HSV gegen Werder: Ein Nord-Derby mit brisanter Geschichte

Hamburg/Bremen - Es klingt immer noch nach erster Liga, doch die Realität sieht anders aus! Am Samstag (20.30 Uhr) treffen Werder Bremen und der Hamburger SV das erste Mal in der 2. Bundesliga aufeinander.

Hamburgs Aaron Hunt (rechts) und Gideon Jung stehen auf dem Platz neben einer Leuchtrakete aus dem HSV-Fanblock.
Hamburgs Aaron Hunt (rechts) und Gideon Jung stehen auf dem Platz neben einer Leuchtrakete aus dem HSV-Fanblock.  © Christian Charisius/dpa

Bislang standen sich die beiden Nord-Rivalen in 136 Begegnungen gegenüber. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt: Es war jede Menge los zwischen Werder und dem HSV - über ein Dauer-Duell in zweieinhalb Wochen, einen Kung-Fu-Tritt und einen Karabinerhaken im Rücken.

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24. Februar 2018: Das letzte Derby

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HSV Rassismus-Eklat bei HSV-Spiel: DFB leitet Ermittlungen ein

Vor rund viereinhalb Jahren stieg das letzte Duell zwischen den beiden Nord-Rivalen. Damals noch in der ersten Liga. Ein Eigentor von Rick van Drongelen bescherte Werder den Sieg und verschaffte den Grün-Weißen Luft im Abstiegskampf.

Dem HSV hingegen stand das Wasser mehr denn je bis zum Hals. Was folgte, ist bekannt: der bittere Abstieg in die zweite Liga!

April/Mai 2009: Vier Duelle und nur ein Sieger

Innerhalb von nur 19 Tagen trafen beide Vereine viermal aufeinander - erst im DFB-Pokal-Halbfinale, gefolgt von zwei Spielen im UEFA-Cup-Halbfinale sowie der Liga-Begegnung am 31. Spieltag.

Das erste Duell im DFB-Pokal ging an die Bremer. Nach 120 Minuten und Toren von Per Mertesacker und Ivica Olic stand es 1:1, das Elfmeterschießen musste die Entscheidung bringen.

Eine Papierkugel entschied über den Finaleinzug im UEFA-Pokal

HSV-Verteidiger Michael Gravgaard (links) will den Ball klären, dessen Richtung durch die Papierkugel verändert wird. Werder-Manager Klaus Allofs hält das "goldene" Stück aus Bremer Sicht in seiner Hand.
HSV-Verteidiger Michael Gravgaard (links) will den Ball klären, dessen Richtung durch die Papierkugel verändert wird. Werder-Manager Klaus Allofs hält das "goldene" Stück aus Bremer Sicht in seiner Hand.  © Fotomontage: Kay Nietfeld/dpa, Sat.1

Während bei Werder alle drei Schützen die Nerven behielten, fanden Jerome Boateng, Ivica Olic und Marcell Jansen allesamt in Tim Wiese ihren Meister.

Es folgte das Drama im Europapokal in zwei Akten!

Das Hinspiel gewannen die Rothosen an der Weser durch ein Tor von Piotr Trochowski. Im Rückspiel im Volkspark ging es verrückt zu. Werder drehte die Partie, gewann mit 3:2 und zog dank der Auswärtstor-Regel ins Finale ein.

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Für Aufsehen sorgte allerdings eine kleine Papierkugel, die großen Einfluss nehmen sollte. Sie fälschte einen Ball so ab, dass HSV-Verteidiger Michael Gravgaard eine Ecke verursachte. Es folgte das 3:1 durch Frank Baumann und damit die Vorentscheidung. Heute hat die Papierkugel einen Ehrenplatz im Werder-Museum.

Zu allem Überfluss siegten die Bremer auch noch im abschließenden Liga-Spiel am 31. Spieltag mit 2:0 und sorgten dafür, dass sich die Hamburger aus dem Meisterschaftsrennen verabschiedeten.

Werder-Keeper Tim Wiese streckt Ivica Olic per Kung-Fu-Tritt nieder

Bremens Torhüter Tim Wiese (links) streckt HSV-Angreifer Ivica Olic mit einem Kung-Fu-Tritt nieder.
Bremens Torhüter Tim Wiese (links) streckt HSV-Angreifer Ivica Olic mit einem Kung-Fu-Tritt nieder.  © Marcus Brandt/dpa

7. Mai 2009: Kung-Fu-Wiese streckt Olic nieder

Mit dieser Aktion machte sich der Werder-Keeper keine Freunde. Tim Wiese stürmte bei einem Klärungsversuch aus seinem Gehäuse und erwischte mit einem Kung-Fu-Tritt Gegenspieler Ivica Olic.

Es folgte eine Rote Karte und eine Anzeige bei der Polizei. Das Verfahren von der Staatsanwaltschaft wurde jedoch eingestellt.

1. Mai 2004: Höchster Werder-Sieg und der entscheidende Schritt zur Meisterschaft

Für den HSV war es ein bitterer Tag. Mit 6:0 wurde die Mannschaft vom damaligen Trainer Klaus Toppmöller vom Platz gefegt. Es war die höchste Niederlage für die Rothosen in der Geschichte des Nord-Derbys.

Werder hingegen machte mit dem Sieg einen großen Schritt in Richtung seiner letzten Meisterschaft.

Karabinerhaken im Rücken beendet die Karriere von HSV-Spieler Dietmar Jakobs

HSV-Abwehrspieler Ditmar Jakobs (verdeckt, unten) liegt im Torgehäuse und Helfer und HSV-Trainer Willi Reimann (l) versuchen ihn zu befreien. Ein Karabinerhaken hatte sich in seinen Rücken gebohrt.
HSV-Abwehrspieler Ditmar Jakobs (verdeckt, unten) liegt im Torgehäuse und Helfer und HSV-Trainer Willi Reimann (l) versuchen ihn zu befreien. Ein Karabinerhaken hatte sich in seinen Rücken gebohrt.  © Carsten Rehder/dpa

20. September 1989: Der große Schreckmoment

Es lief die 14. Minute. Bremens Angreifer Wynton Rufer lief alleine auf HSV-Keeper Richard Golz zu und überlupfte ihn. Doch von hinten kam Dietmar Jakobs angerauscht und kratzte den Ball von der Linie. Statt der Pille zappelte der Abwehrspieler im Netz.

Die Fans applaudierten und warteten, dass der damals 36-Jährige aufsteht. Doch ein vier Zentimeter langer Karabinerhaken, der das Tornetz hielt, hatte sich in seinen Rücken gebohrt.

Es folgten 25 Minuten Unterbrechung und eine Operation auf dem Feld. Mit einem Skalpell wurde der Haken herausgeschnitten. Wichtige Nervenbahnen wurden zerstört, die Karriere beendet.

29. Januar 1983: Das Ende der Hamburger Rekordserie

36 Spiele in Serie blieb der HSV unter Trainer Ernst Happel ohne Niederlage. Doch ausgerechnet gegen die Mannschaft von der Weser sollte diese Serie enden. Die Grün-Weißen gewannen mit 3:2.

Bis zum Ende der Saison lieferten sich beide Mannschaften einen engen Kampf um die Meisterschaft. Ein knapper 2:1-Sieg über den FC Schalke 04 reichte den Hamburgern am letzten Spieltag, um dank der besseren Tordifferenz die Schale in die Höhe zu halten.

Bremen-Fan wird von Stein getroffen und stirbt

Werder-Fans gedenken dem im Oktober 1982 verstorbenen Adrian Maleika.
Werder-Fans gedenken dem im Oktober 1982 verstorbenen Adrian Maleika.  © IMAGO / Ulmer

16. Oktober 1982: Ausschreitungen fordern ein Todesopfer

Vor dem DFB-Pokal-Zweitrundenspiel kam es zwischen Anhängern beider Vereine zu schweren Ausschreitungen. In der Nähe des Volksparkstadions geraten die Bremer Fans in einen Hinterhalt.

Es fliegen Steine. Einer von ihnen trifft den 16 Jahre alten Werder-Fan Adrian Maleika. Er erleidet einen Schädelbasisbruch und Hirnblutungen, einen Tag später erliegt er seinen schweren Verletzungen im Krankenhaus.

Der Jugendliche ist das erste Todesopfer nach Krawallen von Fußball-Hooligans in Deutschland.

Zu seiner Beerdigung kommen 600 Menschen, darunter auch die Bremer Mannschaft sowie die Manager Willi Lemke und Günter Netzer vom HSV.

Drei Anhänger aus dem HSV-Lager werden zwar verurteilt, der Täter aber nie ermittelt.

27. November 1971: Werder-Demütigung in HSV-Trikots

In der Halbzeit hatte der Schiedsrichter genug. Weil sich die gestreiften Trikots zu ähnlich sahen, mussten die Werderaner ihre Shirts tauschen. Doch ein Ersatz fehlte. So mussten sie die blauen Trikots des Erzrivalen mit der Raute auf der Brust überziehen.

Eine Demütigung ersten Grades. Zu allem Überfluss gewann der HSV die Partie auch noch mit 2:1.

Das erste Nord-Derby stieg im März 1937

12. Oktober 1963: Die Bundesliga-Premiere

Zum ersten Mal treffen sich die beiden Rivalen in der Bundesliga. Werder gewinnt durch drei Tore von "Pico" Schütz mit 4:2.

13. März 1937: Das erste Spiel

Dieser Tag ist der Startschuss für das große Nord-Derby. In der Vorrunde der norddeutschen Meisterschaft treffen Bremen und der HSV aufeinander. Die Rothosen gewinnen klar mit 4:1.

Titelfoto: Fotomontage: Kay Nietfeld/dpa, Marcus Brandt/dpa, Carsten Rehder/dpa

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