Dynamo-Rückkehrer Kreuzer über sein schweres halbes Jahr: "Du hoffst jeden Tag, aber es passiert nichts"

Dresden - Der verlorene Sohn ist wieder daheim! Obwohl das im Grunde falsch ist. Niklas Kreuzer (27) war ja nicht weg aus der Stadt, er blieb auch nach seinem Ende bei Dynamo Dresden im Juli hier wohnen.

Niklas Kreuzer (27, r.) weiß auch, wie man mit Dynamo aus der 3. Liga aufsteigt - nach der Partie in Magdeburg am 16. April 2016 ließ er mit den Kollegen die Sau raus.
Niklas Kreuzer (27, r.) weiß auch, wie man mit Dynamo aus der 3. Liga aufsteigt - nach der Partie in Magdeburg am 16. April 2016 ließ er mit den Kollegen die Sau raus.  © Lutz Hentschel

Doch jetzt ist er im Team zurück. Nach dem Kreuzbandriss von Robin Becker (24) holte ihn die SGD. Bei Dynamo-TV hat der 27-Jährige sein erstes Interview nach seiner Vertragsunterschrift gegeben.

Niklas, wie dankbar bist du, dass es künftig das Trikot mit Rückennummer 22 und deinem Namen darauf geben wird?

Kreuzer: "Sehr dankbar. Das ist nicht in Worte zu fassen. Ich bin sehr glücklich, wieder hier zu sein."

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Der Abschied im Sommer war nicht geräuschlos. Wie sehr hast du dich gefreut, als der Anruf kam?

Kreuzer: "Riesig. Es war kein einfaches halbes Jahr. Ich habe sehr viel dazugelernt, über den Fußball, aber auch persönlich. Es hört sich ein bisschen komisch an, aber man reift, wenn man einen komplett anderen Blickwinkel auf die Sache bekommt. Was du für Möglichkeiten bekommst als Fußballer, welche Privilegien du hast."

Was nimmst du dir vor bis zum Sommer?

Kreuzer: "Ich sehe meine Aufgabe ganz klar darin, die Jungs mit meiner Erfahrung zu unterstützen. Vom Talent her und von der fußballerischen Klasse ist es die beste Mannschaft in der Liga. Ich versuche meine Erfahrung, dich ich sammeln durfte, weiterzugeben. Ich versuche sie so zu unterstützen, dass wir am Ende das Ziel erreichen können."

Die Dynamo-Trainer wie Heiko Scholz (55, l.) wissen, was sie von Niklas Kreuzer (27) erwarten können.
Die Dynamo-Trainer wie Heiko Scholz (55, l.) wissen, was sie von Niklas Kreuzer (27) erwarten können.  © Lutz Hentschel

Dynamo Dresdens Rückkehrer Niklas Kreuzer hatte eine "Scheißzeit"!

Ein trauriger Tag - auch für Niklas Kreuzer (27). Nach dem Spiel gegen Osnabrück und dem besiegelten Abstieg feierten zwar 1000e Fans die Mannschaft. Kreuzer ahnte aber wohl damals im Juni 2020 schon, dass es für ihn bei den Schwarz-Gelben erstmal nicht weitergehen würde.
Ein trauriger Tag - auch für Niklas Kreuzer (27). Nach dem Spiel gegen Osnabrück und dem besiegelten Abstieg feierten zwar 1000e Fans die Mannschaft. Kreuzer ahnte aber wohl damals im Juni 2020 schon, dass es für ihn bei den Schwarz-Gelben erstmal nicht weitergehen würde.  © imago images/Dennis Hetzschold

Du bist 2016 schon mal mit Dynamo aufgestiegen. Glaubst du, dass es wieder zu schaffen ist?

Kreuzer: "Zu 100 Prozent. Die Liga ist gespickt mit vielen guten Mannschaften. Wenn diese Truppe es schafft, jedes Wochenende 100 Prozent abzurufen, wird es schwer, uns zu schlagen - das darf ich ja jetzt wieder sagen. Ich versuche die Jungs zu unterstützen, egal in welcher Rolle. Ich weiß, dass es für mich eine Scheißzeit war die letzten sechs, sieben Monate. Ich werde noch ein Stück brauchen, um wieder bei 100 Prozent zu sein."

Wie erlebt man so einen Totalabsturz, wenn man im Sommer zu Hause sitzt und keinen neuen Verein findet?

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Kreuzer: "Es bringt dich zum Nachdenken. Im Sommer war klar, dass es hier nicht weitergeht. Das war für beide vielleicht sogar richtig. Ich hatte den Anspruch an mich, in der 2. Liga zu bleiben. Ich war dann auch bei diversen Vereinen vor Ort und war felsenfest davon überzeugt, es geht in der 2. Liga weiter. Du lernst das Fußballgeschäft anders kennen, bist ein Kandidat von vielen. Du musst hoffen, dass sich der Verein für dich entscheidet. Das war nicht der Fall. Rückblickend wäre es besser gewesen zu sagen, okay, du hast einen Verein, auch wenn es unterklassig ist.

Aber mein Stolz war zu groß. Du hoffst jeden Tag, das was passiert. Aber es passiert nichts. Deine Familie ist von dir abhängig, ich war frisch Papa geworden und du schaffst es nicht, alle glücklich zu machen. Das hat schon genagt. Aber es war auch eine lehrreiche Zeit. Ich habe sehr viel mitgenommen, auch als Mensch wertzuschätzen, was hier tagtäglich geboten wird. Das sehe ich jetzt mit ganz anderen Augen. Mit Leib und Seele und ganz großem Herz möchte ich das jetzt zurückzahlen."

Titelfoto: Lutz Hentschel

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