Dynamo-Coach Kauczinski über Trainerentlassungen in Liga 3: "Wir sind keine Sozialfälle"

Dresden - Thomas Hoßmang (54) und Alexander Schmidt (52) waren die Trainerwechsel sechs und sieben in dieser Saison in der 3. Liga. "Hossi" ging in Magdeburg von selbst, Schmidt wurde bei Türkgücü gegangen. Das zeigt wieder einmal, dass Trainerstühle von Beginn an nur drei Beine haben. Markus Kauczinski (50), der Coach von Dynamo Dresden, kennt sich aus mit solchen Situationen, beschwert sich darüber aber nicht.

Markus Kauczinski (50) hat die Gesetze des Profifußballs am eigenen Leib erfahren, verlor unter anderem einst bei St. Pauli seinen Trainerjob.
Markus Kauczinski (50) hat die Gesetze des Profifußballs am eigenen Leib erfahren, verlor unter anderem einst bei St. Pauli seinen Trainerjob.  © Lutz Hentschel

Über Hoßmang wurde schon gleich nach Saisonbeginn spekuliert, das war alles, aber keine Überraschung. Schmidt ist schwer nachzuvollziehen.

Mit dem Aufsteiger aus München stand er auf Platz sieben, seit dem 1:0 gegen Dresden gewann er allerdings fünf Spiele nicht und schwupp, weg war er! Anspruch und Wirklichkeit!

Für Kauczinski ist das nichts Neues, er musste einst in Ingolstadt und später bei St. Pauli gehen. Die Übungsleiter sind die Prügelknaben und unterschreiben bei einem Vertrag auch gleich ihren Rauswurf.

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"Ich glaube, das war schon immer so. Und wenn man diesen Beruf ausübt, weiß man, worauf man sich einlässt", sagt der Dynamo-Coach. Für ihn ist das immer traurig, wenn ein Kollege gehen muss, aber für Kauczinski gibt es Schlimmeres.

"Ganz ehrlich: Wir Trainer sind keine Sozialfälle. Es gibt deutlich schlimmere Umstände. Viele Menschen arbeiten und leben am Existenzminimum. Ich glaube, dass man sich dann über solche Umstände nicht beschweren darf", so der 50-Jährige.

Kauczinskis Kollege Alexander Schmidt (52, r.) musste bei Türkgücü gehen.
Kauczinskis Kollege Alexander Schmidt (52, r.) musste bei Türkgücü gehen.  © imago images/Fotostand

Markus Kauczinski ist schon der 22. Dynamo-Trainer seit dem Jahr 2000

Ex-Dynamo Thomas Hoßmang (54) warf beim 1. FC Magdeburg das Handtuch.
Ex-Dynamo Thomas Hoßmang (54) warf beim 1. FC Magdeburg das Handtuch.  © Picture Point/Gabor Krieg

Der SGD-Trainer fährt fort: "Wir haben einen privilegierten Job, der hat aber seinen Preis. Der Preis bedeutet, dass man den Kopf hinhält. Dafür wird man bezahlt, das ist ein Teil der Stellenbeschreibung."

Das gilt besonders für Dresden. Seit 2000 ist er der 22. Trainer (mit Interimslösungen). Er ist seit Dezember 2019 im Amt, 15 Monate also.

Damit liegt er unter allen Übungsleiter seit der Jahrtausendwende auf Rang fünf hinter Christoph Franke (53 Monate), Uwe Neuhaus (37), Ralf Loose (20) und Matthias Maucksch (17). Loose und Maucksch liegen in Reichweite.

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Kauczinski spielte mit Dynamo am Samstag in Magdeburg. Der 1:0-Sieg war für Hoßmang schlussendlich der Aufhänger zurückzutreten. "Ich habe solche Spiele schon auf beiden Seiten erlebt. Einmal war ich derjenige, der auf der Kippe stand, dann war ich derjenige, der gegen den Kollegen spielt, dem es so ergeht", sagt Kauczinski.

"Das gehört einfach dazu, das geht gar nicht anders. Man wird irgendwann mal an diesen Punkt kommen, wo es einen erwischt. Damit gehen alle Trainer ganz normal um."

Titelfoto: Lutz Hentschel

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