Das Dynamo-Jahr 2020: Zusammenhalt, Derbysieger, dann kam Corona

Dresden - Freud und Leid lagen bei Dynamo im Jahr 2020 dicht nebeneinander. Im Sommer musste der Verein nach vier Jahren 2. Bundesliga den bitteren Gang in die Drittklassigkeit antreten, eine SGD-Legende verließ den Klub und auch die Coronavirus-Pandemie machte keinen Bogen um die Lennéstraße in Dresden. TAG24 wirft einen Blick zurück auf die vergangenen zwölf Monate.

"Wir. Zusammen. Jetzt."

Mit mageren 13 Punkten aus 18 Spielen startet Dynamo zu Jahresbeginn in das Abenteuer Klassenerhalt. Neuzugänge wie der erfahrene Josef Husbauer (30) oder der pfeilschnelle Godsway Donyoh (26) mit seiner auffälligen Haarpracht sollen die Qualität der Mannschaft sofort erhöhen.

Die aktive Fan-Szene und der Verein zeigen unter dem Motto "Wir.Zusammen.Jetzt." Flagge für die Aufholjagd. Um den Worten Taten sprechen zu lassen, besuchen die Anhänger das Dynamo-Training vor dem Karlsruhe-Spiel und stimmen das Team mit einer feurigen Pyro-Einlage auf drei Punkte ein. Die sichert sich die SGD dank des Tores von einem anderen "Neuen":

Marco Terrazzino knipst in Torjäger-Manier zum 1:0 und lässt den Funken Hoffnung bei den Fans, die zudem eine spektakuläre Choreo der Ultras in Anlehnung an die TV-Serie "Das A-Team" bestaunen dürfen, von besseren Zeiten träumen.

Das "D-Team" steht hinter Dynamo. Vor dem Heimspiel gegen den Karlsruher Sportclub zeigen die Dresdner Fans eine Choreografie in Anlehnung an eine RTL-Serie.
Das "D-Team" steht hinter Dynamo. Vor dem Heimspiel gegen den Karlsruher Sportclub zeigen die Dresdner Fans eine Choreografie in Anlehnung an eine RTL-Serie.  © Lutz Hentschel

Simon Makienoks völlig verkorkstes Dynamo-Debüt

Es folgt ein Auswärtspunkt in Heidenheim. Danach kommt das Heimspiel gegen Darmstadt Anfang Februar gerade recht. Denkste! Die Darmstädter treffen dreimal ins Dresdner Tor. Dazu wird den Gastgebern ein regulärer Ausgleichs-Treffer von Patrick Schmidt nach dem Einschalten des VAR aberkannt.

Die Wende herbeiführen soll Last-Minute-Neuzugang Simon Makienok. Dessen Debüt gerät jedoch in die Kategorie "dumm gelaufen". Der 2,01-Meter-Hüne sieht nur wenige Minuten nach seiner Einwechslung die Rote Karte von Schiedsrichter Michael Bacher, weil er mit gestrecktem Bein zum Ball geht und dabei Darmstadts Torhüter Marcel Schuhen trifft. Dynamo legt hinterher beim DFB-Sportgericht Einspruch ein, der jedoch zurückgewiesen wird.

Immerhin feiert die SGD beim 2:1 in Regensburg den ersten Auswärtssieg der Saison. Dort ist Makienok wieder spielberechtigt und erzielt das Siegtor.

Schiedsrichter Michael Bacher (links) zeigt Simon Makienok (rechts) im Heimspiel gegen den SV Darmstadt die Rote Karte.
Schiedsrichter Michael Bacher (links) zeigt Simon Makienok (rechts) im Heimspiel gegen den SV Darmstadt die Rote Karte.  © Lutz Hentschel

Derbysieg vor 30.000 - eine Woche später bleiben die Stadien leer

Mehr als 30.000 Fans wollen sich das Sachsen-Derby zwischen Dresden und Aue nicht entgehen lassen. Die Lila-Weißen landen an dem Tag den ersten Punch, gehen durch Jan Hochscheidt in Führung. Doch die Schwarz-Gelben kämpfen sich ins Spiel zurück. Noch vor der Pause gelingt Patrick Schmidt der Ausgleich. Aue hat es Torhüter Martin Männel zu verdanken, dass es mit einem Unentschieden in die Pause geht.

Nach dem Seitenwechsel gelingt abermals Schmidt das "Tor des Monats" März. Nach Flanke von links legt sich der Stürmer den Ball selbst in der Luft zu recht und trifft sehenswert per Fallrückzieher. Das volle Rudolf-Harbig-Stadion kocht. Gut eine Woche später ist an ausverkaufte Stadien in Deutschland nicht mehr zu denken...

Gemeinschaftlicher Torjubel. Dynamos Patrick Schmidt (Mitte) mit Siegergeste nach seinem Doppelpack.
Gemeinschaftlicher Torjubel. Dynamos Patrick Schmidt (Mitte) mit Siegergeste nach seinem Doppelpack.  © Lutz Hentschel

Wegen des Lockdowns ist im April in Deutschland an Fußball nicht zu denken

Zwei Siege in Folge und nun zum Zuschauen verdammt. Gerade als es bei der SGD läuft, funkt das Weltgeschehen dazwischen. Zum 67. Dynamo-Geburtstag am 12. April 2020 gibt es diesmal kein Punktspiel. Wegen der Coronavirus-Pandemie entscheidet sich die Regierung in Deutschland für einen Lockdown, der auch vor dem Profi-Fußball nicht halt macht. Die Kicker müssen sich in diesem Jahr mit Jogging-Touren und Workouts fit halten. Mannschaftstraining darf nicht stattfinden.

Statt Zusammenfassungen aktueller Spiele laufen im Fernsehen Klassiker wie Dynamos Zweitliga-Aufstieg 2004. Erst im Folgemonat Mai wird von der DFL grünes Licht für die Fortsetzung des Spielbetriebs gegeben werden.

Verwaiste Zuschauerränge und leere Stadien sind im Frühjahr 2020 ein typisches Bild, das die Folgen des Lockdowns aufzeigt.
Verwaiste Zuschauerränge und leere Stadien sind im Frühjahr 2020 ein typisches Bild, das die Folgen des Lockdowns aufzeigt.  © Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

Re-Start mit Mammutprogramm

Am 17. Mai soll es für Dresden mit einem Auswärtsspiel gegen Hannover 96 eigentlich weitergehen, doch dann funkt der Corona-Alarm dazwischen. Zwei Spieler aus dem Kader werden positiv getestet. Das Gesundheitsamt schickt daraufhin das komplette Team und den Betreuerstab in Quarantäne.

Dynamo kann 14 Tage weder trainieren noch spielen. Die Bürde, zwei Wochen lang nur individuelles Profi-Training in den eigenen vier Wänden veranstalten zu können, wiegt in Kombination mit dem Mammut-Programm voller Englischer Wochen am Ende schwer. Erst am Pfingstsonntag (31. Mai) kann die SGD die Rückrunde fortsetzen, verliert daheim trotz ansprechender Leistung mit 0:2 gegen den VfB Stuttgart, der am Ende den Sprung ins Oberhaus schafft.

Darko Churlinov (nicht im Bild) trifft zum 2:0-Endstand.für Stuttgart. Kevin Broll (links) und seinen Mitspielern bleibt nur das Nachsehen.
Darko Churlinov (nicht im Bild) trifft zum 2:0-Endstand.für Stuttgart. Kevin Broll (links) und seinen Mitspielern bleibt nur das Nachsehen.  © Robert Michael/dpa-Pool/dpa

Der Abstieg

Vor dem Stadion wird Pyrotechnik gezündet. Die zahlreich erschienenen Dresdner Anhänger feiern trotz Abstieg.
Vor dem Stadion wird Pyrotechnik gezündet. Die zahlreich erschienenen Dresdner Anhänger feiern trotz Abstieg.  © Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa
Ralf Minge (schwarzes Hemd) bekommt einen gebührenden Abschied am letzten Spieltag. Viele der Dynamo-Profis tragen ihm zu Ehren Jeansjacken. Sportlicher Wermutstropfen: Die SGD verabschiedet sich mit einem 2:2 in Osnabrück aus der 2. Bundesliga.
Ralf Minge (schwarzes Hemd) bekommt einen gebührenden Abschied am letzten Spieltag. Viele der Dynamo-Profis tragen ihm zu Ehren Jeansjacken. Sportlicher Wermutstropfen: Die SGD verabschiedet sich mit einem 2:2 in Osnabrück aus der 2. Bundesliga.  © Robert Michael/dpa-Pool/dpa

Acht Partien verbleiben den Dresdnern, um den Klassenerhalt in Liga 2 doch noch unter Dach und Fach zu bringen. Doch außer einem Auswärtserfolg in Wiesbaden in letzter Minute gelingt Dynamo kein Sieg mehr.

Der Wettbewerbsnachteil der SGD durch die kürzere Vorbereitung ist in den Begegnungen sicht- und spürbar. Den Schwarz-Gelben fehlt die geistige und körperliche Frische. Nach dem 0:2 in Kiel entlädt sich der Frust bei den Schwarz-Gelben. Abwehrspieler Chris Löwe feuert Stühle umher, den Ball über das Stadiondach und verbal in Richtung Deutsche Fußball Liga.

Dafür zeigen die Fans bedingungslos Unterstützung, feiern nach dem 2:2 am letzten Spieltag gegen Osnabrück das Team, das alles gegeben hat und das sich in den kommenden Wochen in alle fußballerischen Himmelsrichtungen verstreuen wird. Nach dem Abstieg in die 3. Liga muss wieder einmal ein Neuaufbau her.

Im 2. Teil erfahrt Ihr am Mittwoch, was Dynamo in den Monaten Juli bis Dezember erlebt hat.

Titelfoto: Montage: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa / Lutz Hentschel

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