Vuskovic vorerst aus dem Trainings- und Spielbetrieb genommen, um Schaden von ihm sowie dem Club fernzuhalten", teilte der Verein mit. Sein Fehlen im Spiel gegen Sandhausen war zuvor mit "privaten Gründen" erklärt worden.

Die Mannschaft ist am Sonntagmorgen zu einer neuntägigen Trainings-, Wettkampf- und Freizeitreise nach Kalifornien aufgebrochen - ohne Vuskovic. Der hat die Öffnung der B-Probe beantragt und bereitet eine Stellungnahme vor.

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So lange ist die Causa Vuskovic ein Verdachtsfall.

Regelstrafe für Dopingdelikte beträgt vier Jahre

Sollte sich das Vergehen bestätigen, droht Mario Vuskovic (2.v.l.) auch ein Verfahren vor einem ordentlichen Gericht.
Sollte sich das Vergehen bestätigen, droht Mario Vuskovic (2.v.l.) auch ein Verfahren vor einem ordentlichen Gericht.  © Christian Charisius/dpa

Doping-Experten ist allerdings nicht bekannt, das Epo in der Vergangenheit ins Essen gemischt oder unwissentlich mit Medikamenten zur Behandlung irgendwelcher Erkrankungen eingenommen wurde.

"Das Regelwerk unterscheidet in spezifische und nichtspezifische Substanzen und Methoden. Bei den im Regelwerk genannten spezifischen Substanzen und Methoden handelt sich um solche, bei denen die Wahrscheinlichkeit höher ist, dass ein Athlet, eine Athletin sie für andere Zwecke als zur Leistungssteigerung anwendet", sagte eine Nada-Sprecherin am Sonntag.

"Bei nichtspezifischen Substanzen ist diese Wahrscheinlichkeit niedriger. Epo fällt unter die nichtspezifischen Substanzen." Nachdenklich stimmt: Im Radsport wurde Epo fast ausschließlich zur Leistungssteigerung verwendet.

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Die Regelstrafe für Dopingdelikte beträgt vier Jahre. Wenn kein Verschulden nachgewiesen wird, kann die Strafe reduziert werden.

Für den 20-jährigen Vuskovic, der auf dem Sprung in die Nationalmannschaft ist, könnte eine lange Sperre das Ende seiner sportlichen Karriere bedeuten.

Zudem ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen Vuskovic. Das muss sie, denn seit Dezember 2015 gibt es das Antidopinggesetz. Sollte sich das Vergehen bestätigen, droht dem U21-Auswahlspieler auch ein Verfahren vor einem ordentlichen Gericht.

Polizei und Staatsanwaltschaft durchsuchen Vuskovics Spind

Am Freitag ist von Polizei und Staatsanwaltschaft Vuskovics Spind im Volksparkstadion durchsucht worden.
Am Freitag ist von Polizei und Staatsanwaltschaft Vuskovics Spind im Volksparkstadion durchsucht worden.  © Axel Heimken/dpa

Der Profiboxer Felix Sturm (43) war der erste prominente Fall in Deutschland, der unter anderem wegen Verstoßes gegen das Antidopinggesetz zu einer Haftstrafe verurteilt wurde.

Am Freitag ist von Polizei und Staatsanwaltschaft Vuskovics Spind im Volksparkstadion durchsucht worden. Gefunden wurde nichts, hieß es.

Staatliche Ermittlungen sind für die Doping-Fahnder von großem Wert. "Wir begrüßen die Zusammenarbeit. Sie schließt Lücken der Ermittlungen und stärkt die Anti-Doping-Arbeit", sagte die Sprecherin.

Wo auch immer Dopingfälle im deutschen Sport auftreten, verfolgt die Nada ein wichtiges Ziel: "Wir wollen wissen: Ist es ein Einzeltäter oder steckt jemand dahinter, der ein Netzwerk betreibt."

Nach der Dopingprobe am 16. September hat der HSV acht Zweitliga-Spiele bestritten, darunter sind vier Siege (gegen Düsseldorf, Hannover, Paderborn und Regensburg) und ein Remis (Kaiserslautern).

Können Vereine, die Punkte gegen die Hamburger eingebüßt haben, gegen die Wertung protestieren?

Doping: DFB hat seine Regeln angepasst

Mit einem geschätzten Marktwert von fünf Millionen Euro ist Mario Vuskovic (r.) einer der Top-Profis der 2. Liga.
Mit einem geschätzten Marktwert von fünf Millionen Euro ist Mario Vuskovic (r.) einer der Top-Profis der 2. Liga.  © Rolf Vennenbernd/dpa

2016 hatte der DFB seine Regeln zur Spielwertung bei einem Verstoß gegen die Anti-Doping-Vorschriften an die Bestimmungen des Weltverbands FIFA und der Europäischen Fußball-Union UEFA angepasst.

Demnach sollen Strafen gegen einen Verein nur dann erfolgen, "wenn dem Club ein Verschulden nachgewiesen werden kann oder mehr als zwei Spieler der Mannschaft gegen die Anti-Doping-Bestimmungen verstoßen haben".

Weil offenbar weder das eine noch das andere vorliegt, sind Proteste, die spätestens 48 Stunden nach Bekanntwerden des Vorfalls eingereicht werden müssten, wohl nicht aussichtsreich.

Aber der HSV müsste, falls ein Dopingvergehen nachgewiesen wird, die Rückrunde neu planen. Vuskovic ist trotz seiner Jugend sehr wichtig im Defensivspiel der Hamburger. Bis zum positiven Testergebnis war er in dieser Saison immer dabei.

Der Verein hat den Innenverteidiger im Sommer für drei Millionen Euro verpflichtet. Die Saison zuvor spielte das Talent von Hajduk Split auf Leihbasis beim HSV.

Mit einem geschätzten Marktwert von fünf Millionen Euro ist er einer der Top-Profis der 2. Liga. Sein Verlust würde den HSV enorm schmerzen.

Herausfordernden zweite Saisonhälfte für HSV

Auch ohne die Vuskovic-Problematik steht der HSV vor einer herausfordernden zweiten Saisonhälfte. Tabellenführer Darmstadt 98 ist durch das 1:1 gegen Greuther Fürth seit 16 Liga-Spielen ohne Niederlage!

Der HSV liegt zwei Zähler zurück, gefolgt vom 1. FC Heidenheim, der ebenfalls einen direkten Aufstiegsplatz anpeilt.

Dahinter will ein aussichtsreiches Quintett nach oben: Aufsteiger Kaiserslautern, Hannover, Paderborn, Düsseldorf sowie Kiel.

Titelfoto: Christian Charisius/dpa

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