Aue-Boss Leonhardt nach Dynamo-Aus für Minge entsetzt: "Wissen nicht, was sie tun"

Dresden/Aue - "Bleib stark Ralf. Ich denk', sie wissen nicht was sie tun." Punkt. So kommentierte Erzgebirge Aues Präsident Helge Leonhardt (61) Montagabend die Nichtverlängerung des Vertrages von Dynamos Sportdirektor Ralf Minge (59). Ein Tweet, der tief blicken lässt. 

Nach sechs Jahren als Geschäftsführer Sport bei Dynamo Dresden ist nun in diesem Sommer Schluss für Ralf Minge (59).
Nach sechs Jahren als Geschäftsführer Sport bei Dynamo Dresden ist nun in diesem Sommer Schluss für Ralf Minge (59).  © Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

Dynamo und Aue, das ist wie Schalke und Dortmund, nur eben etwas östlicher. Und auch wenn der Vergleich allein schon wegen der Historie hinkt, sagt es vieles über die Rivalität aus.

Und doch, so hörte man auch immer wieder vom Auer Präsidenten, dass man letztlich zusammen im Boot sitze. Zwei Ostklubs im wilden Strudel des deutschen Profifußballs. 

Am Ende des Tages sind Aue und Dynamo Vereine, die den Ostfußball bereits vor Jahren wieder erfolgreich auf die bundesdeutsche Landkarte gesetzt haben.

Entsprechend wäre es letztlich zu kurz gesprochen, die Beziehung zwischen den Veilchen und Schwarz-Gelb nur auf die sportliche Rivalität zu reduzieren. 

Ein Spiegelbild dessen ist schließlich auch die Beziehung Leonhardt-Minge.

Eine Floskel à la "in den Farben getrennt, in der Sache vereint" klingt so derbe abgedroschen wie zutreffend. Das 59-jährige Dynamo-Idol und den Aue-Visionär verbindet eine Freundschaft. Eine Freundschaft unter Männern.

Die Freundschaft Leonhardt-Minge: Loyalität, Ehrgeiz und Ehrlichkeit

Helge Leonhardt und Ralf Minge. Nicht erst seit gestern dicke Freunde.
Helge Leonhardt und Ralf Minge. Nicht erst seit gestern dicke Freunde.  © Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

Dass es die Ost-Vereine nach der Wende im bundesdeutschen Profifußball nicht leicht hatten, ist kein Geheimnis. Dass diese beiden es geschafft haben, ihre Klubs auf Dauer als feste Größe zu etablieren, wurde eingangs erwähnt.

Und so wurden zahlreiche "Schlachten" geschlagen. Untereinander, gegeneinander und gegen den Rest der deutschen Fußballwelt. Hier und da wechselten auch mal Spieler in die Farben des anderen. So war Minge selbst auch Mitte der Neunziger einst ein Jahr lang Trainer der Veilchen in der damaligen Regionalliga Nord-Ost.

Gemeinsam mit Lutz Lindemann, dem damaligen Manager, und seinem Bruder Uwe rührte Helge den Deal mit dem einstigen Mittelstürmer ein. 

Auch wenn das Engagement nach nur 29 Spielen und neun Monaten wieder endete, seither pflegt man "eine Männerfreundschaft und eine Freundschaft zwischen den Familien", wie Leonhardt einst im TAG24-Interview verriet.

Eine Beziehung mit Grundsätzen. Loyalität, Ehrgeiz, Ehrlichkeit. Attribute, welche über Jahre hinweg Begleiter der beiden eigentlichen Rivalen waren.

Ralf Minge und Dynamo will und muss kämpfen

Dynamo, der eigentlich größere und schillerndere Klub der beiden, steht am sportlichen Abgrund, seit Monaten mit dem Rücken zur Wand. Das Vorhaben, sich stetig weiterzuentwickeln und mittelfristig gar um den Aufstieg und die endgültige Rückkehr ins Oberhaus zu spielen, erleidet in der Saison 2019/20 eine massive Bruchlandung.

Die SGD ist derzeit Tabellenletzter der 2. Bundesliga, mit sechs Punkten Rückstand auf den Relegationsplatz 16, steht vor dem Abstieg in Liga 3 - auch wenn man noch drei Begegnungen weniger hat als die unmittelbare Konkurrenz.

Minge selbst gab und gibt sich kämpferisch. 

Dynamo mit Mammutaufgabe: Corona und der Weg des David

Der Aue-Präsident Helge Leonhardt (61).
Der Aue-Präsident Helge Leonhardt (61).  © Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

Die Situation sei wie sie sei, und es gelte, sie anzunehmen. Was sollte man auch anderes tun. Corona ist da und beschert Dynamo zum Schluss ein kräftezehrendes Mammutprogramm.

Die verbleibenden acht Spiele müssen die Dresdner in 25 Tagen absolvieren.

Man kann es als Chance sehen. Man kann den Spirit und den Glaube an ein erfolgreiches Ende daran knüpfen, etwas Außergewöhnliches schaffen zu können und als krasser Underdog vielleicht doch für die Mega-Überraschung sorgen.

Ansonsten sieht man den eigentlichen Underdog, der sich in seiner erzgebirgischen Beschaulichkeit in ebendieser Rolle verankert hat und in dieser Nische wohl fühlt, zumindest für ein Jahr lang nicht mehr.

Für Minge selbst ist nach der Saison Schluss bei Dynamo. Sein Kontrakt wird nicht verlängert. Beide Seiten hätten "nun nicht mehr die volle Überzeugung, den bisherigen Weg in der bestehenden Form gemeinsam fortsetzen zu wollen", hieß es am Montagabend.

Minge wurde häufig kritisiert, ihm wurde unter anderem auch eine schwache Kaderzusammenstellung attestiert. Dieser Verantwortung stellt er sich. Fehler hat er mit Sicherheit gemacht. In der Winterpause hat er eben diese unlängst auf seine Kappe genommen, Geld in Neuzugänge gesteckt, die das zu sinken drohende Schiff wieder auf Kurs bringen sollen. Nun muss allerdings ein anderer ran. 

Egal in welcher Liga der Neustart ohne das Dynamo-Idol beginnt, die Leistungen Minges über Jahre hinweg müssen nicht nur honoriert, sondern auch erst einmal wiederholt werden.

Nicht dass es schon bald heißt: "Bleib stark Dynamo. Ich denke, sie wussten nicht, was sie taten."

Titelfoto: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa ; Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

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