Dynamo: Alles Gute zum 60., "Mingus"! Harte Schale, weicher Kern

Dresden - Ralf Minge sieht erholt aus. Die emotionalen Wochen mit dem Abstieg seines Herzensvereins Dynamo Dresden und seinem unfreiwilligen Abschied als Sportchef sieht man ihm an diesem Abend nicht an. 
Gruppenbild mit "Pate": Ralf Minge nach dem letzten Zweitligaspiel der Dynamos am 28. Juni gegen Osnabrück. Danach stellte sich die Mannschaft mit ihm aufs Foto.
Gruppenbild mit "Pate": Ralf Minge nach dem letzten Zweitligaspiel der Dynamos am 28. Juni gegen Osnabrück. Danach stellte sich die Mannschaft mit ihm aufs Foto.  © Lutz Hentschel

Und dann gibt es bei diesem ersten öffentlichen Auftritt seit der Dynamo-Demission auch noch einen Preis. Er wird im Tom-Pauls-Theater als "Sachse des Jahres" ausgezeichnet. Sein erstes Geburtstagsgeschenk, am heutigen Donnerstag wird "Mingus" 60!

Es ruhig geworden um ihn seit Ende Juni. Und ist es immer noch. Zu erreichen ist er nicht. Minge hat sich abgeschottet. 

Verübeln wird es ihm keiner. Daher sprechen zwei Freunde und Wegbegleiter über ihn. "Mit Ralf verbindet mich eine langjährige, kameradschaftliche Freundschaft. Ich habe ihn als fairen, ehrlichen und ehrgeizigen Sportsmann kennengelernt", sagt Aue-Präsident Helge Leonhardt. 

"Trotz der Rivalität zwischen Dresden und Aue haben wir immer sehr konstruktiv zusammengearbeitet. Nach den letzten Wochen und Monaten, die für Ralf mit Sicherheit nicht einfach waren, wünsche ich ihm vor allem Gesundheit. Ich würde mich freuen, wenn er schon sehr bald wieder eine Funktion begleitet, denn Fußball ist sein Leben."

Spielten fünf Jahre zusammen, arbeiteten später miteinander. Hier schauen Ralf Minge (l.) und "Dixie" Dörner noch im Großen Garten beim Training zu.
Spielten fünf Jahre zusammen, arbeiteten später miteinander. Hier schauen Ralf Minge (l.) und "Dixie" Dörner noch im Großen Garten beim Training zu.  © Lutz Hentschel

Hans-Jürgen Dörner wünscht Ralf Minge vor allem Gesundheit

Ziemlich beste Freunde und das seit Jahren: FCE-Präsident Helge Leonhardt (l.) und Ralf Minge.
Ziemlich beste Freunde und das seit Jahren: FCE-Präsident Helge Leonhardt (l.) und Ralf Minge.  © picture point/Sven Sonntag

Minges ehemaliger Mitspieler Hans-Jürgen Dörner wünscht dem ehemaligen Sportgeschäftsführer vor allem, "dass er gesund bleibt. Dass er sich ein schönes Leben machen kann und eventuell, wenn es ihm besser geht und er das Gefühl hat, wieder einsteigen zu können, dass er bei Dynamo Dresden in welcher Form auch immer wieder dabei wäre. Für den Verein wäre das gut".

Der 69 Jahre alte Aufsichtsrat spielte bei Dynamo einst fünf Jahre mit dem in Elsterwerda geborenen Angreifer Minge zusammen. 

Von 1981 bis 1991 erzielte Minge in 222 Oberliga-Spielen 103 Tore, wurde zweimal Meister sowie dreimal FDGB-Pokalsieger.

"Wir haben ihm viele Tore zu verdanken. Die anderen wussten genau, dort in der Mitte steht ein kopfballstarker und torgefährlicher Minge", erinnert sich Dörner.

"Ich habe Ralf als aufrichtigen und ehrlichen Menschen kennengelernt. Er hat eine harte Schale, aber auch einen weichen Kern."

Er saß auch als Trainer und Co-Trainer auf der Bundesliga-Bank bei Dynamo: Ralf Minge (r.), hier im August 1994 mit seinem damaligen Chef Siggi Held.
Er saß auch als Trainer und Co-Trainer auf der Bundesliga-Bank bei Dynamo: Ralf Minge (r.), hier im August 1994 mit seinem damaligen Chef Siggi Held.  © Frank Kruczynski
Wurde am Wochenende ausgezeichnet als "Sachse des Jahres": Ralf Minge.
Wurde am Wochenende ausgezeichnet als "Sachse des Jahres": Ralf Minge.  © Daniel Förster

Ralf Minge kehrte 2006 zu Dynamo Dresden zurück

220 Spiele und 103 Spiele für Dynamo: Ralf Minge.
220 Spiele und 103 Spiele für Dynamo: Ralf Minge.  © Frank Kruczynski

Seine aktive Karriere beendete Minge im Mai 1991. Er wurde unter anderem Co- sowie Interimstrainer der Sachsen. Den sportlichen Niedergang sowie den Zwangsabstieg 1995 konnte er nicht verhindern.

Es folgten die Stationen FC Erzgebirge Aue und SC Fortuna Köln. Im Jahr 2000 landete Minge bei Bayer 04 Leverkusen, wo er als Trainer der Amateure bzw. als Co-Trainer unter Klaus Toppmöller fünf Jahre blieb.

Nach Anstellungen bei der Nationalmannschaft von Georgien sowie beim DFB wurde der ehemalige Angreifer am 21. September 2006 in den Aufsichtsrat von Dynamo Dresden gewählt.

Zur Saison 2007/08 wurde ihm der Posten des Sportchefs übertragen. Nach Streitigkeiten über den Stadionvertrag trat Minge im April 2009 zurück.

Fünf Jahre später hatte er das Amt als Sportgeschäftsführer wieder inne und führte die Sachsen zurück in die 2. Bundesliga

Am 30. Juni 2020 endete seine Ära dennoch abrupt, das Happy End blieb ihm verwehrt.

Titelfoto: Daniel Förster

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