"Haut den Neger um": HSV-Coach Thioune über Rassismus-Horror im Fußball

Hamburg – HSV-Trainer Daniel Thioune (46) sieht den Rassismus auch in Zukunft als Problem im Fußball!

Nicht immer fällt es HSV-Trainer Daniel Thioune (46) leicht, sich mit der deutschen Flagge zu identifizieren.
Nicht immer fällt es HSV-Trainer Daniel Thioune (46) leicht, sich mit der deutschen Flagge zu identifizieren.  © Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

"Über die vielen Jahre, die ich im Fußball bin: Das einzige, was sich nicht verändert hat, ist, dass ich es immer wieder mit dummen Menschen zu tun habe", erzählte der Ex-Profi im Fan-Podcasts "HSV-Madrix". "Und da gibt es eine Menge dummer Menschen, die auf irgendetwas stolz sein wollen." Vielleicht sei es die Hautfarbe. "Das wird sich nicht verändern."

Doch wenn diese Menschen den Fernseher anmachen und die deutsche Fahne weht, "dann schauen sie auch in ein paar dunkle Augen", meinte der 46 Jahre alte Coach des Hamburger Fußball-Zweitligisten mit Blick auf viele Nationalspieler mit Migrationshintergrund. "Ein ganz cooler Augenblick für mich, glaube ich."

Er selbst hat sich wegen eigener Rassismus-Erfahrungen zeitweise schwergetan, sich mit Deutschland und der Nationalmannschaft zu identifizieren. "Es sind Momente eingetreten, die ich mir niemals so gewünscht hätte", sagte der Sohn einer Deutschen und eines Senegalesen.

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"Wenn man als Fußballspieler irgendwo im Osten unterwegs ist und Zehntausend rufen 'Haut den Neger' um, dann löst das sicherlich etwas aus."

Ein Highlight für Thioune: Das Siegtor von David Odonkor bei der WM 2006

Es sei dann schwer, "es bei der ein oder anderen Weltmeisterschaft oder Europameisterschaft mit den deutschen Farben zu halten". Dann distanziere man sich, "obwohl man hier geboren ist, hier aufgewachsen ist und auch eine gewisse Wertehaltung vertreten möchte."

Ein besonderer Moment für ihn war das Siegtor von David Odonkor nach Vorarbeit von Oliver Neuville im WM-Gruppenspiel gegen Polen 2006 in Dortmund. Das seien nicht zwei Spieler, "die grundsätzlich nur arische Vorfahren haben und die komplett weiß pigmentiert sind". Das mache es besonders, dann sei er "Fan der Mannschaft und des Landes."

Er erinnerte auch an seine beiden Spieler Stephan Ambrosius und Josha Vagnoman, die aktuell mit der deutschen U21-Auswahl bei der EM in Ungarn spielen. "Zwei Hamburger Jungs - wenn man da nicht stolz ist, dass die beiden auflaufen dürfen", meinte Thioune. "Sie haben den Adler auf der Brust und singen die Nationalhymne. Dann bin ich bei ihnen, dann ist das Gänsehaut für mich."

Titelfoto: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

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