Comeback des RB-Leipzig-Musterprofis: Orban kämpft sich stark zurück

Leipzig - Willi Orban (27) war bei RB Leipzig lange gesetzt. Dann verletzte sich der Abwehrspieler schwer und verlor sein Kapitänsamt. Nun ist der ungarische Nationalspieler zurück.

Leipzigs Willi Orban jubelt nach seinem Treffer zum 3:0 gegen Schalke 04. Das Tor war die Krönung einer starken Leistung.
Leipzigs Willi Orban jubelt nach seinem Treffer zum 3:0 gegen Schalke 04. Das Tor war die Krönung einer starken Leistung.  © Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa

Reha, Ersatzbank, Startelf, Tor - und als Krönung möglicherweise die EM-Qualifikation: Willi Orban erlebt gerade aus der ersten Reihe, wie schnelllebig und wirr das Fußball-Geschäft sein kann. 

Vor gut einer Woche hatte sich beim Profi von RB Leipzig eine Menge Frust angestaut, sogar Wechsel-Gerüchte machten die Runde. Als Kapitän war er abgewählt und sportlich nur noch zweite Wahl. Doch dann drehte sich sein Schicksal um 180 Grad.

"Ich bin unglaublich zufrieden mit Willi. Er ist ein Vorzeigeprofi", sagte Trainer Julian Nagelsmann. Der hatte seinen einstigen Abwehrchef beim 4:0 gegen Schalke erstmals seit Oktober 2019 wieder in die Startelf beordert. 

Orban dankte es ihm mit einer starken Leistung samt Kopfballtor. "Es hat ja lange genug gedauert", meinte Orban später über seine Leidenszeit.

Die hatte am 30. Oktober vergangenen Jahres in Wolfsburg begonnen. Beim famosen 6:1 im DFB-Pokal war Orban der Pechvogel, musste nach 26 Minuten mit einer Knieverletzung vom Platz. 

Aus anfangs prognostizierten drei Wochen Pause wurden nach einer Operation sieben Monate. Orban kämpfte sich durch die Reha, kam nach der Corona-Zwangspause noch auf ein paar Kurzeinsätze.

In der neuen Saison sollte alles besser werden. Doch der 27-Jährige fand sich zunächst nur auf der Bank wieder. Ein klärendes Gespräch mit Nagelsmann folgte. "Willi weiß natürlich, dass andere auf seiner Position gute Leistungen gebracht haben", sagte Nagelsmann und meinte damit keinen geringeren als Nationalspieler Lukas Klostermann. 

"Aber er gibt immer Gas, verkriecht sich nicht. Er ist reflektiert und macht keinen Stunk. Seinen Platz hat er ja nicht wegen seiner Leistungen, sondern wegen der Verletzung verloren."

Schalke-Spiel die Wende

Nach seiner Verletzung ackerte Orban hart, um sich zurück ins Team zu kämpfen.
Nach seiner Verletzung ackerte Orban hart, um sich zurück ins Team zu kämpfen.  © Thomas Eisenhuth/RB Leipzig/dpa

Nicht nur seinen Platz musste Orban abgeben, sondern auch die Binde. Die Mannschaft wählte in Marcel Sabitzer einen neuen Kapitän, Peter Gulacsi und Yussuf Poulsen wurden die Stellvertreter. Für Orban blieb gerade so ein Mitspracherecht im Mannschaftsrat. 

Und dann holte RB in der vergangenen Woche auch noch den erst 18 Jahre alten Verteidiger Josko Gvardiol. Der Kroate kommt zwar erst im nächsten Jahr, doch für Orban bedeutete dies dennoch neue Konkurrenz.

Dann kam Schalke. Orban war wieder gefragt und sofort auf dem alten Niveau. Für Nagelsmann bedeutet dies, nach der Länderspielpause eine schwere Entscheidung treffen zu müssen. Denn ein Argument, Orban wieder auf die Bank zu setzen, gibt es derzeit nicht.

Doch darüber wird sich der Innenverteidiger momentan keine Gedanken machen. Nach dem Spiel flog er nach Budapest zur ungarischen Nationalmannschaft. 

An diesem Donnerstag geht es im Playoff-Halbfinale in Bulgarien um die EM-Qualifikation. Gewinnt Ungarn, wartet im Finale Island oder Rumänien. 

Und beim Turnier würde Orban dann in der Gruppenphase auf Deutschland treffen: "Ich freue mich sehr, dass ich diese Chance habe. Mit der EM würde ein Traum in Erfüllung gehen."

Titelfoto: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa

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