Nach Rücktritt beim HSV: Thomas Wüstefeld schießt gegen den Aufsichtsrat

Hamburg - Jetzt spricht Thomas Wüstefeld (53)! Der Bis-gestern-Finanzvorstand des Hamburger SV hat einen Tag nach seinem Rücktritt über die Gründe seiner Entscheidung gesprochen.

Ex-HSV-Finanzvorstand Thomas Wüstefeld (53) hat einen Tag nach seinem Rücktritt über die Gründe seiner Entscheidung gesprochen - und gegen den Aufsichtsrat geschossen.
Ex-HSV-Finanzvorstand Thomas Wüstefeld (53) hat einen Tag nach seinem Rücktritt über die Gründe seiner Entscheidung gesprochen - und gegen den Aufsichtsrat geschossen.  © Christian Charisius/dpa

"Der entscheidende Grund ist, dass ich seit Längerem aus dem Aufsichtsrat nicht mehr die notwendige Unterstützung spüre und auch von meiner Seite das gegenseitige Vertrauen nicht mehr gegenüber allen Mitgliedern des Aufsichtsrates besteht", erklärte der 53-Jährige gegenüber der "Bild".

Zudem kritisierte er: "Aus meiner Sicht ist ein Teil des Rates eindeutig durch außenstehende und eigene Interessen gesteuert. Anders kann ich mir nicht erklären, wie hochvertrauliche Informationen an bestimmte externe Personenkreise durchgestochen wurden, welche nachweislich nur dem Vorstand und dem Aufsichtsrat bekannt waren."

Hintergrund dürfte das 120-Millionen-Euro-Angebot von Investor Klaus-Michael Kühne (85) sein, der als Bedingung für die Finanzspritze u. a. die Absetzung Wüstefelds gefordert hatte.

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Der wiederum hatte sich wenig überraschend gegen das Angebot ausgesprochen, für die unumgängliche Sanierung des Volksparkstadions stattdessen einen Kredit von Hauptsponsor HanseMerkur ins Auge gefasst.

Die Stadt, die als Bürge einspringen sollte, gab Wüstefeld jedoch einen Korb und verwies auf die 23,5 Millionen Euro, die der Verein für den Verkauf des Stadiongrundstücks eingenommen hatte. Dieses Geld war auch für die Sanierung gedacht, wurde während der Corona-Pandemie aber für andere Dinge ausgegeben.

"Im Dauerfeuer zu stehen für Dinge aus der Vergangenheit, die andere zu verantworten habe, ist für mich so nicht länger hinnehmbar", verdeutlichte der 53-Jährige im "Bild"-Gespräch dazu.

HSV beruft Pressekonferenz mit Aufsichtsratschef Marcell Jansen ein

Aufsichtsratschef Marcell Jansen (36, r.) wird sich am Donnerstag um 17 Uhr zu den jüngsten Entwicklungen äußern. (Archivfoto)
Aufsichtsratschef Marcell Jansen (36, r.) wird sich am Donnerstag um 17 Uhr zu den jüngsten Entwicklungen äußern. (Archivfoto)  © Daniel Reinhardt/dpa

Daher habe er nach dem Termin vor dem Haushaltsausschuss der Stadt die Entscheidung getroffen, zurückzutreten. Am Wochenende habe er zunächst Aufsichtsratschef Marcell Jansen (36) und am Mittwochmittag schließlich den restlichen Rat informiert.

Auch zu den schweren Vorwürfen gegen seine Person äußerte sich Wüstefeld - Geschäftspartner beschuldigten den Medizinunternehmer zuletzt des Betruges und der Untreue. Zudem kamen Zweifel an seinen Doktor-Titeln auf.

"Nachdem es zuletzt nur noch um unsachliche Diskussionen und Anschuldigungen ging, muss man schon von einer Kampagne gegen mich sprechen. Es wurden Indiskretionen begangen, auf einmal können windige Gestalten in der Presse einfach alles behaupten, und es wird gedruckt", wetterte der 53-Jährige.

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Nun sei er "gespannt, wie es beim HSV in der nächsten Zeit, auch in Verbindung mit Herrn Kühne, weitergeht", unterstrich Wüstefeld - und ergänzte: "Als Fan und Gesellschafter bleibe ich dem HSV verbunden."

Übrigens: Für 17 Uhr hat der Verein eine Pressekonferenz einberufen. Auf dieser wird sich Aufsichtsratschef Jansen zu den jüngsten Entwicklungen äußern.

Titelfoto: Christian Charisius/dpa

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