HSV-Trainer Tim Walter nach Auftaktsieg unzufrieden: "Wir haben noch Nachholbedarf"

Hamburg/Gelsenkirchen - Das hatten sie sich verdient! Beim Hamburger SV herrschte nach dem 3:1-Auftakt-Erfolg beim FC Schalke 04 große Freude und Erleichterung. Dennoch fand Trainer Tim Walter (46) das berühmte Haar in der Suppe.

HSV-Trainer Tim Walter (46) zeigte sich über den Sieg zufrieden, fand aber auch das Haar in der Suppe.
HSV-Trainer Tim Walter (46) zeigte sich über den Sieg zufrieden, fand aber auch das Haar in der Suppe.  © Guido Kirchner/dpa

"Wir haben trotzdem noch Nachholbedarf", sagte er nach den intensiven 90 Minuten und kündigte an. "Nach unserer Rückkehr trainieren wir und dann haben die Jungs zwei Tage frei."

Walter gefiel in der Analyse nach der Partie vor allem die Anfangsphase nicht. "Wir waren nicht mutig", erklärte der 46-Jährige, der auf die mächtige Kulisse von knapp 20.000 Zuschauern verwies. "Sie erdrückt dich. Meiner Mannschaft hat man das am Anfang angemerkt."

Ähnlich sah es auch Kapitän Sebastian Schonlau (26): "Zu Beginn war es für uns nicht einfach."

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Das frühe Gegentor durch den ehemaligen HSV-Stürmer Simon Terodde (32) in der siebten Minute war eine Art Wachmacher für das Team. "Wir sind immer besser und intensiver ins Spiel gekommen. Wir waren mutig und haben Bereitschaft gezeigt", beschrieb Walter.

Abwehrspieler Schonlau meinte: "Wir haben früh das Gegentor kassiert und mussten dann hinterherlaufen."

Das Gegentor offenbarte aber eine altbekannte Schwäche am Spielsystem des neuen Trainers. Schonlau agierte in dieser Situation nicht als Innenverteidiger, sondern als Linksaußen. Beim Ballverlust von Jan Gyamerah (26) fehlte er in der Abwehrmitte und konnte die Lücke nicht schließen.

Durch die vielen Rochaden sorgte der HSV beim Gegner zwar für Chaos, aber auch bei sich selbst. Wie eben in der siebten Minute stand das Team hinten sehr offen. Hier muss sich die Walter-Elf deutlich verbessern, will sie nicht permanent in Konter laufen.

Den Trainer interessierte dies aber wenig, er blieb seinem Stil auch trotz des Halbzeit-Rückstandes und des verschossenen Elfmeters treu. "Es war nicht notwendig umzustellen", sagte er zu seiner Analyse in der Halbzeit. "Wir hatten schon Situationen, wie wir sie wollten. Du musst an dich glauben."

Mannschaft des Hamburger SV blieb trotz des Rückstandes gelassen

Maximilian Rohr (26, rechts) und Jonas Meffert (26) jubeln über das zwischenzeitliche 2:1.
Maximilian Rohr (26, rechts) und Jonas Meffert (26) jubeln über das zwischenzeitliche 2:1.  © Guido Kirchner/dpa

Unterstützung erhielt er dabei auch von seinem Kapitän. "Aber wir sind drangeblieben und haben unseren Fußball auch nach dem verschossenen Elfmeter durchgezogen", sagte Schonlau. Die Mannschaft habe weiterhin an sich geglaubt. "In der zweiten Halbzeit haben wir uns dann belohnt. Es ist kein Zufall, dass drei eingewechselte Spieler für das 2:1 sorgen."

Einer von ihnen war Maximilian Rohr (26), der unverhofft zu seinem Profi-Debüt kam. "Persönlich ist es natürlich sensationell, wenn es nach einer Einwechslung so läuft und man etwas zum Spiel beitragen konnten", erklärte er überglücklich.

Auch Mittelfeldspieler Jonas Meffert (26) blieb während der 90 Minuten gelassen. "Das Gute war, dass wir genug Zeit hatten, um den Rückstand zu drehen", sagte er. "Wir hatten auch beim Stand von 1:1 immer im Hinterkopf, dass wir den Sieg holen wollen." Und so kam es ja schließlich auch.

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Den Dreier gegen einen der großen Konkurrenten um den Aufstieg sah der neue Trainer aber nicht mehr als einen Anfang. "Wir haben alle Widerstände im Spiel überwunden, genau das brauchen wir", erklärte Walter. "Es gehört natürlich auch ein bisschen Glück dazu, deswegen sind wir glücklich, dass wir das 3:1 eingefahren haben."

Am Ende hatte der HSV in ein, zwei Situationen noch Glück, nicht den Ausgleich zu kassieren. "Wir haben alles investiert, aber du kannst nicht alles verhindern", gestand der 46-Jährige.

Nun gilt es in der kommenden Woche an den Schwächen aus dem Schalke-Spiel zu arbeiten. Gegen Dynamo Dresden am übernächsten Sonntag (13.30 Uhr) wird sich zeigen, ob seine Worte dann Früchte getragen haben.

Titelfoto: Guido Kirchner/dpa

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