Bilanz von RB Leipzigs Neuzugängen: Wer schon einschlug und wer noch nicht

Leipzig - Dreieinhalb Monate der Saison 2020/21 haben wir (erst) hinter uns, nach einer Mini-Weihnachtspause geht's schon am kommenden Wochenende in der Fußball-Bundesliga weiter. Zeit, um die sechs Sommer-Neuzugänge von RB Leipzig unter die Lupe zu nehmen und einzuordnen: Wer kam mit der neuen Aufgabe am besten zurecht und wer wartet noch auf den Knotenlöser?

ALEXANDER SÖRLOTH, der Glückspilz und Pechvogel

Alexander Sörloth (24) am Boden: Ein Sinnbild der ersten drei Monate des (fast) glücklosen Stürmers.
Alexander Sörloth (24) am Boden: Ein Sinnbild der ersten drei Monate des (fast) glücklosen Stürmers.  © Picture Point/Roger Petzsche

Was waren das nur für zähe und wochenlange Verhandlungen mit Trabzonspor und Crystal Palace um RB Leipzigs Wunschstürmer Alexander Sörloth (24)!

Am 22. September war es endlich soweit, der norwegische 1,95-Meter-Hüne kam nach einer Super-Saison mit der Empfehlung von 33 Toren und 11 Vorlagen aus 49 Pflichtspielen aus der Türkei nach Sachsen - für satte 20 Millionen Euro!

Man erhoffte sich viel von Erling Haalands (20) Nationalmannschafts-Kollegen. Bisher konnte er die Vorschusslorbeeren aber nicht zurückzahlen.

Zwölf Bundesliga-Einsätze hat er in den drei Monaten absolviert, getroffen oder Vorlagen gegeben aber nicht. Lediglich in der Champions League gelang ihm beim 4:3-Sieg bei Istanbul Basaksehir der immens wichtige Siegtreffer. Das war's dann aber auch schon.

"Er wirkt schon sehr verkopft und nicht ganz frei in der Rübe", sagte sein Trainer Julian Nagelsmann (33) nach dem 0:0 gegen den 1. FC Köln. Zuvor hatte Sörloth u.a. gegen Arminia Bielefeld (2:1) einen Elfmeter verschossen. Es passte zu seiner bisherigen Pechsträhne.

Sportdirektor Markus Krösche (40) steht aber weiter hinter dem Norweger, sagte gegenüber BILD: "Wir geben Alexander die Zeit. In den ersten zwei Januar-Wochen können wir viel trainieren, das ist gut für ihn."

HEE-CHAN HWANG, der Werner-Ersatz

Hee-chan Hwang (24) ist einer der Pechvögel. Ihn warf eine Corona-Infektion zurück. Im neuen Jahr soll und will er neu angreifen.
Hee-chan Hwang (24) ist einer der Pechvögel. Ihn warf eine Corona-Infektion zurück. Im neuen Jahr soll und will er neu angreifen.  © Picture Point/Roger Petzsche

Durchaus holprig begann die Leipzig-Reise auch für Hee-chan Hwang (24)! Der Südkoreaner war im Sommer für neun Millionen Euro vom Schwesterklub Red Bull Salzburg an die Pleiße gekommen.

Lediglich beim 3:0-Sieg im DFB-Pokal beim 1. FC Nürnberg stand er in der Startelf, nur in diesem Spiel konnte er ein Tor und eine Vorlage verbuchen. Es folgten fünf Einsätze über insgesamt nur knapp 100 Minuten in der Bundesliga und ein 45-minütiger in der Champions League. An seinen Sturmpartnern Yussuf Poulsen (26) und Sörloth war kaum ein Vorbeikommen.

Mitte November folgte Hwangs endgültiger Rückschlag. Der Südkoreaner kehrte von einer Länderspielreise in Österreich zurück, auf der er sich mit dem Coronavirus infiziert hatte (TAG24 berichtete). Die zehn verbliebenen RB-Pflichtspiele 2020 verpasste er.

Nach häuslicher Isolation, bei der er sich laut Trainer Julian Nagelsmann tagelang "fast tot" fühlte, folgte zunächst ein Aufbautraining. Nach Weihnachten sollte Asiens Jugendspieler des Jahres 2017 wieder mit der Mannschaft auf dem Platz stehen können.

Eine Rückkehr bereits am Samstag (20.30 Uhr/DAZN) beim VfB Stuttgart kommt vermutlich noch zu früh. Eine Woche später (18.30 Uhr/Sky) ist Borussia Dortmund zu Gast in der Red Bull Arena. Ein Kurz-Comeback scheint dann realistischer.

JOSEP MARTÍNEZ, der Gulácsi-Nachfolger

Josep Martínez (22) ist derzeit nur im Training oder beim Aufwärmen vor Spielen gefordert, soll aber potenzieller Nachfolger von Péter Gulácsi (30) werden.
Josep Martínez (22) ist derzeit nur im Training oder beim Aufwärmen vor Spielen gefordert, soll aber potenzieller Nachfolger von Péter Gulácsi (30) werden.  © Picture Point/Roger Petzsche

2,5 Millionen Euro ließ sich RB Leipzig die Dienste des spanischen Torwart-Talents Josep Martínez (22) von Zweitligist UD Las Palmas kosten, der bis 2024 unterschrieb (TAG24 berichtete).

Die Roten Bullen sind die erste Station im Ausland für den spanischen U21-Nationalkeeper, der in der berühmten Nachwuchs-Akademie "La Masia" vom FC Barcelona ausgebildet wurde.

Sportdirektor Markus Krösche freute sich bei Vertragsabschluss im Januar 2020 über einen "hochveranlagten Spieler und eines der großen spanischen Torwart-Talente".

Martínez ist aktuell die Nummer 2 zwischen den Pfosten hinter Stammkeeper Péter Gulácsi (30, Vertrag bis 2023), an dem natürlich derzeit kein Vorbeikommen ist. Bislang saß er in jedem Spiel auf der Bank, kam noch nicht zum Debüt.

Mittel- bis langfristig soll der 1,91 Meter lange Spanier aber als potenzieller Nachfolger des Ungarn aufgebaut werden.

JUSTIN KLUIVERT, der Sohn von...

Justin Kluivert (21, r., hier gegen Werder Bremens Maximilian Eggestein) hat nach kurzer Eingewöhnungszeit gegen Bayern München und Manchester United schon gute Leistungen abrufen können.
Justin Kluivert (21, r., hier gegen Werder Bremens Maximilian Eggestein) hat nach kurzer Eingewöhnungszeit gegen Bayern München und Manchester United schon gute Leistungen abrufen können.  © Picture Point/Roger Petzsche

Es war DER Last-Minute-Deal am "Deadline-Day". Kurz vor Schließung des Sommer-Transferfensters verkündete RB Leipzig die einjährige Leihe (Gebühr 1 Million Euro) des jungen Niederländers Justin Kluivert (21) von der AS Roma.

Der 1,71 Meter große Offensivmann und Sohn der Barca-Legende Patrick Kluivert (44) passte optimal zu den Vorstellungen von Julian Nagelsmann, der wenige Tage zuvor den Wunsch nach einem schnellen Flügelstürmer geäußert hatte.

Der niederländische Nationalspieler stand nur zwei Wochen nach seiner Verpflichtung das erste Mal im Bundesliga-Kader, sein Startelf-Debüt feierte er am 5. Spieltag im Heimspiel gegen Hertha BSC.

Nach anfänglich durchwachsenen Leistungen konnte der 21-Jährige mit jeweils einem Tor vor allem in der Auswärtspartie gegen Bayern München und im wichtigen Champions-League-Rückspiel gegen Manchester United zeigen, was in ihm steckt.

Zuletzt hat der Flügelflitzer vor Weihnachten wegen einer leichten Verletzung gefehlt. Laut Instagram-Story des Youngsters ist er in dieser Woche wieder ins Training eingestiegen.

Kluivert hat in Rom noch einen Vertrag bis 2023, doch Medienberichten zufolge hat RB für die Leihe eine Kaufoption ausgehandelt.

BENJAMIN HENRICHS, der fünffache Nationalspieler

Benjamin Henrichs (23, l., hier gegen Herthas Ex-Leipziger Matheus Cunha) plagt sich seit November mit einer langwierigen Verletzung herum.
Benjamin Henrichs (23, l., hier gegen Herthas Ex-Leipziger Matheus Cunha) plagt sich seit November mit einer langwierigen Verletzung herum.  © Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa

Das erste halbe Jahr bei RB hat sich Benny Henrichs (23) vermutlich etwas anders vorgestellt. Der Abwehrspieler war bereits Anfang Juli von AS Monaco für ein Jahr ausgeliehen worden, nachdem ein im vergangenen Winter anvisierter Wechsel geplatzt war (TAG24 berichtete).

Aus seiner Zeit bei Bayer Leverkusen brachte Henrichs jede Menge Bundesliga-Erfahrung mit. Außerdem gewann er mit der deutschen Nationalmannschaft im Jahr 2017 den Confederations Cup.

In Leipzig konnte der 23-Jährige derweil noch nicht so richtig durchstarten. So durfte er wettbewerbsübergreifend bisher lediglich viermal von Beginn an auflaufen.

Endgültig ausgebremst wurde der Defensivallrounder dann aber Ende November. Wegen einer Entzündung der Patellasehne und dauerhaften Schmerzen fiel er für das restliche Kalenderjahr aus (TAG24 berichtete)

Wann Henrichs, für den RB ebenfalls eine Kaufoption besitzt, wieder einsatzfähig sein wird, konnte Trainer Julian Nagelsmann vor Weihnachten noch nicht beantworten.

LAZAR SAMARDZIC, der Jungspund

Lazar Samardzic (18) wurde Anfang September aus Berlin geholt. Trotz bisher weniger Einsätze konnte er in Ansätzen zeigen, warum er als eines der größten deutschen Talente gilt.
Lazar Samardzic (18) wurde Anfang September aus Berlin geholt. Trotz bisher weniger Einsätze konnte er in Ansätzen zeigen, warum er als eines der größten deutschen Talente gilt.  © Picture Point/Roger Petzsche

Markus Krösche zeigte sich sichtlich stolz, nachdem RB Leipzig Lazar Samardzic (18) Anfang September für eine halbe Million Euro von Hertha BSC geholt hatte: "Lazar Samardzic ist eines der größten deutschen Talente. Wir trauen ihm bei uns die nächsten Schritte zu." (TAG24 berichtete)

In der Berliner Jugend erzielte er in 40 Partien 40 Tore sowie 14 Vorlagen, durfte in der vergangenen Saison drei Bundesligaspiele für die Profis bestreiten.

RB band den 18-Jährigen mit einem langfristigen Vertrag bis 2025, Nagelsmann setzte ihn zunächst auf die Bank. Bei seinem Startelf-Debüt gegen Borussia Mönchengladbach zeigte er trotz 0:1-Niederlage (TAG24 berichtete) eine respektable Leistung.

Wie auch Hwang ereilte den deutschen U20-Nationalspieler Anfang Dezember eine Corona-Infektion, wegen der er bis kurz vor Weihnachten in Quarantäne bleiben musste. Doch schon im Pokalspiel gegen den FC Augsburg durfte er wieder ein paar Minuten auf den Platz.

Sicher ist bei Samardzic noch ein wenig Luft nach oben. Doch wenn man ihm in Zukunft öfter die Chance gibt, wird er hoffentlich zeigen, dass er den Erwartungen an ein großes Talent gerecht werden kann.

Titelfoto: Bildmontage: Picture Point/Roger Petzsche, Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa

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