Der Tag danach: Wie RB Leipzig das Halbfinal-Aus verkraften will

Lissabon/Leipzig - Aus und vorbei: Paris Saint-Germain war am Dienstagabend eine Nummer zu groß für sichtlich nervöse Bullen aus Leipzig. Mindestens zwei von drei Treffern hat man den Franzosen, die zugegeben noch etliche weitere Chancen hatten, quasi geschenkt. Dennoch gehen die Sachsen erhobenen Hauptes aus der Königsklasse. Denn einen Halbfinaleinzug hatten der jungen Truppe von Trainer Julian Nagelsmann (33) vor dem Turnier wohl die wenigsten zugetraut.

Sichtlich enttäuscht aber dennoch gefasst zeigte sich Julian Nagelsmann nach der Partie.
Sichtlich enttäuscht aber dennoch gefasst zeigte sich Julian Nagelsmann nach der Partie.  © David Ramos/Pool Getty/AP/dpa

"Ich nehme sehr viel Positives mit. Wir hatten auf dem Weg ins Halbfinale kein Freilos, sondern haben Tottenham und Atlético Madrid ausgeschaltet und mit Lyon noch einen anderen Halbfinalisten in der Gruppe gehabt, dazu Benfica Lissabon. Wir haben eine gute Champions-League-Saison gespielt. Ich nehme mit, dass die Jungs völlig unerschrocken gegen eine der unangenehmsten Mannschaften Europas aufgetreten sind und wir auch gegen PSG unseren Charakter auf den Platz gebracht haben."

Mit diesen Worten konnte der sichtlich enttäuschte Julian Nagelsmann in der virtuellen Pressekonferenz nach der 0:3-Niederlage ein dennoch positives Resümee ziehen. Man hatte keine 2:8-Niederlage wie Barcelona gegen Bayern hinnehmen müssen - dennoch hatte Paris den Leipzigern deutlich aufgezeigt, was es noch an Qualität und spielerischer Erfahrung braucht, um in ein Champions-League-Finale einzuziehen. 

Viele Unsicherheiten, gerade von Leistungsträgern wie Kevin Kampl (29) oder Péter Gulácsi (30) und auch die nötige Konsequenz im letzten Angriffsdrittel waren letztendlich die entscheidenden Faktoren, dass die "Missao Final" gegen 22.50 Uhr ein jähes Ende fand. 

Hinzu kommt, dass man Spieler wie Neymar (28) oder Kylian Mbappé (21) nicht vollends unter Kontrolle bekam. Das weiß auch Nagelsmann: "Wir haben alles versucht. Wir haben aus einem Standard das 0:1 gekriegt und relativ aus dem Nichts das zweite Tor. Dann wurde es natürlich schwer. Dass Neymar ein bisschen dribbelt und viele Aktionen hat, das ist ganz normal. Ein paar Euro hat er ja auch gekostet. Ihn immer zu verteidigen, das ist nicht ganz so einfach."

Auf den jüngsten Trainer, der jemals in einem Champions-League-Halbfinale stand, kommt nun eine weitere große Aufgabe zu: Wie bekommt man seine Mannschaft nach so einem Spiel wieder dazu, voll fokussiert auf die nächste Aufgabe, das DFB-Pokalspiel gegen Nürnberg, vorzubereiten?

Gier der Spieler wieder wecken

Ausgelassene Stimmung bei den Franzosen: Der Gegner im Finale heißt entweder Lyon oder Bayern München.
Ausgelassene Stimmung bei den Franzosen: Der Gegner im Finale heißt entweder Lyon oder Bayern München.  © David Ramos/Pool Getty/AP/dpa

"Wir haben Kaderthemen, die wir in der Transferperiode besprechen müssen. Wir haben bald Nürnberg im DFB-Pokal vor der Brust. Die Spieler werden schon ein bisschen brauchen, was völlig verständlich ist. Sie sind körperlich an die Grenze gegangen. Ich wünsche allen meinen Spielern, dass wir solche Situationen wieder und wieder erleben", erklärte Nagelsmann auf der Pressekonferenz weiter. 

Wichtig sei, dass seine Truppe begreift, dass sie mit der richtigen Leistung solche Endspiele wieder erreichen können: "Diese Gier muss nach einer Woche, die die Jungs jetzt frei kriegen, wieder geweckt werden. Die nächsten Aufgaben warten, dafür müssen wir die nächste Freude entwickeln."

Was man vor dem Angehen der nächsten Spiele auf dem Transfermarkt noch macht, ist wohl auch abhängig davon, wie viel Geld am Ende die Teilnahme am Halbfinale wert war. Eigentlich würden Leipzig für den Einzug ins Viertelfinale 10,5 Millionen Euro und für das Erreichen der letzten vier weitere zwölf Millionen Euro zustehen. Noch ist aber unklar, ob die Prämien aufgrund der Reduzierung der Spiele in voller Höhe ausgezahlt werden.

Klar ist aber auch: Leipzig will das Paris-Spiel nicht als Gradmesser dafür nehmen, was man für die eigenen Reihen noch tun möchte. Nagelsmann: "Dieses Spiel kann uns nicht zeigen, was wir noch machen müssen auf dem Transfermarkt. Das ist einfach nicht drin im Portemonnaie. Jeder Trainer will die bestmögliche Mannschaft, jeder Spieler auch. Wir haben noch Aufgaben. Denen werden wir uns jetzt widmen."

Spieler wie Neymar sind natürlich schwer in den Griff zu bekommen. Mit der spielerischen Klasse der Pariser hatten die Bullen oftmals ihre Probleme.
Spieler wie Neymar sind natürlich schwer in den Griff zu bekommen. Mit der spielerischen Klasse der Pariser hatten die Bullen oftmals ihre Probleme.  © David Ramos/Pool Getty via AP/dpa

Die Highlights im Video:

Für die nahe Zukunft zeigte sich Nagelsmann nach der Partie aber dennoch sehr zuversichtlich. "Wir werden den Weg weitergehen, auch wenn wieder mal Dellen dabei sein werden. Entwicklung ist ein Prozess, der geht nicht immer in eine Richtung. Da gibt es auch mal Hürden, über die man springen muss. Die kommende Saison wird sehr anstrengend und lang. Mir ist aber nicht bange, wenn ich die Leistung gesehen habe und in die Augen der Spieler in der Kabine geschaut habe."

Man darf also schon jetzt gespannt sein, welche überraschenden Leistungen die Sachsen für die kommende Spielzeit aus dem Hut zaubern. Eines ist aber sicher: Durch den Halbfinal-Einzug ist das Team spätestens jetzt auf dem Radar von europäischen Top-Clubs. Unterschätzen wird man die Nagelsmann-Elf in naher Zukunft wohl so schnell nicht mehr.

Titelfoto: David Ramos/Pool Getty/AP/dpa

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