RB Leipzigs Nagelsmann über Corona-Zwangspause: "Wissen auch die Fachmänner nicht"

Leipzig - "Es muss vernünftig und besonnen damit umgegangen werden", sagt Julian Nagelsmann (32) in Zeiten der sich immer weiter ausbreitenden Corona-Krise. Während die DFL zusammen mit Clubvertretern wohl am Montag über eine (zunächst) zweieinhalbwöchige Zwangspause entscheidet, muss der Alltag in den Vereinen irgendwie weitergehen. Wie die Pläne rund um RB Leipzig aussehen, hat der Coach erläutert. 

Die Red Bull Arena muss - wie alle anderen Stadien in den oberen Ligen - eine Zwangspause einliegen.
Die Red Bull Arena muss - wie alle anderen Stadien in den oberen Ligen - eine Zwangspause einliegen.  © Picture Point/Gabor Krieg

"Fußball ist eine Unterhaltungsbranche. Die Unterhaltung sollte dann stattfinden, wenn alles andere so gegeben ist, dass es einem gutgeht", fordert Leipzigs Trainer Julian Nagelsmann. 

Die Worte wurden zu einem Zeitpunkt gesprochen, als die Absetzung des 26. Bundesliga-Spieltags eigentlich nicht zur Debatte stand. Wenige Stunden später war es aber soweit. 

"Ziel ist es weiterhin, die Saison bis zum Sommer zu Ende zu spielen – aus sportlichen Gesichtspunkten, aber insbesondere auch, weil eine vorzeitige Beendigung der Saison für einige Clubs existenzbedrohende Konsequenzen haben könnte", teilte die Deutsche Fußball-Liga (DFL) in der Erläuterung mit. 

"Offensichtlich ist es ein Weg, Sozialkontakte und demnach auch Fußballspiele zu reduzieren, um das Coronavirus einzudämmen", sagte Nagelsmann. 

"Wenn man nach Italien schaut, die sind drei, vier Wochen vor uns dran, da ist es kein ganz falscher Weg, die Liga auszusetzen." Dies sei nur "eine Frage der Zeit" gewesen.

Auch die UEFA hatte die für Mitte der kommenden Woche geplanten internationalen Partien in Champions- und Europa League abgesagt.  

Dass auch die für Samstag geplante Begegnung gegen Freiburg nun gänzlich ausfällt, hat den 32-Jährigen dann doch ein wenig überrumpelt, machte aber deutlich: "Es gibt wichtigere Dinge im Leben als Fußball – und das ist die Gesundheit. Wir werden jeden Spieltag so angehen, als wäre es der letzte." 

Wann dieser nächste Spieltag stattfindet, steht noch in den Sternen. Frühestens das erste April-Wochenende mit dem Heimspiel gegen Hertha BSC erscheint zum jetzigen Zeitpunkt realistisch. 

So plant RB Leipzig die spielfreie Zeit

Will in einem Geister-Heimspiel seine Künste als Stadionsprecher aufblitzen lassen: RB-Trainer Julian Nagelsmann.
Will in einem Geister-Heimspiel seine Künste als Stadionsprecher aufblitzen lassen: RB-Trainer Julian Nagelsmann.  © picture point/Sven Sonntag

Eigentlich erst für die kommende Woche stand im Kalender, eine interne Planung für die Trainingsmaßnahmen zu erstellen. Dies kann nun schon ab dem Wochenende geschehen.

Es geht um freie Tage für die Profis, gegebenenfalls zu erledigende "Hausaufgaben" und klare Reisevorgaben. Zu Familie und Freunden zu fliegen, dürfte somit (verständlicherweise) tabu sein. 

Dass vor allem kleinere Vereine in unteren Ligen jetzt Existenzängste fürchten, kann der Coach zwar nachvollziehen. 

Der wirtschaftliche Aspekt außerhalb des Fußballs sei jedoch "teilweise deutlich prekärer. Die meisten Fußballvereine können das etwas besser kompensieren als die meisten mittelständigen Unternehmen."

Sollte die Saison im schlimmsten Fall sogar vorzeitig abgebrochen werden, würde sich Julian Nagelsmann mit einem Augenzwinkern wünschen, dass die Tabelle am Jahresende 2019 gewertet wird. Da gingen die Roten Bullen als Herbstmeister in die Winterpause. "Ich weiß nicht, wie es ist, wenn eine Saison vorzeitig abgebrochen wird. Das wissen glaube ich auch die Fachmänner nicht. Deswegen gibt es so schnell auch keine Entscheidungen, sondern erst tausend Tagungen."

Dass das Match gegen den SC Freiburg, bekanntermaßen nicht der Lieblingsgegner der Sachsen, abgesagt wurde, dürfte Leipzigs Trainer etwas traurig stimmen. Denn auf der Spieltags-Pressekonferenz sagte er: "Freiburg ist ein ganz guter Gegner für ein Geisterspiel, weil sie nicht dafür stehen, nichts zu machen, sondern selber gerne kicken."  

Sollte Leipzigs nächstes Heimspiel, wann auch immer das sein wird, ohne Zuschauer stattfinden, kann sich Nagelsmann den Job als Stadionsprecher vorstellen: "Ich schrei die Namen der Spieler", lachte der 32-Jährige. Aber: "Ich werde nicht ganz so laut schreien, als wenn Zuschauer da wären. Das kann ganz schön erschreckend sein - auch für mich."

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