Dynamo-Keeper Broll oder Aue-Torwart Männel: Wer entscheidet das Sachsenderby?

Dresden/Aue - SG Dynamo oder FC Erzgebirge: Wer entscheidet das Sachsenderby für sich? Beantwortet wird diese Frage unweigerlich durch die beiden Männer zwischen den Pfosten. Martin Männel (FCE) ist ein ganz erfahrener Hase, spielt seine neunte Zweitligasaison. Sein Gegenüber, Kevin Broll (SGD), erlebt gleich in der Premieren-Saison eine Feuertaufe, die ihren Namen verdient. Sie sind die überragenden Akteure ihrer Teams.

Martin Männel ballt die Fäuste und bejubelt eine gelungene Parade im Sachsenderby 2017.
Martin Männel ballt die Fäuste und bejubelt eine gelungene Parade im Sachsenderby 2017.  © Picture Point/Roger Petzsche

Für Martin Männel ist es das 20. Derby! Da hat er seinem Gegenüber Kevin Broll einiges voraus. Dass Dynamo die Rote Laterne seit dem 15. Spieltag durchgängig sein Eigen nennt, liegt definitiv nicht am 24-Jährigen, findet Kontrahent Männel: "Was mir in allen Dynamo-Partien auffiel, und davon habe ich einige gesehen, ist, dass er in schwierigen Situationen die Übersicht behält und Ruhe bewahrt."

Was Broll für die SGD, ist Männel für den Kumpelverein. Dass Aue zum jetzigen Zeitpunkt bereits bei 34 Zählern steht, hat es auch seinem Rückhalt zu verdanken. Der 31-Jährige steht wie kein Zweiter für konstant gute Leistungen.

Ergo ist es wenig verwunderlich, dass ihn das Fußball-Fachblatt "Kicker" im Schnitt mit Note 2,58 bewertet. Das bedeutet Platz eins unter allen benoteten Akteuren. Während andere bei der Bewertung um jede Nachkommastelle feilschen würden, nur um einen Rang besser abzuschneiden, ficht es Männel überhaupt nicht an: 

"Was für mich zählt, ist, dass ich nach dem Spiel in den Spiegel schauen und zu mir sagen kann 'Du hast eine gute Leistung abgeliefert.' Im Vordergrund steht, dazu beizutragen, schnellstmöglich auf die 40 Punkte zu kommen."

Ein Sieg in Dresden vorausgesetzt und das Ziel wäre nächstes Wochenende mit einem Heimdreier gegen den SV Sandhausen erreicht. Männel grätscht dazwischen, treibt die Flausen mit einem eindringlichen Appell aus: "Ich erwarte ein hartes Derby, das brenzliger als sonst ist, da es für Dynamo schon um alles geht."

Dabei müsste gerade er mit allen (Derby-)Wassern gewaschen sein, schließlich ist es sein 20. Duell Aue versus Dynamo. "Trotzdem ist und bleibt es ein wahnsinniges Gefühl, in dieses Stadion einzulaufen, vor 30.000 Zuschauern, die mich wohl größtenteils nicht leiden können. Hoffentlich bleibt uns das auch nächste Saison erhalten."

Das sind starke Worte vom Kapitän der Mannschaft, die sie in Elbflorenz gerne als "lila Schwein" titulieren. Männel: "Ich würde mich freuen, wenn Dynamo nach dem Spiel gegen uns die Kurve kriegt und die Klasse hält. Wir brauchen dieses Derby. Dynamo, mit den Fans, dem Stadion, hat das Potenzial für Minimum 2. Liga!"

Dynamo-Torwart Kevin Broll ist einer der wichtigsten Männer für die Dresdner

In Aue kassierte Dynamo-Keeper Kevin Broll in der Hinrunde vier Stück, hier das 3:1 durch Pascal Testroet. Am Sonntag soll dagegen hinten die Null stehen.
In Aue kassierte Dynamo-Keeper Kevin Broll in der Hinrunde vier Stück, hier das 3:1 durch Pascal Testroet. Am Sonntag soll dagegen hinten die Null stehen.  © Picture Point/Roger Petzsche

Vielleicht hat Kevin Broll einen Vorteil gegenüber seinen Mitspielern, die schon länger da sind. Die haben zwar auch in den beiden Vorjahren lange gegen den Abstieg gespielt, aber nicht so extrem wie in dieser Saison. Der 24-Jährige kennt das aber aus vier Jahren in Großaspach bestens. Da stand er meist tief unten drin und rettete sich immer. Er hat sich ein dickes Fell angeeignet und geht daher mit einer gewissen Lockerheit um, die dafür dringend benötigt wird.

Viele sind sich einig. Ohne Broll hätte Dynamo keine Chance mehr. Allein seine Paraden auf St. Pauli und in Regensburg sorgten schlussendlich für vier Zähler. Nun will der Keeper auch im Derby glänzen. Nach dem Dreier beim SSV Jahn ist die Wahrscheinlichkeit größer geworden, auch gegen Aue etwas zu holen. Der Mut ist zurück. 

"Wahrscheinlichkeitsrechnung war jetzt nicht so meine Stärke", grinst Broll. "Nein, Spaß! Das gibt Mut und Schwung. Wir wussten ja, dass wir den Karren selbst aus dem Dreck ziehen müssen. Den ersten Schritt haben wir getan. Mit der positiven Einstellung müssen wir am Sonntag ins Spiel reingehen."

Jetzt sah es auswärts im Jahr 2020 gar nicht so finster aus. Je 0:0 in Heidenheim und bei St. Pauli, der Sieg in der Oberpfalz. Daheim gab es zuletzt zwei Niederlagen. Wie klappt es nun auch im eigenen Stadion wieder? "Derby ist Derby. Gegen Aue brennt jeder in Dresden, das sollten wir genauso leben wie unsere Fans. Und dann bin ich mir sicher: Wenn wir so spielen wie in der zweiten Hälfte in Regensburg, dass wir auch zu Hause wieder unsere Punkte holen."

Broll selbst wird das Sachsenderby erstmals in Dresden erleben, diese Emotionen, diese Stimmung, diese Atmosphäre im ausverkauften Rund. Der Bär wird steppen. Ein guter Zeitpunkt, um diese Jetzt-erst-Recht-Mentalität weiterzuleben. "Wir sind doch in Regensburg aus der Pause raus und hatten nichts mehr zu verlieren, auch nach dem Rückstand nicht. Dann gehst du so ins Spiel rein. Ob du dann das 0:2 oder 0:3 hinterher kriegst, ist auch scheißegal, verloren ist verloren. So haben wir das Ding gedreht." 

Und so soll es für ihn am Sonntag weitergehen - gern auch mal ohne einem Rückstand hinterher zu jagen. Thomas Nahrendorf

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