HSV-Streit vor Gericht zeigt, wie tief die Gräben in der Führung wirklich sind

Hamburg - Der Hamburger SV verliert vor Gericht gegen den geschassten Sportdirektor Michael Mutzel (42) - und offenbart, wie tief die Gräben in der Führungsetage des Vereins wirklich sind.

Am Sonntag trugen sie in Gedenken an Uwe Seeler (†85) gemeinsam einen Kranz auf den Platz, doch das Verhältnis zwischen HSV-Sportvorstand Jonas Boldt (40, r.) und Finanzvorstand Dr. Thomas Wüstefeld (53) ist zerrüttet.
Am Sonntag trugen sie in Gedenken an Uwe Seeler (†85) gemeinsam einen Kranz auf den Platz, doch das Verhältnis zwischen HSV-Sportvorstand Jonas Boldt (40, r.) und Finanzvorstand Dr. Thomas Wüstefeld (53) ist zerrüttet.  © Marcus Brandt/dpa

Um kurz nach 13 Uhr verkündete das Arbeitsgericht Barmbek das Urteil, das Mutzel jubeln ließ: Die Kammer erklärte, dass die Freistellung des 42-Jährigen unwirksam ist.

Bedeutet: Der HSV muss Mutzel weiterbeschäftigen. Fraglich ist allerdings, wie und in welcher Form. Dass der Ex-Profi seine ursprüngliche Tätigkeit wieder aufnimmt, gilt als ausgeschlossen.

Die HSV Fußball AG in Person von Sportvorstand Jonas Boldt (40) hat nun die Möglichkeit, gegen die Entscheidung Berufung vor dem Landesarbeitsgericht Hamburg einzulegen - Ausgang offen.

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Vor der Urteilsverkündung hatten die Beteiligten vor Gericht viel schmutzige Wäsche gewaschen. Boldt warf Mutzel einen "Vertrauensverlust" vor und kritisierte zudem, dass der 42-Jährige im Saisonfinale ein "Eigenleben" entwickelt habe.

Besonders pikant war allerdings der Umstand, dass als Kündigungsgrund die zu große Nähe Mutzels zu Finanzvorstand Dr. Thomas Wüstefeld (53) angeführt wurde. So habe Mutzel sich als Nachfolger von Boldt in Stellung bringen wollen.

HSV-Aufsichtsratschef Marcell Jansen kann nicht länger tatenlos zusehen

Als HSV-Aufsichtsratschef muss Ex-Profi Marcell Jansen (36, r.) nun handeln, nachdem er lange tatenlos zugesehen hatte.
Als HSV-Aufsichtsratschef muss Ex-Profi Marcell Jansen (36, r.) nun handeln, nachdem er lange tatenlos zugesehen hatte.  © Daniel Reinhardt/dpa

Die Vorwürfe richteten sich nicht allein nur gegen Mutzel, sondern offenbarten auch, wie zerrüttet das Verhältnis zwischen den Vorständen Boldt und Wüstefeld augenscheinlich ist.

Genau wie Aufsichtsratschef Marcell Jansen (36) soll der 53-Jährige dem Vernehmen nach auch alles andere als begeistert auf die anfängliche Degradierung und spätere Freistellung von Mutzel reagiert haben.

Für Boldt war das Gerichtsurteil daher eine krachende Niederlage in zweierlei Hinsicht.

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Nicht nur aus dem Streit mit Mutzel ging der 40-Jährige als Verlierer hervor, auch seine Stellung innerhalb des Vereins dürfte erheblich gelitten haben.

Wie es beim HSV nun weitergeht, ist offen. Klar ist nur, dass Aufsichtsratschef Jansen, der bisher geschwiegen hatte, nicht länger tatenlos zusehen kann. Fortsetzung folgt...

Titelfoto: Marcus Brandt/dpa

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