HSV und das wiedergewonnene Selbstvertrauen: der Horst Hrubesch-Effekt

Hamburg - Den ersten Teil ihrer drei, vielleicht fünf Spiele umfassenden Mission haben der Hamburger SV und Interimscoach Horst Hrubesch (70) erfolgreich bestritten. Mit dem deutlichen 5:2-Sieg gegen den 1. FC Nürnberg meldeten sich die Rothosen zurück und zeigten: Wir leben noch!

Interimscoach Horst Hrubesch (r.) hat den HSV-Spielern um Defensiv-Allrounder Moritz Heyer wieder Selbstvertrauen eingeimpft.
Interimscoach Horst Hrubesch (r.) hat den HSV-Spielern um Defensiv-Allrounder Moritz Heyer wieder Selbstvertrauen eingeimpft.  © Daniel Reinhardt/dpa

Zwar sind die Hanseaten (32 Spiele/55 Punkte) im Saisonendspurt weiter auf das Straucheln von anderen Teams, in erster Linie von der SpVgg Greuther Fürth (32/58), angewiesen, in Hamburg ist aber die Überzeugung zurückgekehrt, zumindest den eigenen Job in den restlichen Partien erledigen zu können.

"Die Mannschaft hatte dieses Vertrauen in sich einfach nicht mehr gespürt. Wenn du sie im Training siehst, dann weißt du, über welche Qualität diese Mannschaft und vor allen Dingen die vielen jungen Spieler verfügen", erklärte Hrubesch.

Verglichen mit den letzten Wochen unter Ex-Coach Daniel Thioune (46), der am 3. Mai beurlaubt wurde, zeigten die Akteure gegen den FCN ein ganz anderes Gesicht.

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"Der Trainer hat sich die Jungs gepackt, die er für die Startelf eingeplant hat, und ihnen verdammt viel Selbstvertrauen gegeben, indem er sie starkgeredet hat. Man hat gesehen, dass das heute gefruchtet hat", urteilte auch Abwehrchef Toni Leistner (30).

Am deutlichsten war das wohl bei Edeltechniker Sonny Kittel (28) zu sehen: Der zuletzt schwache 28-Jährige, von den Fähigkeiten her vielleicht der beste Fußballspieler der 2. Bundesliga, sprühte nur so vor Spielwitz sowie Kreativität und war an mehreren Toren direkt oder indirekt beteiligt.

Beim HSV ist die Leichtigkeit ins Spiel zurückgekehrt

Die Überzeugung, Partien zu gewinnen, ist bei den Rothosen zurück. Mit zwei weiteren Siegen würden sie noch einmal Druck auf Greuther Fürth aufbauen.
Die Überzeugung, Partien zu gewinnen, ist bei den Rothosen zurück. Mit zwei weiteren Siegen würden sie noch einmal Druck auf Greuther Fürth aufbauen.  © Daniel Reinhardt/dpa

"Die Kaltschnäuzigkeit und Leichtigkeit, die zuletzt gefehlt haben, sind zurückgekehrt. Der Trainer hat in Einzelgesprächen die Spieler wieder für ihre Stärken sensibilisiert", erläuterte Kapitän Tim Leibold (27), der ebenfalls eine starke Leistung zeigte.

Dabei funktionierte nicht nur die Offensive, auch die Hintermannschaft um die Innenverteidiger Leistner und Moritz Heyer (26) wirkte sehr sicher. Dem ersten Gegentor ging ein Torwartfehler von Sven Ulreich (32) voraus, das 2:5 fiel in der letzten Minute, als der Heimsieg schon in trockenen Tüchern war.

Natürlich waren die Nürnberger an diesem Tag nicht der stärkste Gegner für den HSV, in den verbliebenen beiden Begegnungen geht es aber mit dem VfL Osnabrück und Eintracht Braunschweig gegen Mannschaften, die in der Tabelle hinter dem FCN liegen.

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Wie schwer es aber dennoch wird, ist den Verantwortlichen bewusst: "Die beiden Spiele werden nicht leicht. Schon am kommenden Sonntag an der Bremer Brücke (in Osnabrück, Anm. d. Red.) brauchen wir mindestens das, was wir heute abgerufen haben. Wir werden nichts geschenkt kriegen", wusste Hrubesch.

Nichtsdestotrotz, mit dem wiedergewonnenen Selbstvertrauen sind in jedem Fall zwei Dreier drin. Routinier Leistner gab die Richtung vor: "Wir müssen unsere Hausaufgaben erledigen und das Prinzip Hoffnung gehört dazu. Fürth hat noch zwei extrem schwere Spiele. Vielleicht können wir mit einem Sieg in Osnabrück nochmal Druck aufbauen."

Titelfoto: Daniel Reinhardt/dpa

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