SC Freiburg: Zu was ist Streichs eingespielte Truppe fähig?

Freiburg - Kontinuität ist das Stichwort! Im Kader des SC Freiburg gab es nach einer starken Bundesliga-Saison 2020/21, in der man auf Platz zehn abschloss, kaum entscheidende Veränderungen. Alle Leistungsträger sind an Bord geblieben und wollen unter der Führung von Kult-Trainer Christian Streich (56) den erneuten Klassenerhalt so früh wie möglich unter Dach und Fach bringen.

Der SC Freiburg hat bislang keinen Top-Transfer

"Der Eindruck der Mannschaft ist gut, okay, alles in Ordnung", so ein genügsamer Streich darauf angesprochen, was er von seinem derzeitigen Kader hält, der Stand heute im Vergleich zur Vorsaison im Wesentlichen quasi unverändert ist. Die gelassene Reaktion des Trainers ist völlig nachvollziehbar, zeigten doch genau diese Kicker teilweise absolut herausragende Leistungen wie etwa beim 2:1-Sieg über Borussia Dortmund.

Einen Top-Transfer tätigten die Breisgauer bislang nicht, doch es kann durchaus sein, dass sich bis zum Ende des Transferfensters noch etwas tut. "Wir müssen schauen, was noch passiert, in die eine oder andere Richtung", sagte Streich.

Ein Stürmer könnte eventuell noch kommen.

Coach Christian Streich (56) ist mit dem derzeitigen Kader des SC Freiburg zufrieden.
Coach Christian Streich (56) ist mit dem derzeitigen Kader des SC Freiburg zufrieden.  © Jonas Güttler/dpa

U21-Europameister Nico Schlotterbeck zurück beim SC Freiburg

Einen klassischen Neuzugang hat der SC Freiburg bisher nicht zu verzeichnen. Von allen zurückgekehrten ausgeliehenen Spielern ist Stand heute nur noch U21-Europameister Nico Schlotterbeck (21) da, der einen Verbleib im Schwarzwald jedoch offen ließ und ein Bekenntnis vermied.

"Ich schließe nichts aus", sagte der Innenverteidiger gegenüber dem SWR. "Ich habe jetzt eine gute EM gespielt und letztes Jahr in der Rückrunde ein paar gute Spiele gemacht. Ich muss jetzt einfach schauen, was der nächste Schritt für mich ist."

Ansonsten zog der SC Freiburg Torhüter Noah Atubolu (19), die Verteidiger Kimberly Ezekwem (20) und Kiliann Sildillia (19), die Mittelfeldspieler Noah Weißhaupt (19) und Kevin Schade (19) sowie den Mittelstürmer Nishan Burkart (21) aus der zweiten Mannschaft in den A-Kader nach oben.

U21-Europameister Nico Schlotterbeck (21, r.) kehrte nach seiner Leihe zu Union Berlin zum SC Freiburg zurück. Der Innenverteidiger könnte den Verein aber möglicherweise noch vor Ende des Transferfensters verlassen.
U21-Europameister Nico Schlotterbeck (21, r.) kehrte nach seiner Leihe zu Union Berlin zum SC Freiburg zurück. Der Innenverteidiger könnte den Verein aber möglicherweise noch vor Ende des Transferfensters verlassen.  © Daniel Karmann/dpa

Florian Müller, Chang-hoon Kwon und Amir Abrashi sind die Abgänge des SC Freiburg

Was die Abgänge betrifft, so wiegt der Verlust von Stammkeeper Florian Müller (23) mit Sicherheit am schwersten. Der vom 1. FSV Mainz 05 ausgeliehene 23-Jährige galt als sicherer Rückhalt und ist nun die neue Nummer eins beim Ligakonkurrenten VfB Stuttgart, der Müller als Nachfolger von Gregor Kobel (23, Borussia Dortmund) verpflichtete.

Mit Chang-hoon Kwon (27) verlor der SCF einen Spieler, den Streich gerne von der Bank brachte. In der vergangenen Saison fiel der rechte Flügelstürmer jedoch erst wegen Corona und dann aufgrund einer Knieverletzung lange aus; er kam so nur auf elf Kurzeinsätze. Nachdem Kwons Vertrag bei den Badenern im Sommer auslief, wechselte er ablösefrei zu den Suwon Samsung Bluewings in seine südkoreanische Heimat.

Ebenfalls in sein Heimatland ging es für Amir Abrashi (31) zurück. Der defensive Mittelfeldmann kehrt nach sechs Jahren und 98 Pfichtspielen im Südwesten Baden-Württembergs zum Schweizer Klub Grasshopper Zürich zurück, von dem er 2015 ablösefrei zum SC Freiburg kam.

Darüber hinaus trennten sich die Breisgauer endgültig vom australischen Nationalspieler Brandon Borrello (25). Der Offensivmann war bereits in der vergangenen Saison zu Fortuna Düsseldorf ausgeliehen und wurde im Juli an Zweitliga-Aufsteiger Dynamo Dresden verkauft.

Außerdem verpflichtete Drittligist 1. FC Magdeburg Linksaußen Florian Kath (26) fest, nachdem dieser in der vergangenen Saison bereits nach Sachsen-Anhalt ausgeliehen war. Zweitligist SV Sandhausen sicherte sich die Dienste von Linksverteidiger Chima Okoroji (24).

Torhüter Niclas Thiede (22) wird für ein Jahr an den SC Verl ausgeliehen. Der 1. FC Nürnberg borgt sich den zentralen Mittelfeldspieler Lino Tempelmann (22). Sechser Patrick Kammerbauer (24) muss vorerst für die zweite Freiburger Mannschaft in der 3. Liga ran.

Bis zum Ende des Transferfensters gilt es als sehr wahrscheinlich, dass einer der aktuell fünf Innenverteidiger den Klub noch verlässt. "Wenn man auf einer Position viele Spieler hat, dann kann es natürlich passieren, dass man nicht jeden berücksichtigen kann", sagte Streich.

Torhüter Florian Müller (23) war in der vergangenen Saison vom 1. FSV Mainz 05 ausgeliehen und zeigte starke Leistungen im Kasten der Freiburger.
Torhüter Florian Müller (23) war in der vergangenen Saison vom 1. FSV Mainz 05 ausgeliehen und zeigte starke Leistungen im Kasten der Freiburger.  © Tom Weller/dpa

Vorbereitung und Form des SC Freiburg: Solide Testspiel-Auftritte, mühevoller Auftakt im DFB-Pokal

"Ich sage eigentlich jedes Jahr: Es ist okay, wenn nichts Außergewöhnliches passiert ist." Das antwortete der ewige Freiburger Chefcoach auf die Frage, wie er den Zustand seiner Mannschaft nach der Vorbereitung beurteilt.

Und in der Tat, einen großen Grund zur Aufregung oder gar Sorge gab es in den Freundschaftsspielen nicht. Einem 2:1-Erfolg gegen den Drittligisten 1. FC Saarbrücken folgte ein 0:0 gegen den starken Bundesliga-Konkurrenten Bayer 04 Leverkusen. Zum Abschluss der Vorbereitung gewann der SCF dann noch mit 2:1 gegen den französischen Erstligisten Racing Straßburg, weshalb man guten Gewissens in den Pflichtspiel-Auftakt im DFB-Pokal gegen die Würzburger Kickers gehen konnte.

Dort mühte sich die Streich-Truppe zu einem 1:0-Sieg gegen den mutig aufspielenden Drittligisten. Jonathan Schmid (31) erzielte in der 45. Minute den entscheidenden Treffer. Wenngleich Freiburg glanzlos spielte, ging das Ergebnis in Ordnung.

Allerdings ließ Streich noch einige seiner besten Startelf-Optionen wie die Stürmer Roland Sallai (24) und Ermedin Demirovic (23) auf der Bank, was in der ersten Bundesliga-Partie gegen Arminia Bielefeld mit Sicherheit nicht der Fall sein wird.

Die Spieler des SC Freiburg jubeln nach dem 1:0-Sieg im DFB-Pokal gegen die Würzburger Kickers in der Flyeralarm Arena.
Die Spieler des SC Freiburg jubeln nach dem 1:0-Sieg im DFB-Pokal gegen die Würzburger Kickers in der Flyeralarm Arena.  © Daniel Karmann/dpa

TAG24-Prognose zum SC Freiburg: Christian Streich coacht seine Mannschaft erneut zum Klassenerhalt

Der SC Freiburg ist wahrscheinlich so gut eingespielt wie kaum ein anderer Verein in der Bundesliga. Diese gut geölte Maschine hat definitiv das Potenzial, die Klasse erneut zu halten und wenn wirklich alles (!) optimal läuft sogar um die Conference-League-Plätze mitzuspielen.

Coach Streich hat in der Vergangenheit ein ums andere Mal bewiesen, dass er das Maximale aus seiner Mannschaft herausquetschen kann. Er gibt mit seiner emotionalen Art die Marschroute vor und ist zugleich bei den Spielern für seine fürsorgliche Art extrem beliebt - von Problemen mit der Teamchemie hört man im Breisgau unter seiner Regie nichts.

Freiburgs Kapitän und Neu-Nationalspieler Christian Günter (28), der sich in der stärksten Phase seiner Karriere befindet, agiert als Streichs verlängerter Arm auf dem Platz und geht als echter Leader voran. Das Offensivquartett um Vincenzo Grifo (28), Nils Petersen (32), Roland Sallai und Ermedin Demirovic (23) ist immer für Tore gut.

Titelfoto: Daniel Karmann/dpa

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