Kalt erwischt! RB Leipzig wusste nichts vom perfekten Upamecano-Deal

Leipzig - Julian Nagelsmann (33) redete zwar von großer Vorfreude auf den FC Liverpool, war in Gedanken aber wohl ganz woanders. Die Körpersprache des ehrgeizigen Trainers von RB Leipzig offenbarte, dass ihn die Art und Weise des Wechsels von Dayot Upamecano (22) zu Bayern München kalt erwischt hatte.

Beim 2:1-Heimsieg gegen den FC Augsburg am gestrigen Freitagabend erzielte Dani Olmo (22) das 1:0 per Elfmeter.
Beim 2:1-Heimsieg gegen den FC Augsburg am gestrigen Freitagabend erzielte Dani Olmo (22) das 1:0 per Elfmeter.  © Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa

Ausgerechnet vor dem Champions-League-Kracher gegen den englischen Meister am Dienstag (21 Uhr/DAZN) in Budapest wurde RB mit der harten Realität konfrontiert.

Der Klub darf zwar gegen die Fußball-Größen Europas spielen, kann aber vor allem in Sachen Transfers und Glamour noch lange nicht mithalten.

"Wir sind nicht im obersten europäischen Regal wie Bayern oder Real Madrid", stellte Nagelsmann nach dem 2:1 gegen Augsburg (TAG24 berichtete) klar.

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Während sich seine Mannschaft in der Bundesliga bis auf vier Punkte an die Bayern herankämpfte, verkündete deren Sportvorstand Hasan Salihamidzic (44) via "Bild" den Kauf des Leipziger Abwehrchefs für die fixe Ablöse von 42,5 Millionen Euro (TAG24 berichtete).

RB, so hatte man den Eindruck, war im Kampf um den französischen Nationalspieler ebenso chancenlos wie uninformiert.

Leipzigs Geschäftsführer Oliver Mintzlaff (45) hatte vor zwei Wochen noch betont, er habe mit Bayern-Vorstand Karl-Heinz Rummenigge (65) vereinbart, dass RB informiert werde, wenn es beim Thema Upamecano konkret wird.

Zeichen der Bayern, in welcher Rolle sich Leipzig befindet

Coach Julian Nagelsmann (33) dürfte nicht begeistert gewesen sein, dass der Wechsel von Dayot Upamecano während des Spiels verkündet wurde. (Symbolbild)
Coach Julian Nagelsmann (33) dürfte nicht begeistert gewesen sein, dass der Wechsel von Dayot Upamecano während des Spiels verkündet wurde. (Symbolbild)  © Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa

Nun aber zeigten sich sowohl Nagelsmann als auch Sportdirektor Markus Krösche (40) ahnungslos – und waren es wohl auch. Die Aktion darf ruhig als Hinweis der Bayern verstanden werden, in welcher Rolle man die Leipziger sieht. Als Jäger, aber keinesfalls auch nur in der Nähe.

Und in dieser Position wird RB absehbar auch bleiben. Zwar hat man in Josko Gvardiol (19) bereits einen neuen, hoch veranlagten Innenverteidiger unter Vertrag und ist sich mit Mohamed Simakan (20) einig. Doch im Sog von Upamecano drohen die nächsten Abgänge.

Verteidiger Ibrahima Konaté (21) ist für eine ähnliche Summe wie Upamecano zu haben und soll auf der Wunschliste von Manchester United stehen. Dani Olmo (22) und Kapitän Marcel Sabitzer (26) sind ebenfalls ernste Kandidaten für einen Wechsel, Torwart Peter Gulacsi (30) ist für eine bescheidene Summe kaufbar.

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Für Nagelsmann ist es "ganz normal, dass Spieler gehandelt werden". Der 33-Jährige sieht das sogar als leistungsfördernd an. "Es ist Motivation für die Spieler, weiter Gas zu geben, damit ihre Zukunft auch so aussieht, wie sie sich das vorstellen", sagte der Coach.

Ihn selbst dürfte es nicht glücklich machen, ein Jahr nach Timo Werner (24) den nächsten Eckpfeiler seiner Mannschaft zu verlieren. Schließlich will Nagelsmann Titel gewinnen.

Upamecano gegen Liverpool wieder in der Startelf

Ab der kommenden Saison wird Upamecano nicht gegen, sondern mit Thomas Müller (31) kicken. (Archivbild)
Ab der kommenden Saison wird Upamecano nicht gegen, sondern mit Thomas Müller (31) kicken. (Archivbild)  © Sven Hoppe/dpa

Und es ist fraglich, wie lange Leipzig diese Verluste kompensieren und damit Königsklassen-Spiele wie gegen Liverpool erst möglich machen kann.

In Budapest wird Upamecano übrigens wieder in der Startelf stehen, schließlich hat ihn Nagelsmann gegen Augsburg geschont. "Ich freue mich auf das Duell mit Liverpool. Wir haben uns das verdient", sagte Nagelsmann. "Wir versuchen, in unserem Heimspiel in Budapest alles rauszuholen und Vollgas zu geben."

Am Montagmorgen bricht der RB-Tross zu dem wegen der Corona-Beschränkungen in die ungarische Hauptstadt verlegten Spiel auf.

Angesichts der mäßigen Form des FC Liverpool rechnet man sich durchaus Chancen auf das Weiterkommen aus.

"Wir brennen auf das Spiel", sagte Willi Orban (28). Der ungarische Nationalspieler kennt die Puskas-Arena und ist optimistisch, auch wenn "die Bedingungen ein wenig außergewöhnlich sind".

Auch Orban erfuhr erst nach dem Spiel gegen Augsburg, dass er in der Abwehrkette vom Sommer an nicht mehr neben Upamecano spielen wird. "Wir wussten das nicht", gab der Verteidiger zu. Damit war Orban ganz offenbar in bester Gesellschaft.

Titelfoto: Sven Hoppe/dpa

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