HSV macht erneut Millionen-Verlust, doch der Finanzchef hat Hoffnung

Hamburg - Rote Zahlen beim HSV sind schon Tradition. Die Befürchtung: Wegen Corona würden sie im jüngsten Geschäftsjahr noch schlechter als im Vorjahr ausfallen. Gar so negativ ist es aber nicht.

HSV-Finanzvorstand Frank Wettstein (47) kann sich trotz Corona über ein schrumpfendes Defizit freuen. (Archivbild)
HSV-Finanzvorstand Frank Wettstein (47) kann sich trotz Corona über ein schrumpfendes Defizit freuen. (Archivbild)  © Axel Heimken/dpa

Der Fußball-Zweitligist hat das Geschäftsjahr 2019/20 mit einem Minus von 6,7 Millionen Euro abgeschlossen. Trotz des Lockdowns in der vergangenen Saison fiel das Defizit um 1,3 Millionen Euro geringer als im vorangegangenen Spieljahr aus (8,0 Millionen). Das teilte der HSV am Freitag mit. 

Für die 2014 in eine AG ausgegliederte Profi-Abteilung des HSV ist es bereits das zehnte Jahr in Serie, das mit einem Fehlbetrag beendet wird. "Wenn alles normal gelaufen wäre, also ohne Corona, dann hätten wir das Spieljahr mit einem positiven Ergebnis abgeschlossen", sagte Finanzvorstand Frank Wettstein (47).

Der Umsatz für 2019/20 fällt mit 95,7 Millionen Euro deutlich geringer als erwartet aus. Der Rückgang zum vorangegangenen Spieljahr (126 Millionen Euro) beträgt 24,1 Prozent. 

Allein die Erlöse aus dem Spielbetrieb schlugen mit einem Minus von 11,3 Millionen Euro negativ zu Buche. Darin sind die Geisterspiele mit fehlenden 7,5 Millionen Euro, aber auch das frühzeitige Aus im DFB-Pokal enthalten.

Zudem konnten wegen des Lockdowns im Frühjahr keine Konzerte im vereinseigenen Stadion stattfinden. Das sorgte für einen Fehlbetrag von rund einer Million Euro. Außerdem brachen Transfererlöse weg. Diese lägen auf einem "historischen Tiefststand, was der allgemeinen Entwicklung des Transfermarkts entspricht und die Unsicherheit allerorten widerspiegelt", sagte Wettstein.

HSV-Finanzchef rechnet mit fünf Jahren Corona-Folgen

Aktuell steht der HSV sehr gut in der 2. Bundesliga da. Doch wird der Aufstieg dieses Mal gelingen?
Aktuell steht der HSV sehr gut in der 2. Bundesliga da. Doch wird der Aufstieg dieses Mal gelingen?  © Christian Charisius/dpa

Die Netto-Finanzschulden sind mit 45,0 Millionen Euro ausgewiesen worden. Das bedeutet eine Reduzierung in Höhe von 9,9 Millionen Euro, teilte der Verein mit. "Wir hatten ein bisschen Geld gebunkert, bevor die Pandemie ausbrach. 25 Millionen eigene Reserven haben uns geholfen", sagte Wettstein. 

Das Eigenkapital wird mit 34,4 Millionen Euro angegeben. Die Eigenkapitalquote sei damit von 24,7 auf 25,1 Prozent gestiegen.

Der Finanzvorstand zog als Fazit des Geschäftsjahrs: "Der HSV ist in der 2. Liga lebensfähig." Bislang war von Beobachtern bezweifelt worden, dass sich der Verein nach dem Abstieg aus der Bundesliga längere Zeit mit geringeren Zweitliga-Einnahmen über Wasser halten könne. 

Falls die Mannschaft in dieser Saison aufsteigen würde, seien laut Wettstein 30 bis 35 Millionen Euro an Umsatzerlösen zu erwarten.

Wegen der Pandemie geht der HSV in der laufenden Saison von weiteren Umsatzeinbußen in Höhe von rund 35 Prozent aus. "Wenn bei uns 45.000 bis 50-000 Zuschauer pro Heimspiel fehlen, ist das natürlich eine andere Nummer als bei Vereinen, die mit 20.000 bis 25.000 Zuschauern planen", sagte Wettstein.

Seine Meinung zum laufenden Geschäftsjahr: "Seriös planen kann man derzeit nicht." Geisterspiele seien sehr bitter für Fans und Verein, "aber wenn die Saison abgebrochen wird, wird es noch schlimmer". Die Folgen der Pandemie werden die Profivereine mindestens fünf Jahre begleiten, vermutet der Finanzchef.

Titelfoto: Axel Heimken/dpa

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