Lok Leipzigs neuer Steuermann Civa: "Als dann Wolfgang Wolf angerufen hat..."

Leipzig - Zwei Tage nach dem schmerzlich verpassten Aufstieg in die 3. Liga wurde Almedin Civa (48) am Donnerstag als neuer Trainer und Sportdirektor beim 1. FC Lokomotive Leipzig vorgestellt (TAG24 berichtete). Jetzt hat er ausführlich über seine neue Aufgabe, einem ersten Telefonat mit Wolfgang Wolf (62) und der finanzkräftigen Regionalliga-Konkurrenz gesprochen. 

Wolfgang Wolf (62, l.) dankte als Sportdirektor und Interimstrainer ab, Nachfolger auf beiden Posten wurde Almedin Civa (48).
Wolfgang Wolf (62, l.) dankte als Sportdirektor und Interimstrainer ab, Nachfolger auf beiden Posten wurde Almedin Civa (48).  © Picture Point/Roger Petzsche

Der gebürtige Bosnier hat nach einem Jahr Auszeit nach einer neuen beruflichen Herausforderung gesucht - aber nicht um jeden Preis. "Es muss alles passen", stand für Civa fest, wie er jetzt im Lok-eigenen Podcast sagte. 

Insgesamt 13 Jahre als Spieler, sportlicher Leiter und zuletzt Trainer beim jetzigen Ligakonkurrenten SV Babelsberg habe er sich wohlgefühlt, Mitte 2019 aber einen Schlussstrich gezogen. "Der Verein und ich brauchten eine Veränderung!"

Drei, vier Jobangebote habe es vor dem Lok'schen gegeben, immer hat irgendeine Kleinigkeit Civa nicht in den Kram gepasst. 

"Als dann Wolfgang Wolf angerufen hat, wollte ich natürlich mit ihm reden. Ich kenne Lok sehr gut", sagt der 48-Jährige, der 2003 schon für eine Halbserie bei Lok-Vorgänger VfB im "Bruno" kickte. 

"Nach den Gesprächen habe ich gesagt: 'Es könnte eine Herausforderung sein und das mache ich jetzt!'" 

Dass in der nächsten Spielzeit in Probstheida kleinere Brötchen als in der möglich gewesenen 3. Liga gebacken werden, ist für Almedin Civa kein Problem. "Da haben sie den Richtigen geholt", betont er selbstbewusst. "Ich habe in den letzten sechs Jahren bewiesen, dass man mit wenig Etat viel machen kann."

Sein Tagesablauf als Trainer und Sportdirektor in Personalunion wird, das steht fest, keinesfalls easy. Civa: "Natürlich muss ich telefonieren, machen, arbeiten, rennen, tun. Aber das wusste ich im Vorfeld. Ich weiß, wie das abläuft."

Verpasster Aufstieg am Fernseher, Vertragsverlängerungen der Spieler und Fans im Stadion

Der gebürtige Bosnier ist sich sicher, dass der verpasste Aufstieg in die 3. Liga Lok nicht kaputtmachen wird: "Der Verein wird aufstehen."
Der gebürtige Bosnier ist sich sicher, dass der verpasste Aufstieg in die 3. Liga Lok nicht kaputtmachen wird: "Der Verein wird aufstehen."  © Picture Point/Roger Petzsche

Auf das Kapitel 3. Liga mit Lok hätte sich Almedin Civa sehr gefreut - "gerade mit Wolfgang Wolf!" Der hat den FCL nach nur einer Saison und als ungeschlagener Interimstrainer aber wieder verlassen. 

Die dramatischen Szenen der Relegation gegen den SC Verl im Leipziger Bruno-Plache-Stadion (2:2) und in der Schüco-Arena in Bielefeld (1:1) verfolgte der 48-Jährige mit seinem Spross vorm Fernseher. 

"Ich war schon erst mal baff und traurig. Ich war überzeugt, dass sie das schaffen." Aufgrund der Auswärtstorregel setzte sich letztlich aber der West-Vertreter durch. 

Civa: "Es hat jetzt nicht geklappt, da fängt man wieder von vorn an. Das wird Lok nicht kaputtmachen. Der Verein wird aufstehen."

Wie geht's jetzt weiter?

Mittelfeldmann Paul Schinke (29) ist der derzeit einzige Lok-Spieler mit einem gültigen Vertrag für die kommende Saison.
Mittelfeldmann Paul Schinke (29) ist der derzeit einzige Lok-Spieler mit einem gültigen Vertrag für die kommende Saison.  © picture point/Sven Sonntag

Ab dem kommenden Montag will Civa die ersten persönlichen Gespräche mit den Spielern führen, von denen mit Paul Schinke (29) lediglich einer (!) einen für die nächste Saison gültigen Vertrag besitzt. "Es sind Spieler, die man sehr gern halten will, aber sie müssen es auch wollen."

Er ist sich sicher, dass viele der Akteure gern in Probstheida bleiben wollen. Aber auch unter weniger prickelnden finanziellen Bedingungen? "Man darf den Spielern dann nicht böse sein, wenn sie sagen: 'Das ist nichts für mich'", blickt der Coach in die nahe Zukunft.

Egal mit welchem Kader, identischen Fußball wie den, den er beim SVB spielen ließ, werd es beim FCL nicht geben. "Das ist Schwachsinn. Ich will viele Ideen reinbringen, aber ich will den Verein nicht verändern", bekräftigt Civa.

Saisonetats wie die kolportierten 1,3 Millionen Euro bei Drittliga-Absteiger Jena bezeichnet der Bosnier als "eine Hausnummer". Auch Chemnitz oder Zwickau und Cottbus könnten finanziell besser gestellt sein als Lok.

Wann auch immer die Spielzeit 2020/21 beginnt, Almedin Civa wünscht sich wieder Zuschauer im Stadion: "Ich hoffe, dass die Fans alle kommen dürfen. Mein Wunsch ist, dass sie mich ein bisschen kennenlernen. Der eine wird mich mögen, der andere nicht, aber das ist im Leben so. Man wird mir aber nie sagen, dass ich nicht geackert habe. Ich werde es mit voller Kraft machen."

Titelfoto: Picture Point/Roger Petzsche

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