Ex-Bundesliga-Keeper Julian Pollersbeck verrät, welcher Mitspieler ihn bei Olympique Lyon besonders beeindruckt

Hamburg - Von einer Enttäuschung in die nächste! Vor einem Jahr verließ Julian Pollersbeck (26) den Hamburger SV und wechselte zum französischen Spitzenverein Olympique Lyon. Sportlich hat sich der Wechsel für den Torhüter allerdings nicht gelohnt.

Torhüter Julian Pollersbeck (26) steht beim französischen Verein Olympique Lyon unter Vertrag.
Torhüter Julian Pollersbeck (26) steht beim französischen Verein Olympique Lyon unter Vertrag.  © IMAGO / PanoramiC

Nach einer enttäuschender Saison mit nur sechs Zweitliga-Spielen wollte der 26-Jährige einen Neuanfang wagen und kehrte dem HSV nach drei Jahren den Rücken.

In Lyon lief es aber nur unwesentlich besser. Hinter Anthony Lopes (30) ist der einstige U21-Europameister nur zweite Wahl. Das Verhältnis untereinander sei aber gut.

"Die Rollen sind klar verteilt. Ich habe ihm immer Support gegeben. Zumindest hoffe ich, dass es so rübergekommen ist", erklärte Pollersbeck im Interview mit Transfermarkt.de. "Und wenn ich gespielt habe, gab es wiederum Support von ihm."

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Dies kam aber nicht allzu häufig vor. Der 26-jährige Deutsche durfte nur dreimal im Pokal ran. Im Achtelfinale gegen den Drittligisten Red Star FC wurde er allerdings zum Helden, als er im Elfmeterschießen die Nerven behielt und einen Versuch parierte.

Trotz der sportlich bescheidenen Situation fühlt sich Pollersbeck in seiner neuen Heimat wohl. "Es macht mir hier sehr viel Spaß", gestand er.

Zu Beginn sei die neue Sprache ein großes Thema gewesen. "Am Anfang eine Challenge, aber ich habe viel Französischunterricht genommen. Deswegen war ich relativ schnell drin, was Anweisungen auf dem Platz anbelangt. Das ging am einfachsten, weil man sowas jeden Tag hört und seine Kollegen im Zweifel fragen kann."

Julian Pollersbeck ist erst der vier deutsche Spieler bei Olympique Lyon

Beim HSV musste sich der heute 26-Jährige hinter Daniel Heuer Fernandes (28) anstellen.
Beim HSV musste sich der heute 26-Jährige hinter Daniel Heuer Fernandes (28) anstellen.  © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Beim französischen Verein ist der gebürtige Altöttinger erst der vierte deutsche Spieler überhaupt. Vorher standen auch Kurt Lindner (87, 1962-1963), Thomas Remark (61, 1986-1987) und Thomas Pfannkuch (51, 1991-1992) in Lyon unter Vertrag. Gemeinsam brachten sie es aber auch nur auf sechs Spiele.

Der einstige Serienmeister scheint für deutsche Fußballer kein gutes Pflaster zu sein.

In einer Hinsicht hat sich der Wechsel für Pollersbeck gelohnt. Statt Aaron Hunt (34), Simon Terrode (33) oder Tim Leibold (27) hießen seine Mitspieler in der vergangenen Memphis Depay (27), Islam Slimani (33) oder Houssem Aouar (22).

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Besonders Depay hat den Keeper beeindruckt. "Auf jeden Fall Memphis. Zum einen, weil er ein brutal guter Spieler ist, zum anderen wegen seiner Persönlichkeit. Er beeindruckt mich als Fußballer und Mensch. Memphis ist quasi so alt wie ich, aber sehr reif – man merkt, dass er schon vieles erlebt hat in seinem Leben", erklärte der Deutsche.

Gleich am ersten Tag hätten sich beide längere Zeit unterhalten. "Das hätte ich so nicht erwartet, weil er der größte Star in der Mannschaft war." In der kommenden Saison trennen sich die Wege der Beiden aber schon wieder. Depay wechselt zum FC Barcelona. "Ich denke, er passt ganz gut rein bei Barça. Mit Lio Messi zu spielen, ist sowieso das Coolste, was es gibt", gestand Pollersbeck.

Wie es für ihn selbst weitergeht, weiß er noch nicht. "Mein Anspruch ist es, so hoch wie möglich zu spielen und alles aus mir herauszuholen, jeden Tag besser zu werden und Fortschritte zu machen. Dafür ist Olympique Lyon aktuell eine gute Adresse." Eine Rückkehr könne sich der 26-Jährige unter gewissen Umständen vorstellen.

Torwart-Handschuhe und Fußball-Schuhe lagerten noch im HSV-Stadion

Aktuell ist er sogar zu Besuch in seiner alten Heimat Hamburg. Dort bereitet er sich auf die neue Saison bei Lyon vor. "Ich habe in Hamburg noch einige Freunde, die ich nach langer Zeit mal wieder persönlich sehen kann. Zudem habe ich kurz im Stadion vorbeigeschaut, ein paar Leute getroffen", sagte er.

Dabei habe er sogar noch einige Sachen von sich wiedergefunden. "Es ist eigentlich ein Klassiker, dass immer noch irgendetwas beim Zeugwart liegt, seien es Torwarthand- oder Fußballschuhe. Dinge, die man in der Eile nicht einpackt, wenn man den Verein wechselt."

Eigentlich könnte er sie gleich wieder anziehen und da bleiben. Der HSV ist bekanntlich immer noch auf der Suche nach einem neuen Torwart.

Titelfoto: IMAGO / PanoramiC

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