Sportdirektor, Corona-Ärger, Silva: An diesen Baustellen muss RB Leipzig arbeiten

Leipzig - Zwei Niederlagen in der Bundesliga nacheinander, die Bayern und Dortmund außer Reichweite, nur Platz acht: Vizemeister RB Leipzig taumelt mehr oder weniger durch die Saison. Das größte Problem ist offensichtlich die mangelnde Konstanz in den Leistungen. Doch die Baustellen im Klub sind zahlreicher und größtenteils hausgemacht.

RB-Boss Oliver Mintzlaff (46) scheint nach Monaten immer noch auf der Suche nach einem neuen Sportdirektor zu sein.
RB-Boss Oliver Mintzlaff (46) scheint nach Monaten immer noch auf der Suche nach einem neuen Sportdirektor zu sein.  © PICTURE POINT / S. Sonntag

Sportdirektor

Seit Monaten sucht der Klub einen Nachfolger von Markus Krösche (41). Mal ist man laut Klub-Boss Oliver Mintzlaff (46) in "sehr konkreten Gesprächen", mal hat man seinen Wunschkandidaten, mal soll der neue Mann am 1. Januar, mal irgendwann zwischen Januar und Juni beginnen.

Der Sportdirektor soll bei RB das Gesicht des Klubs nach außen sein, soll Druck von Trainer und Mannschaft nehmen. So einen Mann bräuchte man in dieser Phase. Florian Scholz (42) und Christopher Vivell (34), die die Krösche-Aufgaben übernommen haben, sind mit dem Job möglicherweise überfordert.

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Schwankungen

Chefetage, Trainer und Spieler stehen vor dem Rätsel, woher das Auf und Ab in den Leistungen kommt. Nach den Spielen in Paris, gegen Dortmund und in Brügge hoffte man auf eine Initialzündung, die allerdings verpuffte. Bis zur Winterpause will man auf 30 Punkte kommen. Das gelingt allerdings nur noch, wenn man die verbleibenden vier Spiele gewinnt.

Dafür müsste es schon am Freitag bei Union Berlin eine Saison-Premiere geben und Leipzig müsste ein Auswärtsspiel in der Liga gewinnen.

Wichtige RB-Spieler wurden verkauft, die Neuen sind noch lange nicht bei 100 Prozent

Für Verteidiger Josko Gvardiol (19, l.) läuft es deutlich besser als für André Silva (26): Der 23-Millionen-Stürmer scheint immer noch nicht so recht im RB-System angekommen zu sein.
Für Verteidiger Josko Gvardiol (19, l.) läuft es deutlich besser als für André Silva (26): Der 23-Millionen-Stürmer scheint immer noch nicht so recht im RB-System angekommen zu sein.  © Bildmontage / PICTURE POINT / Roger Petzsche / Uwe Anspach/dpa

Krisenfestigkeit

Kevin Kampl (31) brachte es nach dem enttäuschenden 1:3 gegen Leverkusen auf den Punkt. "Die letzten Jahre ging es immer steil bergauf, doch es kann auch mal eine Saison dabei sein, wo es nicht läuft und man für alles kämpfen muss", sagte der Vize-Kapitän.

An diesem Punkt ist RB gerade und die Krisenfestigkeit lässt durchaus zu wünschen übrig. Echte Anführer hat man wenige im Team. Kapitän Marcel Sabitzer (27) wurde an die Bayern verkauft, Yussuf Poulsen (27) und Willi Orban (29) fallen aktuell aus, Konrad Laimer (24) kommt erst langsam in Form.

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Transfers

Wenn der Preis stimmt, wird verkauft. Schließlich gibt es genug Talente. Dieses Geschäftsmodell fällt Vorstandschef Oliver Mintzlaff gerade auf die Füße. Denn die Abgänge der Innenverteidiger Dayot Upamecano (23) und Ibrahima Konaté (22) sowie von Sabitzer sind bisher schlicht nicht zu kompensieren.

Von den Neuzugängen besticht einzig Kroatiens Nationalverteidiger Josko Gvardiol (19) durch starke Leistungen. Größter Problemfall ist der für 23 Millionen Euro verpflichtete Angreifer André Silva (26), dem ganz oft die Bindung zum Spiel fehlt.

Corona-Alarm und große Enttäuschung bei RB Leipzig

Alle drei sind noch immer in Corona-Quarantäne: Yussuf Poulsen (27), Jesse Marsch (48) und Peter Gulacsi (31, v.l.n.r.).
Alle drei sind noch immer in Corona-Quarantäne: Yussuf Poulsen (27), Jesse Marsch (48) und Peter Gulacsi (31, v.l.n.r.).  © Bildmontage / PICTURE POINT / S. Sonntag / PICTURE POINT / Roger Petzsche / Uwe Anspach/dpa

Corona-Management

In der vergangenen Woche sorgte Leipzig dann auch noch durch seinen Umgang mit dem Thema Corona für Aufregung. Nach den positiven Fällen von Trainer Jesse Marsch (48) und Kapitän Peter Gulacsi (31) teilte man stolz mit, dass es im Klub eine 2G-Quote von 100 Prozent gebe.

Doch statt unnötige Kontakte strikt zu unterbinden, nahm man den verletzten Stürmer Yussuf Poulsen zum Anfeuern mit nach Brügge. Am Tag der Rückkehr wurde der Däne schließlich positiv getestet.

Demontagen

Zwei Minuten vor der Halbzeit gegen Leverkusen wurde der ohnehin holprig gestartete Neuzugang Brian Brobbey (19) ausgewechselt. Eine Demütigung für den 19-Jährigen und nach Meinung vieler Beobachter völlig unnötig.

Trainer Marsch hatte die Entscheidung vor dem Bildschirm in seiner Wohnung gefällt und ins Stadion an seinen Vertreter Achim Beierlorzer (54) übermittelt. "Wenn der Trainer das Gefühl hat, er muss reagieren, dann muss der Spieler das akzeptieren", sagte Beierlorzer.

Vor einigen Wochen hatte Marsch bereits den für 15 Millionen Euro gekauften Benjamin Henrichs (24) öffentlich angezählt, als er meinte, er wisse gar nicht, was dessen Qualitäten seien.

Titelfoto: Bildmontage / Uwe Anspach/dpa

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