Champions League: RB Leipzig fliegt klar gegen Paris raus und verpasst das Finale

Lissabon - Die letzte hohe Hürde konnten sie nicht nehmen: RB Leipzig hat die nächste Sensation beim Champions-League-Turnier in Lissabon verpasst und das Halbfinale gegen den französischen Serienmeister Paris Saint-Germain klar mit 0:3 (0:2) verloren. 

Stürmer Yussuf Poulsen ließ die beste RB-Gelegenheit in der ersten Halbzeit liegen.
Stürmer Yussuf Poulsen ließ die beste RB-Gelegenheit in der ersten Halbzeit liegen.  © Manu Fernandez/AP Pool/dpa

Marquinhos brachte das Star-Ensemble am Dienstagabend mit 1:0 in Führung (13. Minute), Ángel di María (42.) baute diese aus. Nach der Halbzeit machte Juan Bernat (3:0/56.) alles klar.  

"Missao Final" hieß es für die Roten Bullen im Estadio da Luz von Portugal-Vizemeister Benfica. Einen Sieg waren sie entfernt vom ganz großen Coup. Vom Endspiel im größten europäischen Vereinsfußball. Doch auch PSG stand zuvor noch nie im Finale der Königsklasse. Dort wollten sie aber unbedingt hin.

RB war als Gruppensieger in die K.o.-Phase eingezogen, hatte Vorjahres-Finalist Tottenham mit 1:0 und 3:0 geschlagen und Atlético Madrid ebenfalls überraschend mit 2:1 rausgeworfen (TAG24 berichtete). PSG hingegen konnte sich jeweils nur knapp gegen Borussia Dortmund (1:2 und 2:0) und zuletzt auch Underdog Atalanta Bergamo (2:1) durchsetzen. 

Während RB das Duell in der erst zweiten Königsklassen-Spielzeit deutlich lockerer angehen konnte, herrschte bei Paris "große Anspannung", wie Trainer Thomas Tuchel im Vorfeld sagte. 

RB Leipzigs Startelf gegen Paris Saint-Germain

Und so ging PSG ins Match

Leipzig zu fehlerhaft, Paris zu abgezockt

Hoch, höher, Marquinhos: Der Brasilianer steigt nach Neymar-Freistoß frei nach oben und köpft zum 1:0 für Paris ein.
Hoch, höher, Marquinhos: Der Brasilianer steigt nach Neymar-Freistoß frei nach oben und köpft zum 1:0 für Paris ein.  © David Ramos/Pool Getty/AP/dpa

Der jüngste Trainer in einem Champions-League-Halbfinale ever, Julian Nagelsmann (33), bot (beinahe) die identische Startelf wie beim Viertelfinal-Erfolg gegen Atlético auf. Lediglich Nordi Mukiele ersetzte Marcel Halstenberg (Bank). 

Thomas Tuchel (46) wechselte auf vier Positionen: Torhüter Sergio Rico, Leandro Paredes, di María und Kylian Mbappé begannen für den verletzten Keylor Navas, Idrissa Gueye, Pablo Sarabia und Mauro Icardi (alle Bank). 

Paris gab sich bestimmend im Aufbauspiel und zeigte direkt, was sie sich vorgenommen hatten. Schon nach wenigen Minuten blitzte das Können der Mega-Offensive auf: Mbappé vernaschte Mukiele, steckte durch auf Neymar, der per Außenrist nur den langen Pfosten traf (6.). 

In der nächsten Situation landete der Ball dann im Kasten: Einen Rückpass wollte Péter Gulácsi wegtreten, aber Neymar sprang dazwischen. Die Vorlage verwertete Mbappé ins leere Tor, doch Schiri Björn Kuipers entschied auf Handspiel Neymar (7.). 

1:0-Torschütze Marquinhos (l.) und Vorlagengeber Neymar im Freudentaumel.
1:0-Torschütze Marquinhos (l.) und Vorlagengeber Neymar im Freudentaumel.  © Picture Point/Sven Sonntag/Poolfoto

PSG blieb dran und wurde belohnt: Nach Foul von Konrad Laimer an Neymar trat der Brasilianer den Freistoß aus halblinker Position selbst. Der hochsteigende Landsmann Marquinhos wurde nicht gedeckt und köpfte frei ein - 0:1 (13.).

Leipzig zeigte nur selten, wie schnell man den Gegner in Schwierigkeiten bringen kann. Der mitgelaufene Yussuf Poulsen konnte im Strafraum nach starkem Laimer-Solo jedoch keinen ordentlichen Schuss zustande bekommen und zielte daneben (25.).

Paris war unbestritten das bessere, das abgezocktere und eben auch fehlerfreiere Team. In der 42. Minute zeigte sich das wieder, als der sonst so sichere Gulácsi einen bitterbösen Fehlpass spielte, Neymar traumhaft ablegte und di María den Ball in den Kasten streichelte - 0:2 (42.). Halbzeit. 

Offensiver Doppelwechsel zur Halbzeit - Juan Bernat begräbt Leipzigs Finalträume

Freud und Leid so nah: Nach Péter Gulácsis (l.) Fehlpass landete der Ball bei Ángel di María (r.), der zum 2:0 traf.
Freud und Leid so nah: Nach Péter Gulácsis (l.) Fehlpass landete der Ball bei Ángel di María (r.), der zum 2:0 traf.  © Picture Point/Sven Sonntag/Poolfoto

Nagelsmann reagierte zum zweiten Durchgang mit einem personellen Doppelwechsel: Für Olmo und Nkunku war der Abend vorüber, Emil Forsberg und Patrik Schick durften ran.

Leipzigs Offensivbemühungen wurden immer sichtbarer, auch Kevin Kampl entwickelte sich mehr und mehr zum Mittelfeldantreiber. Zunächst sprang aber nur ein zu hoher Forsberg-Distanzschuss heraus (52.). 

Der Gegner der Roten Bullen war aber teilweise einfach gedankenschneller. Nach einem vermeintlichen Foul an Mukiele blieb der Franzose gestikulierend an der Torauslinie liegen. Kuipers ließ weiterlaufen, eine Flanke flog ins Zentrum, dort stand Juan Bernat frei und traf per Kopf - Gulácsi war dran, konnte den Einschlag aber nicht verhindern - 0:3 (56.). Das Tor wurde überprüft - und gegeben.

Tuchels Elf nahm das Tempo etwas raus, hatte aber Chancen auf weitere Tore. Die rot-weißen Bemühungen waren im Ansatz erkennbar, blieben aber allesamt unbelohnt. 

RB flog letztlich deutlich aus der Königsklasse und hat doch so viel mehr erreicht, als Fußball-Europa der jungen Truppe (vor allem ohne Timo Werner) zugetraut hatte. 

Trauer, Entsetzen, Niedergeschlagenheit bei Fans von RB Leipzig beim Public Viewing in Sachsen.
Trauer, Entsetzen, Niedergeschlagenheit bei Fans von RB Leipzig beim Public Viewing in Sachsen.  © Sebastian Willnow/dpa-Zentralbild/dpa
Der Henkelpott wird am Sonntagabend in den Lissabonner Nachthimmel gereckt - jedoch nicht von RB Leipzig.
Der Henkelpott wird am Sonntagabend in den Lissabonner Nachthimmel gereckt - jedoch nicht von RB Leipzig.  © David Ramos/Pool Getty/AP/dpa

Der RB-Tross wird sicher geknickt, darf aber dennoch absolut stolz die Rückreise nach Leipzig antreten. Am Cottaweg wird sich jetzt auf das erste Pflichtspiel der Saison 2020/21 im DFB-Pokal beim 1. FC Nürnberg (zweites September-Wochenende) vorbereitet. 

Titelfoto: Bildmontage: Manu Fernandez/AP Pool/dpa, Picture Point/Sven Sonntag/Poolfoto

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