Elfer-Krimi versetzt RB in Ekstase! Leipzig bezwingt SC Freiburg in Unterzahl

Berlin - RB Leipzig hat das DFB-Pokalfinale gewonnen! Die Sachsen setzten sich trotz Unterzahl gegen den SC Freiburg mit 4:2 nach Elfmeterschießen durch. Nach zwei verlorenen Endspielen hat es nun - aus Bullen Sicht - endlich mit dem Titel geklappt.

Schon weit vor dem Anpfiff herrschte im vollgepackten Berliner Olympiastadion eine wahnsinnig gute Stimmung. Beide Fanlager freuten sich auf die Partie.
Schon weit vor dem Anpfiff herrschte im vollgepackten Berliner Olympiastadion eine wahnsinnig gute Stimmung. Beide Fanlager freuten sich auf die Partie.  © Christian Charisius/dpa

Maximilian Eggestein brachte die Breisgauer im ausverkauften Olympiastadion in der 19. Minute mit 1:0 in Front, doch Christopher Nkunku gelang der 1:1-Ausgleich (76. Minute). Zudem kassierte Marcel Halstenberg nach einer Notbremse die Rote Karte (57.).

Im Vergleich zur 1:2-Niederlage gegen Bayer 04 Leverkusen veränderte SCF-Coach Christian Streich seine Startelf auf nur einer Position. Manuel Gulde startete für Woo-yeong Jeong (Bank).

Ähnlich konstant blieb auch RB-Trainer Domenico Tedesco. Er tauschte im Vergleich zum 1:1 bei Arminia Bielefeld ebenfalls nur einmal: Lukas Klostermann startete anstelle von Angelino (Bank).

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RB Leipzig Verstärkung für die Zentrale: Macht RB Leipzig Jagd auf diesen Finalisten?

Schon im Vorfeld der Partie war die Stimmung aufgeheizt. Rasenball-Anhänger wurden in der Hauptstadt mit Buttersäure attackiert.

Auf dem Feld sollte es nach dem Anpfiff zunächst etwas friedlicher zugehen. Beide Teams agierten verhalten und stets bemüht, nur keinen groben Fehler in der Anfangsphase zu machen.

Dennoch wirkten die Breisgauer in den Zweikämpfen etwas giftiger und eroberten sich viele zweite Bälle, ohne daraus jedoch frühzeitig Kapital schlagen zu können.

Die Anfangsphase lief größtenteils ohne Höhepunkte ab. In den Zweikämpfen hatten die Freiburger aber die Nase vorn.
Die Anfangsphase lief größtenteils ohne Höhepunkte ab. In den Zweikämpfen hatten die Freiburger aber die Nase vorn.  © Christian Charisius/dpa

Startelf des SC Freiburg für das DFB-Pokalfinale gegen RB Leipzig

So ging RB Leipzig gegen den SC Freiburg ins DFB-Pokalfinale

Tor trotz klarem Handspiel: SC Freiburg geht durch Maximilian Eggestein im Pokalfinale in Führung

Großer Jubel auf Freiburger Seite: In der 19. Minute gingen die Breisgauer durch Maximilian Eggestein (2.v.r., u.) in Führung.
Großer Jubel auf Freiburger Seite: In der 19. Minute gingen die Breisgauer durch Maximilian Eggestein (2.v.r., u.) in Führung.  © Robert Michael/dpa

Auch nach einer knappen Viertelstunde ließ die erste Torchance weiter auf sich warten. In der 14. Minute wurde es aber zum ersten Mal richtig heikel!

Über die linke Seite brachte Emil Forsberg die Kugel in die Box. Dort herrschte kurz Verwirrung, nachdem SCF-Keeper Mark Flekken einen ersten Abschluss pariert hatte. Der Ball kam in Ping-Pong-Manier schließlich zu Nkunku, dessen Schuss aber ins Toraus abgelenkt wurde.

Fünf Zeigerumdrehungen später war die taktische Ruhe dann komplett vorbei. Christian Günter schaffte es links tief in den Leipziger Strafraum, von wo aus er im Anschluss scharf nach innen spielte.

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Dort sprang Roland Sallai im Zweikampf der Ball klar an die Hand. Schiedsrichter Sascha Stegemann ließ jedoch weiterlaufen und so kam das Leder zu Eggestein, der aus der zweiten Reihe abzog. Die Kugel schlug im linken unteren Eck ein - Peter Gulacsi war chancenlos. RB protestierte nach dem Treffer zu Recht, doch der Mann mit der Pfeife blieb bei seiner Entscheidung.

Die Sachsen versuchten es mit einer direkten Antwort. Die gab es in der 24. Minute fast, als Nkunku nach einem Fehler von Nicolas Höfler frei vor Flekken auftauchte und am Keeper vorbeispitzelte. Im letzten Moment sprang aber Nico Schlotterbeck dazwischen und schlug die Kugel vor der Linie ins Toraus.

Die Rasenballer waren nun das bessere Team und hatten in Person von Silva (34.) und Orban (35.) auch Torversuche zu verzeichnen. Freiburg agierte inzwischen aber extrem defensiv, sodass für den Kontrahenten meistens im letzten Drittel Schluss war. Somit ging es schließlich ohne weitere größere Vorkommnisse mit einem unglücklichen 0:1-Rückstand aus Leipziger Sicht in die Kabinen.

Kurz vor der Halbzeit kochten die Emotionen immer weiter hoch. Die Leipziger hatten die vermeintliche Fehlentscheidung des Schiedsrichters noch immer nicht verdaut.
Kurz vor der Halbzeit kochten die Emotionen immer weiter hoch. Die Leipziger hatten die vermeintliche Fehlentscheidung des Schiedsrichters noch immer nicht verdaut.  © Picture Point / Sven Sonntag

Nächster Schock für RB Leipzig: Marcel Halstenberg bekommt die Rote Karte

Die Sachsen drängten mehr und mehr auf den Ausgleich. Doch die Breisgauer verteidigten mit allen Mitteln.
Die Sachsen drängten mehr und mehr auf den Ausgleich. Doch die Breisgauer verteidigten mit allen Mitteln.  © Soeren Stache/dpa

Die Roten Bullen machten in der zweiten Hälfte genau da weiter, wo sie aufgehört hatten. In Minute 49 war es erneut Nkunku, der mit einem Drehschuss von der Strafraumgrenze Flekken prüfte. Doch der Tormann hielt den abgefälschten Schuss sicher.

Der Druck der Rasenballer wurde immer größer, während sich der SC weiter hinten einmauerte. Wie schon in Halbzeit eins folgte auf die Leipziger Druckphase der Schock für die Sachsen.

Nach einem Ballverlust im Freiburger Strafraum ging es schnell per Flanke in Richtung Gulacsi. Halstenberg verlor einen Zweikampf gegen Höler und zog den Stürmer als letzter Mann dann zu Boden. Folgerichtig musste er mit einer Roten Karte vom Feld (57.).

Danach sah alles nach einem Sieg des SCF aus. Tedesco wechselte kräftig durch, um den Platzverweis irgendwie mit frischen Kräften zu kompensieren. Die Süddeutschen taten nicht mehr als nötig - das reichte jedoch, um den Tabellenvierten der Bundesliga vom eigenen Kasten fernzuhalten.

Zumindest bis zur 76. Minute! Nach einem missglückten Freistoß von Dominik Szoboszlai kam der Ball über die rechte Seite hoch in den Strafraum. Flekken verschätzte sich, sodass Nkunku am linken Pfosten noch an den Ball kam und ihn über die Linie drückte - Ausgleich!

Bittere Szene: Marcel Halstenberg (r.) musste in der 57. Minute mit Rot vom Platz, nachdem er Lucas Höler (l.) nur per Notbremse stoppen konnte.
Bittere Szene: Marcel Halstenberg (r.) musste in der 57. Minute mit Rot vom Platz, nachdem er Lucas Höler (l.) nur per Notbremse stoppen konnte.  © Tom Weller/dpa

Intensive Schlussphase zwischen dem SC Freiburg und RB Leipzig ohne vorzeitigen Sieger

Mit einem spektakulären Sprung drückte Christopher Nkunku (3.v.l.) den Ball in der 76. Minute zum 1:1 über die Linie.
Mit einem spektakulären Sprung drückte Christopher Nkunku (3.v.l.) den Ball in der 76. Minute zum 1:1 über die Linie.  © Christian Charisius/dpa

Jetzt wurde es eine wilde Schlussphase. In Unterzahl hatte Leipzig plötzlich Oberwasser bekommen. Der SCF wirkte verunsichert. Ein erneuter Szoboszlai-Freistoß hätte beinahe die Führung gebracht - doch Flekken reagierte zweimal überragend (83.).

Nur zwei Minuten später gab es einen Angriff über die linke Seite. Nkunku brachte das Leder mit Druck in die Mitte, wo der eingewechselte Dani Olmo im Fallen direkt abzog - das Ding ging knapp am linken Pfosten vorbei.

Die Spannung im Stadion war inzwischen allgegenwärtig. Von den Freiburgern kam trotz Überzahl offensiv gar nichts mehr.

Die Leipziger versuchten alles, um die Sache frühzeitig klarzumachen. Doch nach vier Minuten Nachspielzeit ging es schließlich in die Verlängerung. Es war das dritte 1:1 nach 90 Minuten zwischen den beiden Teams in dieser Saison.

Nach einer kurzen Pause, die den Freiburgern offenbar sehr gutgetan hatte, ging es intensiv weiter. Der SCF drängte sofort darauf den alten Abstand wieder herzustellen. Das hätte durch den eingewechselten Ermedin Demirovic in der 92. Minute auch fast geklappt, der eine Ecke von der rechten Seite mit dem Kopf verwertete. Der Ball flog als Bogenlampe aber nur gegen den linken Pfosten.

Auch neben dem Platz war die Stimmung feurig. Beide Fanlager brannten Pyrotechnik ab.
Auch neben dem Platz war die Stimmung feurig. Beide Fanlager brannten Pyrotechnik ab.  © Tom Weller/dpa

Wilde Verlängerung zwischen dem SC Freiburg und RB Leipzig

Kampf pur in der Verlängerung: Beide Teams hatten dicke Möglichkeiten zur Führung.
Kampf pur in der Verlängerung: Beide Teams hatten dicke Möglichkeiten zur Führung.  © Jan Woitas/dpa

Daraufhin machten auch die Leipziger wieder mit, die sich weiterhin nicht anmerken ließen, dass sie in Unterzahl spielten. Man hatte das Gefühl, dass, selbst wenn eine Mannschaft ein Tor erzielen würde, dieser Krimi noch nicht vorbei wäre.

Richtig gefährlich wurde es in Minute 101: Über die rechte Seite trieb Nordi Mukiele die Kugel nach vorn. Kurz vor dem Tor legte er quer auf Nkunku, der knapp verpasste. Nur eine Zeigerumdrehung später eine identische Szene auf der Gegenseite: Hier schlitterte Höler an der Kugel vorbei - weiter nur 1:1.

In der 104. Minute hatten die Rasenballer dann Glück. Nach einem missglückten Abwehrversuch kam Janik Haberer knapp außerhalb der Box völlig frei zum Schuss. Gulacsi lenkte die Kugel mit einem starken Reflex an den rechten Pfosten. Der Nachschuss von Demirovic ging weit drüber - dann war Pause.

Nach dem Seitenwechsel ging es schließlich in den Endspurt. Jetzt merkte man doch, dass beide Mannschaften Körner gelassen hatten. Trotzdem hatte Freiburg in der 115. Minute noch einmal eine dicke Chance, nachdem erneut Haberer aus der zweiten Reihe mit vollem Risiko abgezogen hatte. Sein wuchtiger Schuss knallte allerdings von der Querlatte ins Toraus.

Wenig später gab es dann riesige Aufregung: Höfler brachte im Strafraum Olmo per Grätsche zu Fall (117.). Nach langer Diskussion schaute sich Stegemann die Szene in der Review Area an - und entschied nur auf Ecke für RB. Kurz darauf ging es schließlich ins Elfmeterschießen.

RB Leipzig bezwingt den SC Freiburg im DFB-Pokalfinale nach Elfmeterschießen

Mark Flekken konnte keinen Elfmeter der Leipziger halten.
Mark Flekken konnte keinen Elfmeter der Leipziger halten.  © Tom Weller/dpa

RB Leipzig durfte beginnen. Nkunku verwandelte als erster Schütze souverän ins linke obere Eck.

Nils Petersen glich daraufhin mit einem Flachschuss ins rechte untere Eck aus.

Als Nächstes musste Willi Orban ran - auch er entschied sich für die rechte untere Ecke und traf.

Freiburgs Christian Günter wollte danach erneut ausgleichen. Sein Elfmeter ging aber weit über den Kasten - Vorteil für Rasenballsport!

Danach war Dani Olmo dran. Der Spanier versenkte das Ding sicher in der linken Ecke.

Auf Freiburger Seite schoss nun Keven Schlotterbeck. Gulacsi war mit den Fingerspitzen dran - das Leder knallte trotzdem in die linke Ecke.

Dann war Leipzigs Benjamin Henrichs am Zug. Er verwandelte sicher in der linken unteren Ecke.

Freiburgs Demirovic musste nun treffen - und sein Schuss ging nur gegen die Latte. Damit gewann RB Leipzig den DFB-Pokal!

Nach dem Abpfiff gab es einen medizinischen Notfall im Stadion. Die Siegerehrung wurde deshalb zunächst einmal verschoben.
Nach dem Abpfiff gab es einen medizinischen Notfall im Stadion. Die Siegerehrung wurde deshalb zunächst einmal verschoben.  © Robert Michael/dpa
Kurz nach halb 12 durften die Sachsen dann ausgelassen feiern.
Kurz nach halb 12 durften die Sachsen dann ausgelassen feiern.  © Tom Weller/dpa

Nun ist für beide Teams die Saison vorbei. RB Leipzig und der SC Freiburg verabschieden sich nun in die Sommerpause.

Titelfoto: Picture Point / Sven Sonntag

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