120-Minuten-Krimi im DFB-Pokal! RB Leipzig eliminiert Bremen und steht im Finale

Bremen - Berlin, Berlin, RB Leipzig fährt nach Berlin! Die Sachsen zogen durch einen hart erkämpften 2:1 (1:1; 0:0)-Fight nach Verlängerung beim Krisenklub SV Werder Bremen als erstes Team ins DFB-Pokal-Finale ein. Es ist nach 2019 das zweite Mal, dass es die Roten Bullen bis ins Endspiel geschafft haben. Dem Premieren-Titel sind sie nun ein ganzes Stück nähergekommen.

Riesendusel für RB Leipzig: Werder Bremens Josh Sargent (l.) schießt aus Nahdistanz und vor allem aus dem Nichts knapp am Kasten von Peter Gulacsi (M.) vorbei.
Riesendusel für RB Leipzig: Werder Bremens Josh Sargent (l.) schießt aus Nahdistanz und vor allem aus dem Nichts knapp am Kasten von Peter Gulacsi (M.) vorbei.  © picture point/Sven Sonntag

Hee-chan Hwang erzielte in der 93. Minute das 1:0 für RB Leipzig, Leonardo Bittencourt glich im leeren wohninvest-Weserstadion aus (1:1/105.+1) und Emil Forsberg traf zum Sieg (2:1/120.+1).

Bremens angezählter Cheftrainer Florian Kohfeldt wechselte sein Team nach der siebten Pleite in Folge, dem 1:3 beim 1. FC Union Berlin, auf drei Positionen: Milos Veljkovic, Jean Manuel Mbom und Davie Selke ersetzten die verletzten Marco Friedl und Milot Rashica sowie Kevin Möhwald (Bank).

Leipzigs scheidender Coach Julian Nagelsmann brachte nach dem 2:0-Sieg gegen den VfB Stuttgart ebenfalls ein neues Trio: Dayot Upamecano, Nordi Mukiele und Marcel Sabitzer verdrängten Lukas Klostermann, Tyler Adams und Christopher Nkunku auf die Bank.

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Der Tabellenzweite der Bundesliga machte von Beginn weg Druck, schob die Grün-Weißen in die gegnerische Hälfte, drückte auf die Führung. Die hatte Alexander Sörloth nach einer sehenswerten Außenrist-Flanke vom linken Flügel auf dem Kopf, scheiterte aber an Jiri Pavlenka, der rechtzeitig unten war und ganz stark parierte (4.).

Am 60. Geburtstag von Werder-Ikone Thomas Schaaf, der Kohfeldt möglicherweise beerben könnte, kamen die Gastgeber kaum zu entlastenden Situationen. Das Leipziger 1:0 lag mehr und mehr in der Luft.

Startelf des SV Werder Bremen im DFB-Pokal-Halbfinale gegen RB Leipzig

So ging RB Leipzig in das Pokalmatch beim SV Werder Bremen

Josh Sargent hat das 1:0 für Werder Bremen auf dem Fuß, Davie Selke bekommt seinen Elfmeter nicht

Kampfbetont ging es im ersten Durchgang zu, hier grätscht Ludwig Augustinsson (r.) Leipzigs Amadou Haidara den Ball vom Fuß.
Kampfbetont ging es im ersten Durchgang zu, hier grätscht Ludwig Augustinsson (r.) Leipzigs Amadou Haidara den Ball vom Fuß.  © picture point/Sven Sonntag

Bis auf ein Schüsschen von Josh Sargent in der 5. Minute ging offensiv nichts bei den Bremern.

Wie selbstverständlich spulte der komplett in Rot spielende Gast Angriff für Angriff ab, ohne jedoch den entscheidenden Abschluss zu finden.

Es war ein äußerst kampfbetontes, wenn auch nicht ebenbürtiges Duell an der Weser, in dem der SVW spielerisch nichts zustande brachte.

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Bis zur 30. Minute! Selke verlängerte einen stupiden lang getretenen Veljkovic-Ball, Upamecano rutschte im Laufduell mit Sargent weg, doch der US-Amerikaner schob das Leder im Sechzehner knapp am Kasten von Peter Gulacsi vorbei. Eine Großchance aus dem Nichts. Und Glück für RB.

Eigentlich bis dahin kaum vorstellbar, wirkte diese Möglichkeit für die Werderaner ziemlich befreiend. Einsatz, Mut und Ideen wurden mehr.

Wie es sich für ein Pokalspiel gehört, durfte auch eine Rudelbildung nicht fehlen. Nach einem Foul an Amadou Haidara war das Geschrei groß, vor allem nach dem offenbar ungewollten Angelino-Tritt auf Mboms Fuß, der theatralisch zu Boden ging (40.).

Noch aufregender wurde es kurz vor dem Halbzeitpfiff. Kevin Kampl chippte einen im Bremer Strafraum gewonnenen Ball raus, der freiliegenden Kugel rannten Mukiele und Selke nach. Letzterer fädelte mehr oder weniger geschickt beim Franzosen ein, fiel hin, Manuel Gräfe pfiff Elfer. Nach langem Monitorcheck nahm er seine Entscheidung aber zurecht zurück (45.+1).

Viele, viele Wiederholungen und Slowmos später nahm Manuel Gräfe in seiner letzten Schiedsrichter-Saison den zunächst gepfiffenen Elfmeter zugunsten des SVW zurück.
Viele, viele Wiederholungen und Slowmos später nahm Manuel Gräfe in seiner letzten Schiedsrichter-Saison den zunächst gepfiffenen Elfmeter zugunsten des SVW zurück.  © picture point/Sven Sonntag

Willi Orban nur an die Unterkante, Yussuf Poulsen hat den Finaleinzug auf dem Kopf

Heikle Situation für Werder: Nachdem Willi Orban an die Latte geköpft hat, klärt Jean Manuel Mbom (l., Nr. 34) vor Nordi Mukiele (davor).
Heikle Situation für Werder: Nachdem Willi Orban an die Latte geköpft hat, klärt Jean Manuel Mbom (l., Nr. 34) vor Nordi Mukiele (davor).  © picture point/Sven Sonntag

Durchgang zwei begann synchron zum ersten. RB war dominant, drängte Werder hinten rein, fand aber eben auch die entscheidende Lücke nicht.

Mukiele fand mal eine, seiner strammer Schuss nach Kampl-Vorlage aus spitzem Winkel knallte aber nur an den langen Pfosten. Wäre aber auch Abseits gewesen (52.).

Nach einer knappen Stunde wurschtelte sich Dani Olmo mal durchs Zentrum und wurde erst kurz vor der Box regelwidrig zu Fall gebracht. Den fälligen Freistoß setzte Angelino aber drüber (59.).

Eine Ecke war es, die für eine der besten Gelegenheiten der Bullen führte: Nkunku brachte die Flanke rein, Willi Orban köpfte nur an die Unterkante der Latte, Mbom rettete schließlich vor Mukiele (65.).

Kohfeldts Jungs machten hinten dennoch größtenteils dicht, aus dem Spiel heraus sollte es erst in der 78. Minute wieder heiß werden: Nkunku mit dem Außenrist-Schuss aus acht Metern, doch Niklas Moisanders Fußspitze, Pavlenkas Finger und der Pfosten verhinderten das 1:0 für RB (78.).

Joker Yussuf Poulsen vergab dann die letzte Möglichkeit in der regulären Spielzeit, köpfte nach abermaliger Angelino-Hereingabe zu zentral, Pavlenka verhinderte das Pokalaus (90.+4). Es ging in die Verlängerung.

Dass RB Leipzig in die Verlängerung musste, schmeckte Trainer Julian Nagelsmann gar nicht.
Dass RB Leipzig in die Verlängerung musste, schmeckte Trainer Julian Nagelsmann gar nicht.  © picture point/Sven Sonntag

RB Leipzigs Joker Hee-chan Hwang schiebt zur Führung ein, Leonardo Bittencourt nutzt Upamecano-Aussetzer, Emil Forsberg mit dem Finaltor!

Da ist das Ding! Der eingewechselte Hee-chan Hwang (l.) schiebt den Ball an Jiri Pavlenka (r.) vorbei zum 1:0 für RB Leipzig ins Tor.
Da ist das Ding! Der eingewechselte Hee-chan Hwang (l.) schiebt den Ball an Jiri Pavlenka (r.) vorbei zum 1:0 für RB Leipzig ins Tor.  © picture point/Sven Sonntag

Lange sollte es nicht dauern, bis die Roten Bullen zur Erlösung kamen. Vom rechten Flügel wurde 20 Meter vor dem gegnerischen Strafraum der Ball Station um Station weitergegeben.

Kampl spielte letztlich in die Box auf Poulsen, der ablegte für Hwang und der Südkoreaner konnte flach an Pavlenka vorbeischieben - 1:0 RB (93.). Das dritte Pokaltor für Hwang, der in der Bundesliga weder Tor noch Vorlage beisteuerte.

Doch kurz vor der Halbzeit der Verlängerung schlug es auf der Gegenseite ein: Upamecano legte bei einer Rettungsaktion unfreiwillig für Bittencourt vor. Der gebürtige Leipziger legte die Kugel an Gulacsi vorbei und hob sie in die Maschen - 1:1 (105.+1).

Es war ein Pokalfight par excellence! In der 109. Minute lief ein Angriff über links, das Spielgerät landete bei Mukiele, dessen Schuss verunglückte, Poulsen kam aber frei zum Kopfball, zielte jedoch über die Latte.

Und Emil Forsberg sorgte mit seinem Treffer in der 120.+1 Minute vor den Siegtreffer für die Roten Bullen: Kampl hob den Ball zunächst in den Sechzehner zu Hwang, der per Kopf auf Forsberg ablegte. Der Schwede traf sehenswert gegen die Laufrichtung von Pavlenka zum 2:1 - Was ein Fight!

Emil Forsberg erzielte das dritte Jokertor des Abends und hievte die Sachsen ins Pokalfinale.
Emil Forsberg erzielte das dritte Jokertor des Abends und hievte die Sachsen ins Pokalfinale.  © picture point/Sven Sonntag
Der Siegtorschütze Emil Forsberg (M.) umringt von Nordi Mukiele (l.) und Ibrahima Konaté.
Der Siegtorschütze Emil Forsberg (M.) umringt von Nordi Mukiele (l.) und Ibrahima Konaté.  © picture point/Sven Sonntag

Leipzigs Gegner im Finale (13. Mai, 20.45 Uhr) wird am morgigen Samstag (20.30 Uhr/ARD & Sky) zwischen Borussia Dortmund und Zweitligist Holstein Kiel ermittelt. Für RB geht es jetzt aber erstmal mit dem Auswärtsspiel beim BVB nächsten Samstag (15.30 Uhr/Sky) weiter, Werder empfängt zeitgleich Bayer 04 Leverkusen.

Titelfoto: picture point/Sven Sonntag

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