Polizei will "linksradikale Parolen" beim Fußball verbieten und kassiert Shitstorm

Pforzheim - Die Polizei will im Fußballstadion des baden-württembergischen 1. CfR Pforzheim "linksradikale Parolen" verbieten. 

Zuletzt wurde Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp häufig von Fußballfans beleidigt. Das Bild zeigt ein Plakat aus der Partie der TSG gegen Borussia Mönchengladbach. 
Zuletzt wurde Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp häufig von Fußballfans beleidigt. Das Bild zeigt ein Plakat aus der Partie der TSG gegen Borussia Mönchengladbach.   © Roland Weihrauch/dpa

Dies geht aus einer neuen Polizeiordnung hervor, über die der "Pforzheimer Kurier" berichtete. Doch was genau ist mit linken Parolen gemeint? 

"Linksradikal wäre für uns Kritik an der Polizei" und  "Kritik an der polizeilichen Überwachung", wird ein Sprecher der Polizei Pforzheim von der Zeitung zitiert. 

Als Beispiel nannte dieser übliche Fanparolen wie "Willkür nimmt freien Lauf" oder "Gemeinsam gegen Polizeigesetze". Andere Themen, wie Kapitalismuskritik, sollen nach der neuen Ordnung allerdings nicht geahndet werden. Außer die Äußerungen würden Ausmaße wie zuletzt bei den Anfeindungen gegen Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp annehmen. 

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Nicht jedem gefallen allerdings die Änderungen, welche die neue Polizeiordnung vorsieht. 

"Wir müssen jetzt sehr vorsichtig sein, dass wir die Meinungsfreiheit nicht so weit abrüsten, dass wir uns in Moskau wiederfinden“, wird SPD-Politiker Uwe Hück im "Pforzheimer Kurier" zitiert. 

Die Polizei Pforzheim kassiert auf Twitter einen Shitstorm

"All Cops are Bastards" gilt als beliebte Beleidigung in der Fußballfanszene gegen Polizisten. (Symbolbild)
"All Cops are Bastards" gilt als beliebte Beleidigung in der Fußballfanszene gegen Polizisten. (Symbolbild)  © DPA/ Marcel Kusch

Beim Kurznachrichtendienst "Twitter" kassierte die Polizei sogar einen regelrechten Shitstorm. 

"Linksradikalismus wird neuerdings über Kritik an der Polizei definiert. Das ist so verrückt und antidemokratisch, dass ich nicht weiß, ob ich lachen oder weinen soll", schrieb Nutzer Daniel. 

Einer mit dem Account "Pozilei Sachsen" schrieb dagegen: "Wer Kritik an der Polizei als linksradikal bezeichnet, findet auch, dass das Grundgesetz ein linksgrün versifftes Hetzwerk ist."

"Ist Baden-Württemberg noch ein demokratischer Staat?", fragt sich dagegen Twitter-Nutzer "WasaP". 

Seiner Meinung nach wird man dies nach der neuen Pforzheimer Polizeiordnung bald wissen: "Wenn keine Maßnahmen gegen die Beamten wegen Verstoß gegen Verfassungstreue erfolgen", ist seine Antwort jedenfalls "nein". 

VfB-Stuttgart-Fan "rey bucanero" bezog sich in seiner Kritik an die Pforzheimer Polizei auf die Beleidigungen gegen Hoffenheim-Mäzen Hopp: "In einer Welt, in der die Beleidigung eines Milliardärs "der Tiefpunkt ist", bezeichnet man Kritik an der Polizei als linksradikal." 

Außerdem stellte er fest: "Der DFB, seine sauberen Anwälte und jetzt auch die Stadt Pforzheim, vertreten ein Rechtsverständnis aus finstersten Zeiten."

Polizei Pforzheim reagiert auf die Kritik

Update 16.12 Uhr: Inzwischen hat die Polizei reagiert und behauptet, dass der Pforzheimer Polizeisprecher falsch zitiert worden sei. Und berichtigt: Die als Beispiel aufgeführten Äußerungen "Willkür nimmt freien Lauf" und "gemeinsam gegen Polizeigesetze" werden nicht der Kategorie "Beleidigung" zugeordnet. 

Titelfoto: Marcel Kusch/dpa

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