Schlechtester Saisonstart aller Zeiten! Der HSV ist nur noch Zweitliga-Mittelmaß

Hamburg - Fünf Spiele, nur ein Sieg, sechs Punkte und Platz zehn! Der Hamburger SV hat in seiner vierten Zweitliga-Saison den schlechtesten Saisonstart der Vereinsgeschichte hingelegt.

Seit drei Jahren ist Jonas Boldt (39) der starke Mann beim HSV. (Archivbild)
Seit drei Jahren ist Jonas Boldt (39) der starke Mann beim HSV. (Archivbild)  © Axel Heimken/dpa

Damit ist der einstige Bundesliga-Dino endgültig im Mittelmaß der zweiten Liga angekommen. Und, so traurig es auch ist, da gehört er mittlerweile auch hin!

Zum Schutz der derzeit handelnden Personen sei gesagt, dass sie nur bedingt für den kontinuierlichen Absturz verantwortlich sind.

Wobei Sport-Vorstand Jonas Boldt (39) in seinem dritten Jahr bereits seinen dritten Trainer an der Seitenlinie stehen hat und den Kader zum dritten Mal fleißig durchgewürfelt hat - seit dem Abstieg sind mehr als 30 Spieler zum HSV gekommen, mehr als 40 haben ihn auch wieder verlassen.

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Dennoch gibt sich der 39-Jährige kämpferisch und versucht immer wieder zu betonen, dass "der HSV antrete, um jedes Spiel zu gewinnen". Die Favoritenrolle haben die Rothosen aber selbst in der zweiten Liga nicht mehr automatisch. Und die Gegner haben auch ihre "Angst" vor dem "großen HSV" abgelegt.

Denn im Kader der Rothosen fehlen mittlerweile die klangvollen Namen. In der Vorsaison wurden zahlreiche ("Säulen"-)Spieler wie Simon Terodde (33) oder Sven Ulreich (33) für den damaligen Trainer Daniel Thioune (47) verpflichtet. Ein Jahr später ist weder der Coach da, noch sind es die Fußballer.

Neu ist mit Tim Walter (45) wieder einmal der Trainer, und neu sind wieder einmal auch die Spieler, mit denen der HSV den Wiederaufstieg schaffen will.

Ist der HSV-Kader überhaupt aufstiegsreif?

Trainer Tim Walter (45) fordert Geduld, muss aber auch die ein oder andere Schlappe hinnehmen.
Trainer Tim Walter (45) fordert Geduld, muss aber auch die ein oder andere Schlappe hinnehmen.  © Stefan Puchner/dpa

Doch reicht der Kader wirklich für den Anspruch, um den Aufstieg mitzuspielen aus. Laut Boldt ja, und auch Walter sagte bei seiner Vorstellung, er sei gekommen, um "nicht wieder Vierter zu werden".

Geht es so weiter, braucht der 45-Jährige auch keine Angst haben, dass er mit seiner Mannschaft wieder Vierter wird. Denn der Platz liegt derzeit außer Reichweite!

Kein Wunder, dass Walter immer wieder das Wort "Geduld" in den Mund nimmt. Das aktuelle Team braucht aber aus unterschiedlichen Gründen noch Zeit, die es in Hamburg nur selten gibt.

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Zum einen muss der Waltersche Fußball noch verinnerlicht werden. Seine Werte "Mut", "Bereitschaft" und "Intensität" muss die Mannschaft erst noch annehmen.

Das zeigte vor allem das Derby gegen den FC St. Pauli. Da fehlte es dem Team eben an jenen Attributen. Dabei war diese Partie immens wichtig. Vor der Saison machten die Fans unmissverständlich klar, was sie von der Mannschaft forderten: den Derby-Sieg! Doch genau dann, wenn es darauf ankam, lieferte der HSV eben nicht. Wie schon in den Vorjahren!

Zum anderen brauchen die Rothosen noch Zeit. Statt auf Erfahrung setzen die Verantwortlichen nun auf das Motto "Jugend forscht". Ein Wagnis in der zweiten Liga, denn hier wird Fußball gearbeitet und "Männer-Fußball" gespielt.

HSV-Verantwortliche machen Politik der kleinen Schritte

Die launische Diva: Sonny Kittel (28) ist einer der besten Fußballer der zweiten Liga, wenn er denn will. (Archivbild)
Die launische Diva: Sonny Kittel (28) ist einer der besten Fußballer der zweiten Liga, wenn er denn will. (Archivbild)  © Christian Charisius/dpa

Dazu kommt, dass die wenigen erfahrenen Spieler im Kader nicht immer an ihre Leistungsgrenzen gehen. Allen voran Sonny Kittel (28). Hat der Offensivspieler Lust, ist er einer der besten Zweitliga-Kicker. Hat er keine Lust, reicht es bei ihm nicht mal für die Kreisliga.

Viel zu schnell geht der Kopf nach unten, viel zu schnell für mehr mit dem Gegner und dem Schiedsrichter lamentiert, als das man sich aufs Fußballspielen konzentriert. Dieses Problem hat aber nicht nur Kittel.

Im Heimspiel gegen den SV Darmstadt (2:2) wurde bereits deutlich, wie kurz die Zündschnur nach nur wenigen Spieltagen beim HSV schon wieder ist. Sport-Vorstand Boldt gestikulierte wie wild am Spielfeldrand hin und her. Die ausbleibenden Ergebnisse schlagen eben doch aufs Gemüt.

Auch wenn Trainer Walter, wie nach dem torlosen Remis bei Angstgegner 1. FC Heidenheim, resümierte: "Wir sind mit der bisherigen Punktausbeute nicht zufrieden. Aber wir müssen die Entwicklung bewerten und da haben wir diesmal einen Schritt nach vorne gemacht."

Die Spiele nach der Länderspielpause werden zeigen, in welche Richtung sich der HSV entwickelt. Denn dann trennt sich so langsam die Spreu vom Weizen.

Titelfoto: Fotomontage: Stefan Puchner/dpa, Axel Heimken/dpa

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