Dynamo: So habe ich das Geisterspiel nach der Corona-Pause erlebt

Dresden - Sonntag, es ist 12.15 Uhr. 75 Minuten vor Anpfiff sind die Straßen in Dresden verstopft, wenn Dynamo ein Heimspiel hat. Abertausende sind auf dem Weg. Mit dem Auto, der Straßenbahn, zu Fuß. 

Vor der Partie und dem Betreten des Stadions wird bei TAG24-Redakteur Thomas Nahrendorf Fieber gemessen.
Vor der Partie und dem Betreten des Stadions wird bei TAG24-Redakteur Thomas Nahrendorf Fieber gemessen.  © Fotomontage: Robert Michael/dpa; privat

Diesmal? Freie Fahrt, kaum einer ist unterwegs. Die SGD feiert ihre Geisterspiel-Premiere in der Corona-Zeit gegen Stuttgart. Ein Blick in den Großen Garten zeigt aber, es sind viele auf den Beinen, aber halt nicht zum Rudolf-Harbig-Stadion. 

Nix los, kein Kiosk, an dem sich die Fans treffen. Kein Gewimmel auf den Wegen. Die Torwirtschaft gegenüber des RHS ist offen, sie überträgt die Partie auf einer Großleinwand. 

Einfach so geht es nicht hinein. Man muss vorher reserviert haben, um die Gesundheitsregeln einhalten zu können. Aber sonst? Tote Hose! Untypisch für das Dynamoland, in diesem Falle aber positiv. 

Es kommt zu keinen Menschenansammlungen. Sonst, in Zeiten ohne Corona, zeigen die Medienleute ihre Akkreditierung am Eingang, verschwinden im Presseraum, bereiten sich auf die Partie vor. Alles anders diesmal. 

Am Eingang folgt ein Gesundheitscheck, ein Formular wird ausgefüllt mit sämtlichen Kontaktdaten, dann wird Fieber gemessen. 35,6 - fast schon unterkühlt. Die Sanitäterin würde einem am liebsten die Wärmedecke überlegen. Aber geht schon - und zwar gleich auf die Pressetribüne. 

Kein gemeinsames Einlaufen, keine Kinder an der Hand, kein "12. Mann" vor dem Spiel

In der "Torwirtschaft" gegenüber vom Stadion wird die Begegnung auf einer Leinwand übertragen.
In der "Torwirtschaft" gegenüber vom Stadion wird die Begegnung auf einer Leinwand übertragen.  © Lutz Hentschel

Alles andere ist geschlossen. Nur eine Toilette ist offen. Man(n) muss ja müssen dürfen! 

Getränke stehen auf der Tribüne. Gar nicht so einfach mit Mundschutz, der gar durchgehend getragen werden muss. Der Kaffee schmeckt trotzdem, kurz den Schutz Richtung Nase geschoben, rein in den Schlund und aufpassen, dass nicht zu viel daneben geht.

Was sich in den kommenden Minuten abspielt, ist unwirklich. Der K-Block fehlt. Nur ein Banner ziert die Leiste. Stille, absolute Stille. Die Teams machen sich warm. "Kommt, Jungs, auf geht's", ruft Co-Trainer Heiko Scholz. Jedes Wort ist zu hören, jede Anweisung.

Anpfiff! Kein gemeinsamen Einlaufen, keine Kinder an der Hand. Kein Dynamo-Lied, der "12. Mann". Plopp, plopp, plopp. Das ist der Ball. Komisches Geräusch, das da bis unters Stadiondach hallt. Stuttgart geht 1:0 in Führung. Man hört die Spieler fluchen, zumindest die Dresdner, die anderen eher nicht. 

Die Dynamos beklatschen von außen jede gute Aktion, feuern die Jungs auf dem Feld an. Lautstark. Sonst ist so etwas im brüllend lauten Rund nicht zu vernehmen, jetzt umso mehr. In der zweiten Hälfte wartet man auf die Welle des K-Blocks. Die trägt, biegt so manch verloren geglaubte Partie. Vergebens. 

Das Stadion ist gut bewacht.
Das Stadion ist gut bewacht.  © Lutz Hentschel

Mixed-Zone, Pressekonferenz? Die Fragen werden per WhatsApp gestellt, die PK auf die Tribüne gestreamt

Nur die Spieler, Trainer, Betreuer, die ihre Teams antreiben. Nützt für die SGD nichts. 0:2 und Aus. Ab in die Mixed Zone, Spielerstimmen einsammeln, ab zur Pressekonferenz mit den Trainer. Ach nee, ist ja auch nicht.

Völlig neu. SGD-Pressesprecher Henry Buschmann (37) sammelt die Fragen per WhatsApp ein, die PK wird gestreamt. Die Medienleute hören gespannt von der Pressetribüne zu. Zum Glück ist nicht Winter, die Körpertemperatur wäre sonst im wirklich kritischen Bereich.

Fertig, raus. Sonst ist auch da noch Gewimmel. Diesmal nicht. Nur wenige Fans warten. Unwirklich halt. Fazit: Man muss es erlebt haben, aber schön sind sie nicht, diese Geisterspiele. 

Titelfoto: Fotomontage: Robert Michael/dpa; privat

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