Dynamos U19 schenkt in wahrem Pokalkrimi gegen Wolfsburg 2:0-Führung her!

Dresden - Nicht zu fassen! Dynamo Dresdens U19 sah gegen den VfL Wolfsburg in der ersten Runde des DFB-Pokals der A-Junioren lange Zeit wie der sichere Sieger aus. Doch am Ende verlor die SGD bitter mit 2:3 (1:0) und schied somit frühzeitig aus dem Wettbewerb aus.

So sah es lange Zeit aus: Dynamos U19 klärte die Bälle (hier Lorenz Hollenbach, l.) gegen Wolfsburgs U19 (hier 2:2-Torschütze Timon Burmeister).
So sah es lange Zeit aus: Dynamos U19 klärte die Bälle (hier Lorenz Hollenbach, l.) gegen Wolfsburgs U19 (hier 2:2-Torschütze Timon Burmeister).  © Stefan Bröhl

Die Schlussphase war dabei ähnlich chaotisch wie die Situation vor dem Spiel. Der gewohnte Eingang über den Sportpark Ostra war zu. Alle Fans mussten den Umweg rund um das weitläufige Gelände gehen, sich in einer Schlange anstellen, um die Kontaktdaten handschriftlich in die Corona-Nachverfolgungsliste einzutragen.

Dabei gab es kurz vor dem Anpfiff einen Menschenstau und an die Abstandsregeln hielt sich dabei auch fast niemand. Unschön. Dazu fand die Partie nicht auf dem besten Rasenplatz statt, wo sich die 153 Zuschauer stärker hätten verteilen können, sondern auf dem dahinter, wo die Anhänger nur auf einer hügligen Erhöhung und hinter einem Tor stehen konnten.

Auf dem Feld entwickelte sich dafür allerdings eine enge Begegnung, in der Wolfsburg zwar mehr Ballbesitz hatte, sich offensiv aber trotz erkennbarer individueller Klasse, Technik und Geschwindigkeit überhaupt nicht in Szene setzen konnte. Dynamo, ohne die Leistungsträger Bastian Schrewe und Simon Gollnack angetreten, stand nämlich sicher, verschob klasse und machte die Räume eng. Dazu feuerten sich die Spieler gegenseitig nach gelungenen Aktionen an und pushten sich somit.

Dynamo-Talent Paul Lehmann auf dem Sprung nach oben!
Dynamo Dresden Dynamo-Talent Paul Lehmann auf dem Sprung nach oben!

Dabei half ihnen selbstverständlich auch die Führung. Der starke Linksaußen Johann Saalfrank durfte den Ball im gegnerischen Sechzehner annehmen, abschließen und traf mit seinem Schuss in die kurze Ecke zum 1:0 für die SGD (19. Minute).

Klasse Angriff! Dynamos bulliger Mittelstürmer Phil Harres (2.v.l.) köpfte die Flanke von Bennet Haffke (r.) zum 2:0 ein. Wolfsburgs Keeper Philipp Schulze hatte keine Abwehrchance.
Klasse Angriff! Dynamos bulliger Mittelstürmer Phil Harres (2.v.l.) köpfte die Flanke von Bennet Haffke (r.) zum 2:0 ein. Wolfsburgs Keeper Philipp Schulze hatte keine Abwehrchance.  © Stefan Bröhl

Phil Harres legt für Dynamo Dresdens U19 gegen den VfL Wolfsburg nach

Jubel über das 2:0! Dynamos U19 um die beiden Torschützen Phil Harres (Nr. 9) und Johann Saalfrank (4.v.l.) sah bis zur 62. Minute wie der sichere Sieger aus, ließ sich die Butter dann aber noch vom Brot nehmen.
Jubel über das 2:0! Dynamos U19 um die beiden Torschützen Phil Harres (Nr. 9) und Johann Saalfrank (4.v.l.) sah bis zur 62. Minute wie der sichere Sieger aus, ließ sich die Butter dann aber noch vom Brot nehmen.  © Stefan Bröhl

Davon beflügelt stand die Defensive um Kapitän Adnan Alagic und Lorenz Hollenbach sehr sicher. Linksverteidiger Jonas Kühn und Rechtsverteidiger Louis Schmidt gewannen die wichtigen Zweikämpfe gegen die VfL-Flügelspieler und wenn doch mal eine Flanke in den Sechzehner segelte, dann war Dresdens Torhüter Jannis Maul zur Stelle und fing die Hereingaben souverän ab.

Auch offensiv sorgte Dynamo, das in dieser Saison noch kein Gegentor bekommen und vier Punkte aus zwei Liga-Spielen geholt hatte (0:0 bei Hannover 96, 2:0 gegen den Halleschen FC), immer wieder für Gefahr. Kurz vor der Pause verpasste Phil Harres die Chance zu erhöhen. Er verzog seinen wuchtigen Schuss knapp (45.).

Nach Wiederbeginn traf der groß gewachsene Mittelstürmer dann aber. Bennet Haffke hatte sich auf der linken Seite hervorragend durchgesetzt und die Kugel per Chip in die Mitte geflankt, wo Harres am zweiten Pfosten völlig freistand und das Leder problemlos aus Nahdistanz einköpfte - 2:0, die SGD sah wie der sichere Sieger aus (48.)!

Dynamo Dresden testet gegen italienischen Erstligisten
Dynamo Dresden Dynamo Dresden testet gegen italienischen Erstligisten

Doch jetzt ruckten die Jungwölfe, die ihre ersten beiden A-Jugend-Bundesliga-Spiele verloren hatten, an. Timon Burmeister bediente Angreifer Moses Iwenbuke Otuali Omohe, der das Kunststück fertigbrachte und das Spielgerät frei stehend aus drei Metern nicht an Maul vorbeibrachte, der überragend reagierte und das Leder entschärfte. Der Abpraller landete über dem Kasten - tief durchatmen (52.)!

Nur eine Minute später scheiterte dann Weltmeister-Sohn Lucien Littbarski an Maul, der den flachen Distanzschuss gekonnt aus der rechten Ecke kratzte. Obwohl die Gäste Dynamo hinten einschnürte, gelang es der Heimelf, sich immer wieder zu befreien und bei Kontern gefährlich zu sein. Doch Saalfranks 14-Meter-Schuss sauste haarscharf über die Latte (55.).

Wolfsburgs auffälliger Mittelstürmer Moses Otuali (3.v.l.) brachte den VfL mit seinem 1:2-Anschlusstreffer zurück ins Spiel. Hier behauptet er sich gegen Dynamos guten Rechtsverteidiger Louis Schmidt (2.v.l.).
Wolfsburgs auffälliger Mittelstürmer Moses Otuali (3.v.l.) brachte den VfL mit seinem 1:2-Anschlusstreffer zurück ins Spiel. Hier behauptet er sich gegen Dynamos guten Rechtsverteidiger Louis Schmidt (2.v.l.).  © Stefan Bröhl
König der Lüfte: Dynamo-Keeper Jannis Maul (l.) zeigte eine exzellente Leistung. Er fing jede Flanke sicher ab und war auch auf der Linie mit starken Paraden zur Stelle. Die bittere Niederlage konnte er aber auch nicht verhindern.
König der Lüfte: Dynamo-Keeper Jannis Maul (l.) zeigte eine exzellente Leistung. Er fing jede Flanke sicher ab und war auch auf der Linie mit starken Paraden zur Stelle. Die bittere Niederlage konnte er aber auch nicht verhindern.  © Stefan Bröhl

Moses Otuali, Timon Burmeister und Dino Nuhanovic drehen die Partie für den VfL Wolfsburg

Am Ende warf Dynamos U19 um Eckballschützen Jonas Kühn (r.) alles nach vorne, doch ein Comeback sollte der SGD nicht mehr gelingen.
Am Ende warf Dynamos U19 um Eckballschützen Jonas Kühn (r.) alles nach vorne, doch ein Comeback sollte der SGD nicht mehr gelingen.  © Stefan Bröhl

Trotzdem sahen die Schwarz-Gelben nach einer Stunde wie der sichere Sieger aus. In der 63. Minute war es dann allerdings geschehen. Erst konnte Maul einen Schuss von Burmeister aus Nahdistanz noch hervorragend parieren, doch in der Mitte schaltete der auffällige Otuali schneller als alle Dresdner Abwehrspieler und drückte den Ball zum 1:2 aus VfL-Sicht über die Linie.

Nun waren die spielstarken Gäste vollends obenauf. Dynamo versuchte, den Vorsprung zu verteidigen und lauerte auf den entscheidenden Gegenstoß. In der Schlussphase ließen bei der SGD aber die Kräfte nach, weshalb sich Unaufmerksamkeiten im Deckungsverhalten einschlichen, die Wolfsburg eiskalt ausnutzte.

So wurde Burmeister in der 81. Minute am zweiten Pfosten sträflich alleine gelassen und konnte aus wenigen Metern in die kurze Ecke einschießen - 2:2 (81.). Und das sollte es noch nicht gewesen sein. Nur zwei Zeigerumdrehungen später sorgten zwei eingewechselte Akteure für die Entscheidung. Kobe Hernandez-Foster bediente Stürmer Dino Nuhanovic, der die Kugel aus 14 Metern halblinker Position unter die Latte jagte - 3:2 für die Jungwölfe.

Dynamo gab nicht auf und übte nun wieder selbst Druck aus, auch Maul war bei Standardsituationen im gegnerischen Strafraum. Eine gute Chance konnte sich die SGD allerdings nicht mehr herausspielen und verlor aufgrund einer zu passiven Leistung in der letzten halben Stunde auf bittere Art und Weise. Nach dem Halbfinaleinzug in der vergangenen Saison musste die Mannschaft von Trainer Willi Weiße nun schon in der ersten Runde die Segel streichen. Schade!

Titelfoto: Stefan Bröhl

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