Dynamo-Legende "Dixie" Dörner wird 70: Mehr als der "Beckenbauer des Ostens"

Von Jens Maßlich

Dresden - Hans-Jürgen Dörner (69) spricht gelassen. Sollte es sie geben, so ist ihm die Aufregung über seinen bevorstehenden Ehrentag nicht anzumerken. "Ehrlich gesagt, habe ich mir darüber keine Gedanken gemacht", sagt der einstige Weltklasse-Spieler von Dynamo. "Ich lasse das auf mich zukommen. Mit Sicherheit wird es sehr gemütlich."

Nach der Wende heuerte Hans-Jürgen Dörner (l.) beim DFB an, wurde Assistent von Bundestrainer Berti Vogts.
Nach der Wende heuerte Hans-Jürgen Dörner (l.) beim DFB an, wurde Assistent von Bundestrainer Berti Vogts.  © DPA / Frank Kleefeldt

Am Montag feiert "Dixie" seinen 70. Geburtstag. "Ein fortgeschrittenes Alter. Daher wünsche ich ihm vor allem Gesundheit", erklärt Eduard Geyer.

Der 76-Jährige lobt seinen ehemaligen Mitspieler in höchsten Tönen: "Er ist ein sehr zugänglicher und unkomplizierter Mensch. Ich kann nichts Negatives über ihn sagen, wir sind viele Jahre zusammen gut ausgekommen."

Dörner kam 1967 mit 16 Jahren aus Görlitz an die Elbe und blieb Schwarz-Gelb bis zum Karriereende treu. Kaum einer steht so sehr für die Entwicklung des Traditionsklubs wie der einstige Weltklasse-Libero.

"Bis 1969 war Dynamo noch eine Fahrstuhlmannschaft, was sich erst mit Trainer Walter Fritzsch änderte", blickt der Jubilar zurück. "Unter ihm ist es gelungen, die Mannschaft mit vielen guten und jungen Spielern zu stabilisieren. Bis zu meinem Karriereende 1986 haben wir fast jedes Jahr international gespielt."

Dörner hatte großen Anteil daran. Nur wenige DDR-Kicker haben sich deutschlandweit einen derartigen Ruf erspielt. "Wenn man die Entwicklung hautnah miterlebt und auch mitgeholfen hat, dann ist das natürlich etwas ganz Besonderes", gibt er zu.

Dixie Dörner will nicht "Beckenbauer des Ostens" sein

Wegen seiner eleganten Spielweise wurde Dixie Dörner mit Franz Beckenbauer verglichen.
Wegen seiner eleganten Spielweise wurde Dixie Dörner mit Franz Beckenbauer verglichen.  © Imago Images / Frank Krucznyski

Aber der "Beckenbauer des Ostens" will er nicht sein. "Das hat die Presse ins Spiel gebracht. Als junger Mann hat mir das geschmeichelt", gibt "Dixie" zu. "Aber ich hatte mit der Zeit meinen eigenen Spielstil entwickelt. Vielleicht hat der dem von Franz Beckenbauer ein bisschen geähnelt. Mir war das aber nicht mehr so recht, diesen Vergleich immer zu lesen."

392 Oberliga-Spiele (65 Tore) bestritt Dörner in 18 Jahren für die Sachsen, feierte je fünf Meisterschaften und Pokalsiege. Dreimal wurde er zum "Fußballer des Jahres" gewählt.

"Für mich als junger Spieler war 'Dixie' ein Mentor. Seine einzigartige Kultur des Spiels hat mich geprägt, so wie viele Sportler meiner Generation", sagt Ralf Minge über seinen früheren Mitspieler.

Dörner ist Identifikationsfigur, wollte nie weg aus Dresden. "Den Wunsch nach Veränderung hatte ich nie. Wir waren eine Spitzenmannschaft, haben jedes Jahr um den Meistertitel gespielt. Was den Fußball betrifft, war ich in Dresden immer zufrieden."

Mit 18 Jahren debütierte Dixie Dörner in der Nationalmannschaft

Hans-Jürgen Dörner im Januar 2021: Für den Fototermin auf einer Brücke im Großen Garten musste er nicht weit weg von seiner fußballerischen Heimstätte.
Hans-Jürgen Dörner im Januar 2021: Für den Fototermin auf einer Brücke im Großen Garten musste er nicht weit weg von seiner fußballerischen Heimstätte.  © DPA/Robert Michael

Mit 18 debütierte er in der Nationalmannschaft, verpasste aber die WM 1974 aufgrund einer Gelbsucht.

Anschließend war der Libero jedoch unangefochtene Stammkraft und führte die DDR-Auswahl in 60 Länderspielen als Kapitän aufs Feld. Seinen größten Erfolg feierte Dörner mit Olympia-Gold 1976.

Präsent geblieben sind aber andere Momente.

"Das Spiel in Brasilien, wo ich vor 60.000 Zuschauern das 1:0 geschossen habe, wir dann aber noch 1:3 verloren. Unvergessen auch das EM-Qualifikationsspiel gegen Holland in Leipzig. Wir haben vor 100.000 Zuschauern 2:0 geführt, unterlagen aber noch mit 2:3 und konnten dadurch nicht zur EM nach Italien. So etwas bleibt hängen."

Sein 100. und letztes Länderspiel bestritt Dörner am 18. Mai 1985 beim 3:1 gegen Luxemburg. Das Karriereende folgte fast genau ein Jahr später mit einem 2:1-Sieg gegen Union Berlin.

Dörner wurde Trainer, zunächst in der SGD-Jugend. Nach einer Anstellung beim DFB übernahm er als erster Ostdeutscher einen Bundesliga-Klub. Sein Engagement bei Werder Bremen war jedoch nach etwas mehr als anderthalb Jahren wieder vorbei. "Es war eine Chance, in der Bundesliga tätig zu sein, die ich einfach ergriffen habe. Auch wenn ich nicht lange in Bremen war, war es der richtige Schritt", sagt Dörner. Es folgten die Stationen FSV Zwickau, El Ahly Kairo, VfB Leipzig, Radebeuler BC und SG Einheit Dresden-Mitte.

Seit November 2013 ist er als Aufsichtsratsmitglied zurück bei Dynamo. Geyer hofft, "dass er in seiner Position positiven Einfluss nehmen und seine Träume mit Dynamo verwirklichen kann."

Einer davon ist der Wiederaufstieg in die 2. Liga. Das würde wohl auch Dörner groß feiern.

Titelfoto: DPA/Robert Michael

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